Nach einer mehrtägigen Hängepartie stand fest, dass Serena Williams ihre Wimbledon-Mission beendet hat. Das großangekündigte Doppel mit ihrer Schwester Serena gab es nicht mehr. Die frühere Weltranglistenerste Serena Williams sollte künftig auf Starts bei Profiturnieren verzichten.
Der Unterschied zwischen Grand Slam-Turnieren und „normalen“ Turnieren ist: Bei den Majors – und insbesondere im Fall von Wimbledon – ist das Turnier der Star. Wimbledon ist größer als die Spieler. Ein „normales“ WTA- oder ATP-Turnier muss Tickets verkaufen. Es braucht Attraktionen, damit die Zuschauer kommen.
Wimbledon braucht das nicht. Was nicht heißt, dass die Serena Williams-Story von Wimbledon 2026 nicht komplett belanglos für die Annalen des All England Clubs sind. Als Serena am Dienstagabend ihr Einzel gegen die Australierin Maya Joint bestritt, war es etwas Besonderes. Eine Rückkehr nach vier Jahren. Einer Spielerin, die 23 Grand Slam-Titel im Einzel gewann, siebenmal an der Church Road reüssierte.
Sie tat sich keinen Gefallen, die Zeit zurückzudrehen
Die Aura von Williams machte nicht nur Eindruck auf Joint, die die Nacht zuvor wegen der weltweiten Aufmerksamkeit, die dieses Match erfuhr, kaum schlafen konnte. Auch der Jubel der 14.979 Zuschauer auf dem restlos ausverkauften Centre Court war bemerkenswert.
Dazu kam, dass Williams nicht schlecht spielte. Ja, sie bewegte sich schlecht, aber das war zu erwarten. Stand sie gut zum Ball und trümmerte ihn in die gegnerische Hälfte, hallten „Oohs“ und „Aaahs“ durchs Rund. Nach drei Sätzen war das Spektakel zu Ende.
So weit, so gut. Was dann folgte, kann man – wenn man es vorsichtig formuliert – nur unter verunglücktes Comeback abheften. Man könnte auch sagen: Die 44-Jährige hat sich mit ihrem Versuch, noch einmal die Zeit zurückzudrehen, keinen Gefallen getan.
Erster Faux-pas: Sie erschien nicht zur obligatorischen Pressekonferenz. 44.000 Euro Strafe kostet das normalerweise. Zahlen musste sie sie nicht, weil sie einen „triftigen“ Grund gehabt habe, wie der All England Club alsbald veröffentlicht hatte.
Am Donnerstag der ersten Woche stand ihr Doppel mit Schwester Venus an. Erst am Samstag tauchte sie in der Liste der Profis auf, die an diesem Tag spielen würden – allerdings ohne Angabe eines Courts. Die Showcourts – und da wären angesichts des Legendenstatus‘ der Williams-Schwestern nur der Centre Court, Court No. 1 oder Court 2 und 3 infrage gekommen – waren alle belegt. Heißt übersetzt: Man hätte das Williams-Duo irgendwie reingeschoben.
Es kam bekanntlich anders. Am Samstag um 15:46 Uhr, da spielte Alexander Zverev gerade sein Match auf Court 1 gegen Marcos Giron, ploppte die Meldung der Williamschen Absage zuerst bei dem Boulevardblatt Daily Mail auf. Rund eine halbe Stunde später kam die offizielle Bestätigung. Das Doppel gegen Camila Osario und Solana Sierra wurde abgesagt.
Villa in Wimbledon mit horrender Miete
Später schrieb Serena auf Instagram: „Ich bin untröstlich. Zurückzukommen und wieder unter Wettkampfbedingingen zu spielen, war ein Geschenk und die Möglichkeit, mit Venus anzutreten, bedeutete mir die Welt. Ich habe alles getan, um bereit zu sein, aber leider ist mein Knie nicht bereits zu spielen.“
Wie ernst sie die Mission Comeback nahm, sah man auch daran, dass sie für sich und ihre Familie schon früh für drei Wochen fix und anschließend auf einer täglichen Basis eine Villa in Wimbledon mietete, die als Base diente. Die Vermieter, die offensichtlich nicht genannt werden wollten, hatten dem Vernehmen nach den regulären Preis verdoppelt, damit die hohen Steuerkosten in Relation zum Ertrag blieben.
Zunächst trat Serena Willamis im Queens Club an, dann flog sie nach Berlin und wieder zurück in die temporäre Heimat mit den prunkvollen Räumen und dem riesigen Garten
Das angekündigte Comeback im Doppel zog sich wie Kaugummi
Fakt ist: Die Veranstalter haben dem Champion vergangener Tage über Gebühr die Tür aufgehalten, bis es zu der Absage kam. Das angekündigte Comeback zog sich gefühlt eine Woche wie Kaugummi. Einen anderen Doppel wäre dies nicht erlaubt gewesen. Auch Serena, die gerade in den letzten Jahren ihrer Karriere eine der fairsten Spielerinnen überhaupt war, muss klar sein, dass das Gleichheitsprinzip ausgeschaltet war. Es war schlicht nicht okay gegenüber den Kolleginnen und Zuschauern – Verletzung hin oder her.
Was bleibt? Ein mehr als unbefriedigendes Comeback. Sollte sie es etwa bei den US Open noch einmal versuchen, wo der Wirbel im Vorfeld ins Unermessliche steigen würde? Bitte nicht! Ihre Zeit auf dem Platz ist vorbei.
