Eva Lys wird Teamkollegin von Coco Gauff, wenn das Mannschafts-Format World Team Tennis in den USA Ende des Jahres ein erneutes Comeback erlebt.
Im Januar 2026 stand Eva Lys auf Weltranglistenplatz 39, ihrem persönlichen Karrierehoch. Neun Monate später, im September, ist sie auf Rang 99 abgerutscht – ausgebremst von Knieproblemen und einer Saison, in der sie bislang noch nie richtig Fahrt aufnehmen konnte.
Insofern lässt eine Meldung aus der US-Sportpresse aufhorchen: Eva Lys wird nämlich Teil der Florida Flamingos, eine von drei Mannschaften, mit denen das legendäre World Team Tennis (WTT) im Dezember sein Comeback feiert. Coco Gauff, Weltranglisten-Vierte und zweifache Grand-Slam-Siegerin, wird mit Lys im gleichen Team aufschlagen. Hinzukommen viele bekannte Namen vor allem aus dem US-Tennis. Neben Florida sind noch Teams aus New York und Toronto am Start.
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Seit 1974: Die Geschichte von World Team Tennis
Aber was ist World Team Tennis überhaupt? Die Show-Liga wurde 1974 von Tennis-Ikone Billie Jean King mitbegründet – als Liga, die als eine der ersten im Profisport konsequent auf gemischtgeschlechtliche Teams setzte. Nach fünf Saisons pausierte die Liga kurz, ehe sie 1981 als „TeamTennis“ mit vier kalifornischen Teams weiterlief und 1982 bereits auf acht Teams anwuchs. 1984 übernahm King selbst als Commissioner und Mehrheitseignerin, ein Jahr später kam eine co-gebrandete Freizeitliga für Amateure hinzu.
Bis 2005 war die Liga auf zwölf Teams gewachsen und lief – mit zwischenzeitlicher Rückkehr zum Namen World Team Tennis – nahezu ununterbrochen bis 2021, ehe die Corona-Pandemie sie zum Erliegen brachte. Nun, fünf Jahre später, startet mit neuer Führung und neuen Investoren die nächste Auflage – offiziell als 47. Saison gezählt, weil die Liga ihre gespielten Spielzeiten durchnummeriert, unabhängig davon, wie viele Kalenderjahre ohne Spielbetrieb dazwischenlagen.
Der Modus: So funktioniert World Team Tennis
WTT setzt auf ein kompaktes, fernsehtaugliches Format. Jedes Team-Match besteht aus vier Einzel-Sätzen: 1. Herren-Einzel, 1. Damen-Einzel, 2. Herren-Einzel und 2. Damen-Einzel. Dort gilt die No Ad-Regel. Jeder gewonnene Satz bringt einen Punkt für das Team. Wenn eine Mannschaft drei Punkte eingesammelt hat, gewinnt sie die Gesamtpartie. Aber: Es werden – auch bei einem Stand von 3:0 – immer alle Matches gespielt. Und den Abschluss jeder Begegnung bildet ein Champions-Tiebreak bis zehn Punkte im Mixed. Die gesamte Begegnung ist auf gut zweieinhalb Stunden angelegt – kurz genug für ein Primetime-Fernsehfenster, wie es die Liga selbst formuliert.
Gespielt wird vom 1. bis 15. Dezember, mitten in der Off-Season von ATP- und WTA-Tour, in einem Heim- und Auswärtssystem: Jedes der drei Teams bestreitet je zwei Heim- und zwei Auswärtsspiele. Tickets für Heimspiele in Florida gibt es ab 59 Dollar, für New York ab 69 Dollar – bewusst niedrig angesetzt, um laut Liga ein „zugänglicheres“ Tennis-Erlebnis zu schaffen.
Die drei World Team Tennis-Kader 2026
Auffällig: Sowohl beim Team aus Toronto (Mboko, Fernandez, Shapovalov, Diallo – alles Kanadier) als auch bei der Truppe aus Florida (Paul und Gauff mit direkten Florida-Wurzeln, Nakashima mit Trainingsbasis im Sunshine State) setzt die Liga bewusst auf lokale Identifikationsfiguren. Eva Lys allerdings fällt aus diesem Muster – die Hamburgerin hat keine Verbindung zu Florida bzw. zu den USA. Die Kolumbianerin Camila Osorio, die für New York aufläuft und auf dem ersten Blick vielleicht auch nicht richtig in diese Line-Ups passt, verließ ihre Heimat schon mit zwölf Jahren, um in den USA professionell trainieren zu können.
Gauff als Spielerin und Team-Teilhaberin
Der eigentliche Clou der Neuauflage liegt im Geschäftsmodell: Alle Spieler:innen erhalten Firmenanteile an der Gesamtliga. Bei Coco Gauff geht das noch weiter. Ihre Beteiligung ist zusätzlich direkt an die Florida Flamingos gekoppelt, sie ist damit nicht nur Spielerin, sondern Miteigentümerin ihres eigenen Teams. Für die 22-Jährige, die in Delray Beach aufwuchs und dort ihre ersten Schläge auf dem Platz machte, ist das eine logische Fortsetzung ihres Weges: Erst die eigene Agentur Coco Gauff Enterprises, dann ein Investment bei der Frauen-Basketball-Liga Unrivaled – nun der Einstieg als Team-Teilhaberin im eigenen Sport.
„Den Sport durch Team-Wettbewerbe zu vergrößern und ihn zugänglicher zu machen – das liebe ich an WTT“, ließ Gauff in einer Stellungnahme mitteilen. „Ich freue mich darauf, zu Hause vor meiner Familie und meinen Freunden in South Florida zu spielen. Als Tennisspielerin hat man selten die Gelegenheit, Teil eines Teams zu sein – das ist eine neue Erfahrung, nicht nur für mich, sondern vor allem für die Fans.“
Die Liga reiht sich damit in einen Trend ein, den zuletzt auch andere Sportarten bedienen: Unrivaled im Basketball oder Athlos in der Leichtathletik, mitgegründet von Reddit-Mitgründer Alexis Ohanian, dem Ehemann von Serena Williams – auch dort verdienen Athletinnen nicht nur Antritts- und Preisgelder, sondern echte Unternehmensanteile.
Lys in einem illustren Zirkel
Dass Eva Lys nun in diesem durchaus illustren Profi-Zirkel auftaucht, mag vielleicht überraschend sein. Sportlich ist die Deutsche aktuell nicht ganz auf einer Höhe mit den anderen aufgebotenen Spielerinnen. Aber auf persönlicher Ebene ergibt die Personalie durchaus Sinn. Lys und Gauff kennen sich nicht nur als Kontrahentinnen – im Viertelfinale des China Open 2025 setzte sich Gauff nach hartem Fight in zwei Sätzen durch und lobte anschließend öffentlich Lys‘ Furchtlosigkeit im entscheidenden Moment. Wenige Monate später zählte Lys die Amerikanerin in einem Interview selbst zu ihren vier engsten Vertrauten auf der Tour – neben Alexandra Eala, Marta Kostyuk und Zeynep Sonmez. Es spricht einiges dafür, dass diese Nähe – und nicht die aktuelle Ranglistenposition – den Ausschlag für Lys‘ Nominierung gegeben hat.
Hinzukommt, dass Lys durch ihre Social Media-Aktivität im Web eine stabile Community aufgebaut hat und es auf diesem Weg zu einer gewissen Bekanntheit gebracht hat – auch abseits der typischen Tennis-Bubble. Sie könnte also dabei helfen, das Interesse von World Team Tennis auch in weniger tennisaffinen Kreisen zu steigern. Ein letzter Punkt: Die Agentur Evolve, bei der Lys unter Vertrag steht, ist bekannt für ihre Ausrichtung auf Lifestyle-Events. Auch das dürfte eine Rolle dafür gespielt haben, dass Lys nun in der Off-Season 2026 in den USA aufschlagen wird.
World Team Tennis: Spielplan 2026
Sechs Spiele, drei Arenen, zwei Wochen Pause zwischendrin – so sieht der Fahrplan der ersten WTT-Saison seit dem Comeback aus:
Jedes Team bestreitet damit, wie angekündigt, exakt zwei Heim- und zwei Auswärtsspiele. Bereits jetzt ist bekannt, dass Lys nur bei den ersten beiden Partien mit dabei sein wird – als bei den Auswärtsspielen in New York und Toronto. Sie wird dort jeweils das zweite Damen-Einzel bestreiten und dabei am 1. Dezember auf Camila Osorio sowie am 6. Dezember auf Leylah Fernandez treffen.
Eva Lys ist übrigens nicht die erste deutsche Spielerin beim WTT. 2020 startete Sabine Lisicki für New York Empire und schlug dort unter anderem Venus Williams. Anna-Lena Grönefeld war als Doppelspezialistin häufig bei WTT-Mannschaften vertreten – unter anderem bei den Orange County Breakers und den San Diego Aviators. Erwähnenswert ist noch der Auftritt von Steffi Graf, die 2005 – also weit nach ihrem offiziellen Rücktritt vom Profitennis 1999 – bei den Houston Wranglers auflief und tatsächlich die damalige Top 20-Spielerin Elena Likhovtseva schlug.
