Carlos Alcaraz und Ben Shelton spielten bei den US Open bis 3:33 Uhr nachts – das späteste Matchende der Turniergeschichte. So darf es nicht weitergehen.

Spät, später, Tennis! Um 3:33 Uhr Ortszeit verwandelte Ben Shelton seinen ersten Matchball im Viertelfinale der US Open gegen Carlos Alcaraz. Es war das späteste Ende eines Matches in der Geschichte der US Open. Ein Rekord. Aber auch ein Rekord zum Feiern? Eher nicht! Denn Tennis bekommt immer mehr ein Problem mit Late-Night-Finishes. Vier von bislang zehn Night Sessions in New York endeten nach 2 Uhr nachts. Eine Zumutung für alle: Spieler, Offizielle, Fans und Medien.

Alexander Zverev spielte alle seine Matches in der Night Session: Drei seiner Matches endeten weit nach Mitternacht. 1:55 Uhr, 2:15 Uhr und 1:18 Uhr. Ich habe lange Zeit solche Late-Night-Finishes geliebt. Als Lleyton Hewitt und Margos Baghdatis bei den Australian Open bis 4:34 Uhr nachts spielen, war ich im Stadion dabei. Es war nicht nur das späteste Matchende bei einem Grand-Slam-Turnier jemals. Es war auch mein erster Tag als Zuschauer bei einem Grand-Slam-Turnier – und dann solch eine epische Nacht. Ich werde diesen Tag immer in Erinnerung behalten. Doch möchte ich als Fan vor Ort solche Nächte regelmäßig haben, wie es inzwischen bei den Australian Open und US Open der Fall ist? Lieber nicht!

Tennis entwickelt sich immer mehr in eine ungesunde Richtung

Tennis entwickelt sich immer mehr in eine ungesunde Richtung. Late-Night-Finishes sollten die Ausnahme bleiben, nicht die Regel sein. Klar, das späte Ende des Matches Alcaraz gegen Shelton hat seine Gründe, weil die Day Session mit zwei langen Matches zum verzögerten Start der Night Session führte. Venus Williams und Sofia Kenin begannen dieses Jahr ihr Erstrundenmatch bei den US Open erst um 0:13 Uhr Ortszeit. Kein Match startete in der Turniergeschichte später.

„Ich hätte mir definitiv etwas anderes gewünscht. Ich glaube, es war für uns beide nicht gerade toll. Ich kenne einfach keine andere Sportart, bei der man so spät anfangen muss. Ich bin fest davon überzeugt, dass es hier noch Verbesserungspotenzial gibt“, sagte Williams.

Die ATP und WTA haben zumindest schon etwas unternommen, um die Flut an Late-Night-Finishes zu verringern. 2024 führte man folgende Regeln ein:

- Pro Tag dürfen auf jedem Platz höchstens fünf Spiele stattfinden (Beginn um 11 Uhr), davon drei Spiele während der Tagessession und zwei Spiele während der Abendsession.

- Nach 23 Uhr dürfen keine Spiele mehr auf dem Platz beginnen, es sei denn, dies wird vom ATP/WTA-Supervisor in Absprache mit der ATP/WTA-Geschäftsführung genehmigt.

- Spiele, die um 22:30 Uhr noch nicht auf dem Platz begonnen haben, müssen spätestens um 23:00 Uhr auf einen anderen Platz verlegt werden.

- Die Abendveranstaltungen beginnen spätestens um 19:30 Uhr, wobei 18:30 Uhr empfohlen wird.

Late-Night-Finishes schließt Kinder und Jugendliche aus

Die Australian Open und die US Open müssen etwas ändern, um ihre Spieler zu schützen. „Das ist nicht nachhaltig“, sagt Martina Navratilova über die zahlreichen Late-Night-Finishes bei den US Open. Im Vordergrund sollte die Gesundheit der Spieler stehen. Alexander Zverev hatte als Nachtschwärmer das Glück, dass er nach seiner ersten Spätschicht auch seine weiteren Matches in der Night Session spielen durfte.

Ein Wechsel von einer langen Night Session auf die Day Session im nächsten Match hat schon so manchem Favoriten das Turnier versaut. „Wenn man spät Feierabend macht, verschiebt sich der nächste Tag ganz schön. Man muss ja trotzdem genug Schlaf bekommen, also fängt man später an. Da kann man seinen Tagesablauf ganz schön durcheinanderbringen“, sagt Aryna Sabalenka.

Für Fans in Europa ist es sicherlich schön, dass sie das Ende des Matches zwischen Alcaraz und Shelton zur Frühstückszeit erleben durften. In den USA sieht es völlig anders aus. Hier haben sicherlich nur die Hardcore-Fans das Match bis tief in die Nacht zu Ende geschaut. Late-Night-Finishes schließen eine besondere Zielgruppe aus: Kinder und Jugendliche, die für ihre Entwicklung reichlich Schlag benötigen.

Tennis, insbesondere die hochklassigen Matches, sollten für alle sein zu einer vernünftigen Zeit zugänglich sein. Es nicht dasselbe, wenn man sich ein Match im Re-Live oder die Höhepunkte wegen der späten Uhrzeit anschauen muss. Solche Late-Night-Finishes erschweren das Live-Erlebnis.

Late-Night-Finishes im Tennis: „Ich schlafe dann schon”

„Ich weiß, dass sie sich mit vielen verschiedenen Aspekten rund um die Übertragung und das Fernsehen auseinandersetzen müssen und aus diesen Gründen sicherstellen müssen, dass bestimmte Spiele stattfinden und zu einer bestimmten Zeit beginnen. Aber man muss sich schon fragen, ob es wirklich das Richtige ist, dass die Spieler erst um 2 Uhr morgens fertig sind. Ich schlafe dann schon. Manche bleiben zwar noch, aber es gibt viele, die nach Hause müssen“, sagt Jessica Pegula zur Thematik.

Wie kann eine Lösung aussehen? In Wimbledon gibt es die sogenannte „Curfew“. Bis 23 Uhr darf wegen Anwohnerlärm gespielt werden. Dann ist definitiv Schluss. Bei den French Open gibt es nur ein Match in der Night Session. Vielleicht ist dies ein Ansatz, mit denen sich die US Open befassen sollten. Was sicher ist: Es muss etwas geändert werden – zum Wohle aller Beteiligten.