Roger Federer ist das neueste Mitglied in der Tennis Hall of Fame. Die emotionale Einführungsrede hielt überraschenderweise seine Frau Mirka.
Sie war immer da, aber nahezu immer still. Mirka Federer hat die Karriere von Roger Federer zwei Jahrzehnte lang aus nächster Nähe erlebt. Mirka Federer, geborene Vavrincec, ist im Tenniskosmos für viele Tennisfans ein Mysterium. Denn ihre Stimme war nur ganz selten zu hören, so wie nach einem Match beim Hopman Cup 2001 in Perth, als sie damals mit Federer für die Schweiz antrat.
Interviews gab Mirka nach dem frühen Ende ihre Spielerkarriere keine mehr. So werden die meisten Tennisfans, die das Fundstück im Internet – das Interview beim Hopman Cup – nicht entdeckt haben, Mirkas Stimme wohl erst in der Dokumentation „Zwölf letzte Tage“ über Federers Karriereende gehört haben, in der Mirka der heimliche Star ist. „Ich werde es vermissen, ihn Tennis spielen zu sehen, weil er mit so viel Anmut gespielt hat“, sagt sie mit tränenerfüllter Stimme in der Dokumentation.
Einführungsrede: Mirka Federer statt Rafael Nadal
Mirka Federer meidet das Rampenlicht. Umso überraschender war es nun, dass kein Spielerkollege wie Rafael Nadal oder Andy Roddick die Einführungsrede für Federer in die International Tennis Hall of Fame hielt, sondern seine Ehefrau Mirka. Aber: Es hätte keine passendere Rednerin als Mirka Federer geben können – die Frau, die maßgeblichen Anteil daran hat, dass aus dem Talent Federer, der elegante und auf der ganzen Welt geliebte Grand-Slam-Champion wurde.
In ihrer Einführungsrede blickte Mirka noch mal auf ihre Kennenlerngeschichte zurück. „Roger und ich lernten uns bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney kennen. Er war 18 und ich war 21. Ja, ich war die Ältere. Anscheinend hat Roger sofort beschlossen, dass Alter nur eine Zahl ist. Er hat mich trotzdem umworben, und zum Glück war er hartnäckig. Als wir uns kennenlernten, hatte er genau null ATP-Titel. Null. Rückblickend war ich wohl bei allen 103 dabei, die danach folgten“, erzählte Mirka und ließ darauf eine Anekdote folgen, mit der sie für Gelächter im Publikum sorgte, vor allem bei Andy Roddick.
Mirka Federer: „So viele Jahre hatte ich den besten Platz im Haus”
„In jenen frühen Tagen half ich ihm manchmal sogar beim Aufwärmen vor den Spielen. Ich hatte selbst professionell gespielt, also dachte Roger, ich könnte ihm helfen, sich vorzubereiten. Ich erinnere mich noch daran, wie Andy Roddick nach dem Finale in Cincinnati scherzte: ‚Ich kann nicht glauben, dass ich gegen einen Typen verloren habe, dessen Freundin ihn aufgewärmt hat.‘ Das hat er wirklich gesagt, und ich erinnere mich daran, ja. Wir müssen immer noch lächeln, wenn wir darüber sprechen“, erzählte Mirka.
Keiner hat mehr Matches von Federer hautnah gesehen als seine Frau. „Alle reden von Rogers Eleganz auf dem Tennisplatz, und ich verstehe genauso gut wie jeder andere, warum. So viele Jahre lang hatte ich den besten Platz im Haus. Ich habe beobachtet, wie er sich mit einer Anmut bewegte, die eine der härtesten Sportarten der Welt fast mühelos erscheinen ließ. Ich weiß, Roger sagt, das sei ein Mythos. Glaubt mir, ich habe die Arbeit, die vielen Stunden, die Disziplin und das Engagement gesehen. Ich habe alles gesehen, was nötig war, damit es so einfach aussah. Selbst nachdem ich mehr als 1.000 seiner Spiele gesehen hatte, hat es mich immer wieder in Erstaunen versetzt“, schilderte Mirka.
Mirka Federer: „Er ist das, was er ist, wenn niemand zuschaut”
Zum Abschluss ihrer Rede stellte Mirka den Menschen Federer Fokus, der nicht nur bei ihr, sondern bei seinen vielen Weggefährten Eindruck hinterließ. „So viele Menschen auf der ganzen Welt kennen Roger als einen der größten Tennisspieler, die es je gab. Sie kennen die Titel, die Rekorde, die Eleganz, die Rivalitäten, die Siege, die Momente, die Teil der Tennisgeschichte geworden sind, und diejenigen von uns, die Roger am besten kennen, wissen etwas noch Besseres. Die Trophäen und Rekorde sind außergewöhnlich, aber sie sind nur ein Teil seines Vermächtnisses. Was mich am stolzesten macht, ist nicht das, was Roger erreicht hat, als die Welt zusah. Es ist das, was er ist, wenn niemand zuschaut“, erzählte Mirka.
Mit ihrer Rede rührte Mirka ihren Ehemann zu Tränen. „Sie ist eine gute Rednerin, das wusste ich gar nicht“, begann Federer seine 27-minütige Aufnahmerede. „Das ist eine der größten Ehren meines Lebens. Man nennt das hier die Hall of Fame, aber Ruhm war nie mein Ziel. Mein Ziel war es, mein Leben damit zu verbringen, etwas zu tun, das ich liebe – so wie Mirka es gesagt hat –, zusammen mit den Menschen, die es genauso lieben wie ich“, sagte er über die Aufnahme in die Hall of Fame.
Mirka Federer, viel mehr als nur die Ehefrau
Mehrmals kamen Federer die Tränen, als er auf seine Karriere zurückblickte. Sein besonderer Dank galt der Frau, welche die wichtigste Rolle auf seinem Weg zur Tennisikone spielte. „Mirka ist, wie ihr wisst, meine Frau. Das ist die größte Untertreibung, die ich machen kann, denn sie war auch meine Trainerin, meine Sparringspartnerin vor den Matches und meine Bodenhaftung. Außerdem meine Stylistin. Die habe ich damals definitiv gebraucht. Vielleicht, ich weiß nicht, auch heute noch. Mirka ist die Person, die mir gezeigt hat, wie ich mich mehr auf das Tennis konzentrieren und an allem anderen Freude finden kann. Eine wunderbare Mutter für unsere vier Kinder, die das Unmögliche in unserem aller Leben möglich machen. Sie und ich nehmen uns an den Händen und stürmen gemeinsam durch Mauern. Danke. Sie vereint also all diese Eigenschaften, und das ist meine Hall of Fame“, sagte Federer über seine Ehefrau.
Über seine Liebe zum Tennis schwärmte er: „Ich wollte schon immer, dass die Leute sehen, wie toll es sich anfühlt, dieses Spiel zu spielen, wie toll es sich anfühlt, wenn ein Ball hart auf einen zukommt. Wie er sich dreht, welchen Klang er erzeugt, wie er aufspringt, wie sich die Geometrie verändert, während der Ball auf einen zukommt, und wie sich das Spielfeld selbst zu vergrößern oder zu verkleinern scheint. Tennis ist eine komplexe und wunderschöne Sache. Es ist spektakulär, dabei zuzusehen. Als Fan siehst das alles. Du erlebst jeden Punkt mit. Tennis bedeutete mir alles. Nicht nur das Spielen, nicht nur das Gewinnen, sondern etwas Neues zu schaffen.“
