Was für eine Geschichte in Wimbledon: Der Warsteiner Jan-Lennard Struff ist einfach nicht zu stoppen. Zum ersten Mal in seiner langen Karriere erreicht der 36-Jährige das Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers.
Damit belohnt sich Struff nicht nur für jahrelange Arbeit, sondern trägt sich auch in die Geschichtsbücher ein. Seit Beginn der Open Era im Jahre 1968 ist Struff der älteste Tennisprofi, der zum allerersten Mal das Viertelfinale eines der vier Major-Turniere erreicht.
Der epische Weg ins Viertelfinale von Wimbledon
Auf dem Weg zu seinem ersten Viertelfinale in Wimbledon bewies Struff in jedem einzelnen Match eine unfassbare Nervenstärke. In der ersten Runde besiegte der Warsteiner nach langem Kampf den Argentinier Sebastian Baez in einem Fünfsatz-Krimi mit 6:1, 7:6, 4:6, 2:6 und 7:5.
Noch dramatischer wurde es in seinem Zweitrunden-Match gegen den US-Amerikaner Brandon Nakashima. Im finalen Satz sah es beim Stand von 4:7 im Match-Tiebreak des fünften Satzes bereits sehr düster für Struff aus, doch er kämpfte sich zurück und drehte das Match zum 10:7. Am Ende besiegte er den an Nummer 28. gesetzten Nakashima mit 4:6, 7:6, 7:6, 6:7 und 7:6.
In der dritten Runde folgt dann die ganz große Sensation. Struff bezwang den ehemaligen Weltranglistenersten Daniil Medvedev glatt in drei Sätzen mit 7:6, 7:6 und 7:5. Dabei führte der Russe in allen drei Sätzen, konnte aber keinen davon gewinnen und verabschiedete sich damit erneut früh aus Wimbledon.
Struff profitierte im Achtelfinale von Hurkacz Aufgabe
Im Achtelfinale wartete mit Hubert Hurkacz ein weiterer großer Spieler, der zuvor überraschend den US-Amerikaner Tommy Paul besiegte. Struff profitierte in seinem Achtelfinale in London im fünften Satz von der Aufgabe des angeschlagenen Polen Hurkacz. Nach einem 0:2-Satzrückstand aus Sicht des Deutschen endete das Match mit 3:6, 6:7, 7:6, 7:5, 4:2.
Am Ende des vierten Satzes nahm die Partie eine unerwartete Wendung. Aufgrund von starken Rückenschmerzen bewegte sich der Pole kaum noch. Beim Spielstand von 5:5 verließ der frühere Wimbledon-Halbfinalist Hurkacz für eine Behandlung den Platz, setzte das Match aber kurze Zeit später fort. Daraufhin entschied Struff den vierten Satz mit 7:5 für sich. Doch auch hier war für Hurkacz noch nicht Schluss und er kämpfte weiterhin unter starken Schmerzen. Beim Stand von 4:2 aus Sicht des Deutschen im entscheidenden Satz war es dann so weit: Der Pole gibt nach unzähligen Behandlungspausen verletzungsbedingt auf. Damit steht Struff zum ersten Mal in seiner Karriere im Viertelfinale von Wimbledon. Gleichzeit stellt Struff mit dieser Leistung einen weiteren Rekord auf: Er in diesem Jahr der erste Spieler in Wimbledon, der 100 Asse erzielen konnte.
„Das ich hier gerade stehe ist einfach unglaublich. Ich bin sehr stolz zum allerersten Mal in meiner Karriere im Viertelfinale von einem Grand Slam zu stehen. Man darf niemals aufgeben“, sagte Struff sichtlich gerührt im folgenden On-Court- Interview. Gleichzeitig fand er aufrichtige Worte für den verletzten Hurkacz. „Das Ende war hart und ich wünsche Hubi wirklich nur das Beste. Er ist einer der freundlichsten und besten Spieler auf der Tour.“
Struff gehört nun zum elitären Last-8-Club
Mit dem Einzug in das Viertelfinale hat sich Struff nicht nur sportlich belohnt, sondern sich auch ein lebenslanges Denkmal an der Church Road gesetzt. Ab sofort ist der 36-Jährige Teil des sogenannten „Last-8-Club“ von Wimbledon. Diese Ehre gebührt allen Spielerinnen und Spieler, die sich mindestens unter die besten Acht spielen. Für Struff ist es ein Privileg fürs Leben, da er lebenslangen Zugang zum Turniergelände hat, aber auch tägliche Ticket-Verlosungen für die großen Showcourts und Einladungen zu legendären Club-Abendessen wahrnehmen darf. Während andere Tennislegenden wie Steffi Graf oder Boris Becker schon lange dort zuhause sind, sicherte sich der Warsteiner ebenfalls einen Platz in der Historie.
Jetzt wartet mit Sinner der absolute Showdown
Durch den Einzug in die Runde der letzten Acht hat Struff bereits ein Ausrufezeichen gesetzt. Doch nun wartet mit dem Weltranglistenersten und Titelverteidiger Jannik Sinner die ultimative Herausforderung. Sinner gilt als Favorit des Turniers und wird nur schwer zu bezwingen sein. Jedoch hat Struff zuvor bewiesen, dass er mit seinem starken Aufschlagspiel, viel Kampfgeist und mutigen Offensiv-Schlägen für jeden Top-Spieler der Tour gefährlich werden kann. „Klar, natürlich traue ich mir zu, dass ich da was schaffen kann, sonst bringt es nichts, da auf den Platz zu gehen“, antwortete Struff auf die Frage, welche Einstellung er im Hinblick auf das Match gegen Sinner mitbringt.
Sinner mit Respekt vor Struff
Der Südtiroler begegnet dem deutschen Struff mit viel Respekt. „Wir haben uns ein paarmal gegenübergestanden. Das letzte Mal war auf Rasen in Halle. Es war ein sehr, sehr enges Match. Wir werden sehen, was passiert“, sagte Sinner. Im Viertelfinale in Halle konnte Sinner damals Struff in drei Sätzen besiegen. Auch alle weiteren Duelle, welche alle im Jahr 2024 stattfanden, gewann der Weltranglistenerste. Gelingt Struff dieses Mal die Überraschung und er setzt sein Märchen in Wimbledon fort?
Eines steht fest: Struff erwartet vor 15.000 Zuschauern auf dem Center Court der Church Road das größte Match seiner bisherigen Karriere. Ob er am Ende den Südtiroler besiegen wird, bleibt zwar offen, aber es ist schon jetzt eine unglaubliche und historische Leistung des Deutschen.
Die Partie wird am Dienstag, den 07.07 um 14.00 Uhr auf dem Center Court gespielt. Die deutschen Fans können das Match live bei Amazon Prime verfolgen.
