tennis MAGAZIN feiert seinen 50. Geburtstag. Wir blicken zurück auf historische Highlights. Diesmal: die Jahre 2006 bis 2010.

Das „Tennisgenie“ gegen den „Stier aus Manacor“. Die Matches zwischen Roger Federer und Rafael Nadal elektrisierten über viele Jahre die Sportwelt. Wer bei diesem Duell nicht zuschaute, verpasste meist Sporthistorie. Besonderen Reiz erfuhr diese Rivalität durch die unterschiedlichen Spielstile. Federer, mit seiner eleganten Leichtigkeit, und Nadal, der mit seiner intensiven Spielweise jeden Ballwechsel angeht, als wäre er ein Matchball, hatten das Herrentennis auf eine neue Stufe geführt.

40-Mal duellierten sich Federer und Nadal auf dem Platz (Gesamtbilanz: 24:16 für Nadal). Die prägendste Zeit ihrer Rivalität war zwischen 2006 und 2009. In diesen drei Jahren bestritten die beiden sieben ihrer neun Grand Slam-Finals gegeneinander. Unvergessen ist das epische Wimbledonfinale 2008. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit jubelte Nadal über seinen ersten Wimbledontitel und beendete gleichzeitig die 65 Siege umfassende Rasen-Erfolgsserie von Federer. „Es ist die schlimmste Niederlage meiner Karriere – bei Weitem. Viel schlechter habe ich mich selten gefühlt“, sagte Federer traurig. Ebenso traurig war der Schweizer nach dem verlorenen Finale bei den Australian Open 2009 gegen Nadal. Bei der Siegerehrung weinte er bittere Tränen. Nadal nahm den Schweizer in den Arm und tröstete ihn.

Auf und abseits des Platzes gingen beide höchst freundschaftlich miteinander um. Von Rivalität war nie etwas zu hören, stattdessen von großem Respekt für den anderen. „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zueinander. Ich habe großen Respekt vor Roger. Er ist eine sehr bedeutsame Person für unseren Sport. Ich habe ihn noch nie wie einen Rivalen gesehen“, sagte Nadal über den Schweizer. „Natürlich wollen wir beide unbedingt gewinnen, aber unsere Spiele laufen jederzeit in einem fairen Rahmen ab und das spüren auch die Fans. Es ist sicher anders als bei einem Boxkampf oder als früher teilweise im Tennis. Wir zeigen, dass es auch mit guten Manieren geht“, beschrieb Federer die Situation dieser einmaligen Sportlerbeziehung, die sich zu einer Freundschaft entwickelte. Passend dazu spielte Federer beim Laver Cup 2022 sein letztes Karrierematch im Doppel an der Seite von Nadal. Als die Sängerin Ellie Goulding einen Abschiedssong für Federer performte, saß der Schweizer mit Nadal auf der Bank. Die beiden weinten hemmungslos und hielten sich gegenseitig an der Hand. Ein Bild für die Ewigkeit, genauso wie ihre Duelle auf dem Platz.

Kim Clijsters – Mit Wildcard zum US Open-Titel

Das, was Kim Clijsters bei den US Open 2009 vollbrachte, war etwas Einmaliges im Damentennis. Es war die Mutter aller Comebacks – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Belgierin kehrte nicht nur als spielende Mami auf die Tour zurück, sie gewann bei ihrem dritten Turnier nach ihrer Babypause eines der prestigeträchtigsten Turniere, die US Open – und das mit einer Wildcard. Ein Grand Slam-Sieg mit einer Wildcard hat es bislang nur zweimal gegeben: Goran Ivanisevic beim Wimbledonturnier 2001, und eben Clijsters 2009 bei den US Open.

Auf dem Weg zum Wunder von New York besiegte Clijsters unter anderem die Williams-Schwestern Venus und Serena sowie im Finale Caroline Wozniacki. „Ich hatte gar nicht den Plan, hier zu gewinnen. Ich bin nur gestartet, um wieder einmal zu spüren, wie es ist, ein Grand Slam-Turnier zu spielen. Noch vor 18 Monaten habe ich überhaupt nicht an Tennis gedacht“, kommentierte Clijsters ihr Comeback.

Die erfolgreiche Rückkehr von Clijsters war die Blaupause für das, was in den folgenden Jahren zunächst zum Trend wurde und inzwischen längst Normalität auf der WTA-Tour ist: Mütter, die nicht nur mitspielen, sondern auch Titel gewinnen. „Es hat gezeigt, dass es möglich ist, Mutter und Athletin zu sein“, sagte Clijsters.