Bei den US Open in New York wird jedes Endergebnis im Tennis auf seine Einzigartigkeit überprüft. Ist dies der Fall, liegt ein Scorigami vor.
Als Alexander Zverev sein Erstrundenmatch bei den US Open gegen den Italiener Lorenzo Sonego nach 4:52 Stunden mit 6:4, 3:6, 6:7, 7:5, 6:4 gewonnen hatte, verkündete ein User auf der Social-Media-Plattform X etwas noch nie Dagewesenes. „SCORIGAMI! Dieses Ergebnis gab es noch nie in der Open Era“, schrieb der Account „Tennis Scorigami“.
Seitdem die US Open vor drei Tagen gestartet sind, hat sich ein Hype um den Bot (ein automatisiertes Computerprogramm) entwickelt, der während der US Open jedes Spielergebnis erfasst und bekanntgibt, ob dieses Ergebnis bereits in einem der rund 50.000 Grand-Slam-Matches seit Beginn der Open Era im Jahr 1968 aufgetreten ist.
Was ist ein Scorigami?
Das Ergebnis zwischen Zverev und Sonego hat es tatsächlich im Profitennis noch nie gegeben. So endete der dritte Spieltag bei den US Open mit einem Scorigami. Doch was ist ein Scorigami überhaupt? Der Begriff geht zurück auf den US-Sportjournalisten John Bois, der diesen Ausdruck im Rahmen der Berichterstattung über die National Football League (NFL) geprägt hat.
Es ist eine Wortschöpfung aus den Wörtern Score und Origami (Die Kunst des Papierfaltens). Jon Bois definierte 2014 in einem Artikel „Scorigami“ als „die Handlung und die Kunst, in einem Footballspiel ein Endergebnis zu erzielen, das es so noch nie gegeben hat“.
Scorigami im Herrentennis: Nur 7 Prozent eingetreten
Mittlerweile wird der Begriff Scorigami scherzhaft oder statistisch auch für andere Sportarten verwendet – so wie nun prominent bei den US Open. Im Herrentennis gibt es bei Matches über drei Gewinnsätze mehr als 100.000 mögliche Ergebnisse. Wie der Blogger Lev Akabas von der Plattform „Club Sportico“ berichtet, sind in 58 Jahren Profitennis nur sieben Prozent aller möglichen Ergebnissen eingetreten.
Für einen glatten Sieg in drei Sätzen gibt es 343 mögliche Ergebnisse. Nur ein Ergebnis aus den 343 Möglichkeiten kam bei einem Grand-Slam-Turnier bislang noch nicht vor: 6:0, 6:0, 7:5. Geht ein Match über vier Sätze, gibt es bereits 7203 mögliche Endergebnisse, wovon vor Beginn der US Open 45 Prozent geschehen sind.
100.842 Möglichkeiten in Best-of-five-Matches
Komplett anders sieht es bei Fünfsatzmatches aus. Hier sind 100.842 Ergebnisse möglich. Nur vier Prozent hiervon sind bislang passiert. Und: Würde man auch noch das exakte Ergebnis in einem Tiebreak zusätzlich berücksichtigen, würden dadurch unendliche Ergebniskombinationen möglich sein. Daher werden beim Scorigami alle 7:6-Sätze als gleich gewertet, unabhängig vom Ergebnis im Tiebreak.
Die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem Fünfsatzmatch ein Scorigami – also ein noch nie dagewesenes Ergebnis – vorliegt, ist extrem hoch. So wie nun beim Match zwischen Zverev und Sonego. Akabas schreibt in seinem Blog aber auch, dass Scorigami im Herrentennis nie ein Ende finden wird. „Wenn wir davon ausgehen, dass jedes mögliche Spielergebnis in einem beliebigen Spiel die gleiche Wahrscheinlichkeit hat, eintritt, würde es laut Wahrscheinlichkeitsrechnung etwa 1,22 Millionen Jahre dauern, bis es keine Scorigami mehr gibt“, rechnet Akabas vor.
Scorigami im Damentennis: Noch 53 Ergebnisse offen
Anders sieht es im Damentennis aus. Hier wird bei Grand-Slam-Turnieren über zwei Gewinnsätze gespielt, was dazu führt, dass es nur 735 mögliche Ergebnisse gibt. Vor Beginn der US Open waren nur noch 53 mögliche Ergebnisse offen, zum Beispiel sind folgende Ergebnisse im Damentennis bei den Grand-Slam-Turnieren noch nie vorgekommen: 6:0, 0:6, 6:0 und 1:6, 6:3, 7:6.
Der letzte und einzige Scorigami in diesem Grand-Slam-Jahr bei den Damen erzielte Jasmine Paolini in Wimbledon bei ihrem Erstrundensieg gegen Robin Montgomery – 0:6, 6:4, 7:5.
Während kein Erstrundenmatch der Damen bei den US Open mit einem Scorigami endete, verkündete der Bot nach 17 Erstrundenmatches der Herren nüchtern (weil er nun mal ein Bot ist) auf seinem X-Account: SCORIGAMI!
