Roger Federer sprach am Rande der US Open über das allmähliche Aussterben der einhändigen Rückhand. Beim Grand-Slam-Turnier in New York droht eine Premiere.

Bei den US Open droht das Ende einer gigantischen Serie. Seit dem ersten Grand-Slam-Turnier in Wimbledon im Jahr 1877 erreichte in jeder Grand-Slam-Saison mindestens ein Spieler mit einer einhändigen Rückhand das Halbfinale. Bei den Australian Open, den French Open und in Wimbledon konnte dieses Jahr kein Einhänder das Halbfinale ins Halbfinale vorstoßen. Sollte dies auch bei den bevorstehenden US Open der Fall sein, wäre es eine Premiere im Herrentennis.

Derzeit stehen nur fünf Spieler mit einer einhändigen Rückhand in den Top 100 im ATP-Ranking. Roger Federer, der König der einhändigen Rückhand, wurde bei seiner Rückkehr zu den US Open auf das mögliche Ende einer knapp 150-jährigen Serie angesprochen.

Federer trainiert bei US Open mit Lorenzo Musetti

„Deshalb werde ich heute Nachmittag in einer Stunde mit Musetti trainieren, um sicherzustellen, dass er bereit ist“, scherzte Federer und hielt Wort. Kurz darauf schlug er mit Lorenzo Musetti Bälle im Arthur Ashe Stadium. Der Italiener ist als Weltranglisten-14. der bestplatzierte Einhänder im ATP-Ranking und realistisch der einzige Hoffnungsträger, um die Grand-Slam-Serie von Spielern mit einer einhändigen Rückhand am Leben zu halten.

In der Vergangenheit äußerte sich Federer bereits über das Aussterben der einhändigen Rückhand, nachdem es im Februar 2024 zu einem Unikum gekommen war. Erstmals in der mehr als 50-jährigen Geschichte des ATP-Rankings standen nur Spieler mit einer beidhändigen Rückhand in den Top 10.

„Es wäre toll, wenn man eine Nummer eins oder zwei der Welt mit einer einhändigen Rückhand hätte. Das würde die jüngere Generation inspirieren. Die jungen Spieler orientieren sich nun mal an der Spitze unseres Sports. Und wenn sie dann Spieler mit einer beidhändigen Rückhand sehen, dann denken sie, dass dies die Art des Spielens für sie ist, auch wenn es vielleicht nicht zu ihnen passt“, sagte Federer damals gegenüber tennis MAGAZIN.

Federer: „Alles muss sofort gehen”

In New York erzählte Federer nun, wie schwierig es ist, die einhändige Rückhand zu erlernen. „Einer meiner Söhne wechselt gerade von der beidhändigen Rückhand zur einhändigen Rückhand, und ich sehe, wie schwierig es ist, den Schlag zu erlernen und zu kontrollieren. Mit der Zeit entwickelt man diese Kontrolle, aber das braucht Zeit, und die haben wir heutzutage nicht. Alles muss sofort gehen. Wenn man technische Änderungen vornimmt, dauert das zu lange und ist frustrierend. Es ist einfacher, bei dem zu bleiben, was man bereits beherrscht. Ich glaube, das ist einer der Gründe, warum wir so viele beidhändige Rückhandschläge sehen. Es ist das Zusammenspiel vieler verschiedener Faktoren, das dazu geführt hat, dass wir heute so viel mehr Spieler mit beidhändiger Rückhand sehen. Es ist einfach ein Schlag, der sich in jungen Jahren leichter erlernen lässt“, sagte Federer.

Der 20-malige Grand-Slam-Sieger erzählte auch, dass die beidhändige Rückhand die Spieler anfälliger mache für Verletzungen am Handgelenk, er daran aber nicht glaube, dass dies jemand daran hindern werde, die beidhändige Rückhand zu spielen. „Ich bin trotzdem hoffnungsvoll, dass es nicht das Ende ist“, über das allmähliche Aussterben der einhändigen Rückhand.