Alexander Zverev sprach beim Davis Cup in Halle/Westfalen über den Unterschied zwischen seinen Grand-Slam-Titeln bei den French Open und den US Open.

Alexander Zverev ist ein brutal ehrlicher Mensch. Er sagt in der Regel, was er denkt. Dennoch muss auch der zweimalige Grand-Slam-Sieger manchmal zu kleinen Notlügen greifen – wie bei den French Open in diesem Jahr. Als der haushohe Titelfavorit Jannik Sinner in Roland Garros in der zweiten Runde sensationell trotz riesengroßem Vorsprung gescheitert war, stand Zverev plötzlich im Mittelpunkt.

In Abwesenheit der aus dem Turnier ausgeschiedenen Sinner und Novak Djokovic (Niederlage in der dritten Runde) sowie des verletzten Carlos Alcaraz schien der Weg völlig frei zu sein für Zverev zu seinen lang ersehnten ersten Grand-Slam-Titel. Der Deutsche betonte stets, dass es für ihn keinerlei Stress sei, dass die ganze Tenniswelt nun den Triumph bei den French Open von ihm erwartet.

Zverev braucht Zeit, um French-Open-Titel zu verarbeiten

Doch so cool, wie sich Zverev nach außen in Paris zeigte, so angespannt und nervös war er im Inneren. „Ich habe euch in Paris angelogen, als ich gesagt habe, dass mich diese ganze Favoritenrolle nicht gestresst hat. Die hat mich unfassbar gestresst“, sagte er während des Davis Cups in Halle/Westfalen.

Nach seinem French-Open-Titel dauerte es schließlich eine Weile, ehe er verstand, was ihm in Roland Garros gelungen war. „Ich glaube, durch Stress realisierst du nicht, was passiert ist. Das war bei mir in Paris der Fall. Ich habe wochenlang gar nicht verstanden, dass ich die French Open gewonnen habe“, sagte er.

Zverev: „Ich war einfach nur glücklich, dass ich auf dem Platz bin”

Seit seinem ersten Grand-Slam-Titel in Paris scheint Zverev ein völlig anderer Spieler zu sein, der mit Drucksituationen deutlich gelassener umgeht. Die Folge: Einzug ins Finale in Wimbledon sowie der Titelgewinn bei den US Open. In New York ging er erstmals als Nummer eins der Setzliste in ein Grand-Slam-Turnier. Eine Situation, die er bestens meisterte.

„In New York hatte ich im Vergleich zu Paris ein ganz anderes Level von Stress. Die Favoritenrolle hat mich tatsächlich 0,0 gestresst. Ich war einfach nur glücklich, dass ich auf dem Platz bin. Und glücklich, dass ich weiter im Turnier bin. Ich war in der ersten Runde zwei Punkte davon entfernt, nach Hause zu fliegen. Und dann auf einmal stehe ich im Finale. Klar gegen einen sehr starken Gegner, aber auch gegen einen, wo ich das Gefühl habe, dass ich trotzdem der Favorit bin“, sagte Zverev über seinen Finalsieg gegen Ben Shelton bei den US Open.