Bei den US Open 2026 schießen die Ticketpreise schon vor dem Start in ungeahnte Höhen. Warum Fans in New York immer tiefer in die Tasche greifen müssen.

Der Ground Pass bei Grand Slam-Turnieren ist das Lieblingsticket der wahren Tennisfans, heißt es oft. Mit ihm kann man in der Regel zwar nur die Nebenplätze besuchen, aber gerade zu Beginn der Groß-Events spielt sich dort das wahre Geschehen ab. Neue Gesichter, Alt-Stars, gehypte Talente – sie tummeln sich auf den Außencourts und ihnen gilt die Aufmerksamkeit der selbsternannten Tennis-Nerds. Sollen sich auf den fetten Show-Courts doch die Reichen und Schönen versammeln, um den Matches der Stars beizuwohnen. Sie können es sich leisten und sind an den weniger bekannten Namen eh nicht interessiert. Bei den nun anstehenden US Open 2026 zeigt sich bereits im Vorfeld, dass die über Jahre gepflegten Besucher-Routinen in der Form nicht mehr gelten.

US Open mit Abstand am teuersten

Wer sich online über Ticketmaster, der offiziellen US Open-Ticket-Verkaufsplattform, einen Ground Pass beispielsweise für den siebten Turnier-Tag am 5. September (Samstag) kaufen will, muss – Achtung! – 436 US-Dollar (373 Euro) bezahlen (Stand: 20. August, 13 Uhr). Für den Eröffnungstag der Einzel-Hauptfelder am 30. August (Sonntag) muss man derzeit 287 US-Dollar (245 Euro) hinblättern – für einen Ground Pass wohlgemerkt. Der britische Tennis-Journalist Simon Cambers machte zuerst auf diese extrem hohen Eintrittspreise in seinem Blog „On Tennis“ aufmerksam und verglich sie dort auch gleich mit den Preisen für die Ground Passes in Melbourne (35$/30€), Roland Garros (45$/39€) und Wimbledon (45$/39€).

Sein Fazit: „Man könnte argumentieren, dass ein Ground Pass für die US Open etwas mehr Gegenwert bietet, da man sich auf den beiden nächstgrößeren Plätzen – dem Louis Armstrong Stadium und dem Grandstand – Sitze nach dem Motto ‚Wer zuerst kommt, mahlt zuerst‘ sichern kann. (…) Doch es ist offensichtlich, dass hier etwas gewaltig aus den Fugen geraten ist.“ Cambers weist daraufhin, dass es durchaus Konstellationen geben würde – je nach Tag und Kategorie –, bei denen ein Ticket für das riesengroße Arthur Ashe-Stadion günstiger ist als der Ground Pass. Und mit einem Ashe-Ticket kann man sich auch die Matches auf den Außenplätzen anschauen. Verkehrte Welt in New York!

Ground Ticket-Preise der US Open 2026 in Woche eins:

- Sonntag 30. August: 287 US-Dolar

- Montag, 31. August: 200 US-Dollar

- Dienstag, 1. September: 257 US-Dollar

- Mittwoch, 2. September: 203 US-Dollar

- Donnerstag, 3. September: 313 US-Dollar

- Freitag, 4. September: 361 US-Dollar

- Samstag, 5. September: 436 US-Dollar

- Sonntag, 6. September: 351 US-Dollar

Die Gründe für die hohen Ticket-Preise

Woran aber liegt es, dass insbesondere die Preise für den Ground Pass derart in die Höhe geschnellt sind? Drei Gründe sind für die explodierenden Kosten verantwortlich: das Resale-System, die Ticketpolitik der US-Verbandes USTA und die Rechtsgrundlagen im US-Bundesstaat New York.

Die Plattform Ticketmaster ist gleichzeitig Erstverkäufer und offizieller Wiederverkaufsmarkt. Anders als bei den anderen Majors gibt es bei den US Open keine unabhängige Kontrollinstanz für den Zweitmarkt: Ticketmaster fungiert sowohl als exklusiver Erstanbieter der Tickets als auch – über die sogenannte „Verified Resale“-Plattform – als offizieller, vom US-Verband eingesetzter Wiederverkaufsmarkt. Die Preise dort bilden sich nach Angebot und Nachfrage („market-driven pricing“), es gibt keine Obergrenze.

Der Ground Pass kostet eigentlich 65 Dollar

Das Absurde ist nun: Die Ground Passes haben einen Ursprungspreis von 65 US-Dollar (55 Euro), dem sogenannten „Face Value“. Die aktuellen Preise aber sind allesamt durch den „Verified Resale“ entstanden. Das heißt: Als im Mai 2026 der Vorverkauf für die Tickets für 65 US-Dollar startete, sicherten sich Bots, Dauerkarten-Inhaber und organisierte Gruppen über automatisierte Kaufprogramme oder Wiederverkäufer-Netzwerke riesige Karten-Kontingente, die nun zu einem Vielfachen des Originalpreises auf Ticketmaster wieder eingestellt werden und ordentliche Gewinne abwerfen. Ticketmaster selbst gibt an, im Zuge des diesjährigen Verkaufsstarts Milliarden automatisierter Kaufversuche blockiert zu haben – ein Hinweis darauf, wie massiv der Bot-Andrang tatsächlich ist. In der Praxis bedeutet das: Einzelnen Privatpersonen gelingt es kaum noch, zum Verkaufsstart Tickets zum „Face Value“ zu kaufen.

Dass diese Methode grundsätzlich legal ist, liegt am US-Recht im Bundesstatt New York. Dort ist der Weiterverkauf von Eintrittskarten grundsätzlich erlaubt – und zwar ohne Preisdeckelung. Das unterscheidet die US Open fundamental von den anderen drei Grand Slam-Turnieren: In Melbourne darf ein online gekauftes Ticket vor Turnierbeginn maximal zehn Prozent höher als der Originalpreis weiterverkauft werden. In Wimbledon dürfen normale Ground Passes gar nicht weiterverkauft werden. In Roland Garros ist der Wiederverkauf zwar erlaubt, aber ausschließlich zum ursprünglichen Ticketpreis. Wichtig: Es geht hier nur um die offiziellen Wiederverkaufswege, nicht um den Schwarzmarkt!

Die große Renovierung der US Open

Neben diesen Verwerfungen auf dem Zweitmarkt treibt die USTA die Preise auf dem Primärmarkt aber auch selbst massiv an – allerdings nicht explizit bei den Ground Passes. Dazu muss man wissen, dass die gesamte Anlage in Flushing Meadows in den nächsten Jahren für 800 Millionen US-Dollar umgebaut wird. Allein die Renovierung des Arthur Ashe Stadiums soll drei Jahre in Anspruch nehmen. Es ist die massivste bauliche Umgestaltung in der Geschichte der größten Tennis-Arena der Welt.

Dabei verfolgt die USTA einen klaren Plan: Sie will durch die Neustrukturierung der Bestuhlung im Stadion mehr Geld einnehmen. So ließ der Verband den mittleren Bereich des Stadions bereits radikal umbaun: Die bisherige „Loge“-Sektion mit rund 6.000 Sitzplätzen (durchschnittlicher Ticketpreis 2025: 291 Dollar) auf nur noch 2.500 Plätze verkleinert. Die frei gewordenen Kapazitäten wurden direkt dem begehrten Courtside-Bereich im Unterrang zugeschlagen, der nun von 2.800 auf 5.000 Plätze angewachsen ist – inklusive 2.000 exklusiver Club-Sitzplätze.

Mehr Einnahmen durch neue Bestuhlung

Die Rechnung der USTA geht auf: Ein Courtside-Sitzplatz ohne Catering kostet dieses Jahr im Schnitt über 560 Dollar pro Session. Mit Zugang zu den neuen Luxus-Hospitality-Club-Sitzplätzen klettert der Preis auf über 2.300 Dollar. Allein durch diese bauliche Maßnahme hat der Verband auf etlichen Plätzen eine verdoppelte bis verachtfachte Einnahmequelle geschaffen, hat The Athletic berechnet. „Es steht außer Frage, dass mit den Courtside-Sitzplätzen und unseren Suiten extrem viel Geld verdient werden kann, um all die anderen Dinge zu finanzieren, die wir tun. Sie wissen ja, wie gut sich unsere Tickets verkaufen“, zitiert das US-Sportportal Daniel Zausner, Chief Operating Officer des USTA National Tennis Center in New York.

Hintergrund des enormen Kapitalbedarfs der USTA ist nicht nur die Renovierung, sondern auch der steigende Druck der Profis, die einen deutlich höheren Anteil der Turnier-Gesamteinnahmen als Preisgeld einfordern. Um diese Rekordpreisgelder zu stemmen und die Margen zu halten, erhöht der Verband die Einnahmen an der Ticketfront. Auffällig ist, dass bislang noch nicht verkündet wurde, wie hoch das Gesamt-Preisgeld der US Open 2026 sein wird. In den letzten Jahren gab dies die USTA spätestens Anfang August bekannt.

Tennis-Boom als Fluch und Segen zugleich

Nun ist die USTA offiziell eine gemeinnützige Organisation (Non-Profit), deren erklärtes Ziel es ist, den Tennissport in den USA breitenwirksam zu fördern und zugänglicher zu machen. Nach der Corona-Pandemie erlebte der Sport in den USA einen Boom: Die Zahl der aktiven Tennisspieler stieg von 17,7 Millionen (2019) auf über 27 Millionen (2026) an.

Dieser neue Tennis-Boom ist Fluch und Segen zugleich. Denn Tennis – und auch Tennis live zu gucken – liegt im Trend, insbesondere bei denen, die viel Geld haben. Irgendjemand muss die immer teureren Tickets ja kaufen. Das Turnier – das mittlerweile fast drei Wochen dauert – hat sich zu einem jener New Yorker Events entwickelt, bei denen so viele Models, Schauspieler, Medienmogule, Sportler, Popstars und andere dabei sein und gesehen werden wollen, dass fast jeder Preis von irgendjemandem gezahlt wird. 2025 gab es in Flushing Meadows mit 1.144.562 Fans einen neuen Besucherrekord. „Schon in den letzten Jahren gingen die Ticketpreise erstaunlich weit nach oben“, hatte Tennisautor Cambers beobachtet. Für Tennisfans mit einem normalen Einkommen bedeutet das: Sie können sich den Besuch bei den US Open kaum noch leisten.

Fan-Week kein Ersatz für echte Fans

Die immer populärer gewordene „Fan-Week“ im Vorfeld des Haupt-Turniers, in der mittlerweile das eingedampfte Mixed-Turnier, die Einzel-Quali und zu Showmatches hochgejazzte Trainingsmatches stattfinden, ist zwar größtenteils gratis. Doch ein Ersatz für wahre Tennisfans stellt sie nicht dar.

Da mutet es schon grotesk an, wenn Kirsten Corio, Chief Commercial Officer der USTA, via The Athletic betont: „Bei der Fan Week kann man Djokovic im Arthur Ashe-Stadion bei einem Trainingsmatch gegen einen anderen Top-10-Spieler gratis aus der ersten Reihe sehen. Das gibt es in keiner anderen Sportart.“ Die zugegeben günstige Fan-Week soll also das gemeine Tennis-Fußvolk bedienen, während die zwei Hauptwochen den Vermögenden vorbehalten sein soll?

Immerhin eine versöhnliche Nachricht gibt es noch: Der „Honey Deuce“, der inzwischen weit über New York hinaus bekannte US Open-Kult-Cocktail, bleibt preislich stabil und wird wie im Vorjahr 23 US-Dollar kosten – für einen Drink mit Wodka („Grey Goose“), Himbeerlikör („Chambord“), frischer Limonade, Crushed Ice und kleinen Honigmelonen-Kugeln in Form von Tennisbällen. Na dann, Prost!