Alexander Zverev kann noch nicht auf der Asientour Weltranglistenerster werden, weil Novak Djokovic in Peking eine Monsterleistung zeigte.

Es mutete wie ein ideales Szenario an: Nach den Absagen von Jannik Sinner für die Turniere in Peking und Shanghai war der Weg frei für Alexander Zverev, um schon am 18. Oktober die Nummer eins der Welt zu werden. Allerdings waren dafür auch zwei Turniersiege nötig. Die Rechnung ging nun nicht auf, denn sie beinhaltete eine Unkonstante namens Novak Djokovic.

Der Serbe drehte im Viertelfinale von Peking gegen Zverev die Zeit zurück und lieferte eine fantastische Leistung ab, um am Ende mit 4:6, 6:4, 6:4 zu gewinnen. Zverev servierte zwar 20 Asse, aber Djokovic schaffte in den Sätzen zwei und drei jeweils bei einer 5:4-Führung ein Break. Bei seinen eigenen Aufschlagspielen ließ der 39-Jährige kaum etwas zu, auch wenn er das allererste Service-Game gleich abgab – unter anderem mit zwei Doppelfehlern.

Zverev mit 20 Assen

Danach aber präsentierte er sich phasenweise wie zu seinen besten Zeiten: Djokovic konnte jedes Tempo mitgehen und machte nur wenige einfache Fehler. „Für solche Momente spiele ich noch. Die Motivation ist groß, wenn ich solche Leistungen gegen so gute Gegner und vor so einem Publikum abliefern kann“, sagte Djokovic nach dem Match. „Entscheidend war heute mein Service plus eins“, analysierte er. Tatsächlich spielte er seine Lieblingskombination immer wieder perfekt zu Ende: guter Aufschlag, etwas zu kurzer Return und dann der Winner von Djokovic.

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Mit Lob für Alexander Zverev sparte er nicht. Er nannte ihn den „vermutlich besten Spieler der Welt momentan“ und bezeichnete dessen starken Aufschlag als einen „Alptraum für jeden Gegner“. Dennoch schaffte er es, den Monster-Service des Deutschen in den entscheidenden Momenten zu entschärfen. Mit so einer „Master-Class“ des 24-fachen Grand Slam-Siegers war nicht zu rechnen gewesen.

Vor allem deshalb nicht, weil Djokvoic in seinen letzten Begegnungen bei den US Open (Auftaktniederlage) und auch bei seinen beiden Siegen in Peking stets erhebliche körperliche Probleme hatte. In China sprach er etwas kryptisch von „einigen spezifischen Problemen“, die er nicht enthüllen möchte: „Die Mehrzahl meiner Matches und Turniere, die ich dieses Jahr gespielt habe, waren für mich körperlich ein echter Kampf, und nichts davon hat mit Ausdauer zu tun. Die Leute verwechseln das; es ist nicht die Ausdauer, es ist etwas, das stärker mit der Gesundheit zu tun hat.“

Djokovic mit einem weiteren Rekord

Umso erstaunlicher ist es, dass er nebenbei noch einen Rekord aufgestellt hat: Djokovic hat in Peking nun 32 Matches in Serie gewonnen. Kein Spieler in der ATP-Historie ist bei einem Turnier länger ohne Niederlage geblieben. Er übertrumpfte damit Rafael Nadal, der auf 31 Siege hintereinander in Roland Garros kam.

Für Alexander Zverev ist diese Niederlage zwar zunächst als Rückschlag zu werten. Aber er hat immer noch alle Chancen, um am Jahresende die Nummer eins der Welt zu werden. Denn an der Gesamt-Konstellation hat sich nichts geändert: Jannik Sinner hat bis zum Saisonende noch einen Haufen Punkte zu verteidigen. Zverev hingegen kann einfacher Punkte hinzugewinnen, weil er im Herbst 2025 weniger gewann als Sinner.

Zverev und Sinner: Punkte aus dem Vorjahr

Aktuell hat Zverev 9.720 Punkte, Sinner steht bei 11.000. Weil der Deutsche 2025 in der dritten Runde von Shanghai gegen Arthur Rinderknech verlor, kann er dort zwar nun einige Punkte gutmachen. Sinner aber gab 2025 gegen Tallon Griekspoor in der dritten Runde von Shanghai auf und verliert nur 50 Punkte. Zverev kann deswegen selbst mit einem Titelgewinn nicht an Sinner nach Shanghai vorbeziehen. Im Ideallfall (also bei einem Trimuph) kann er bis auf 280 Punkte an Sinner heranrücken (Sinner mit 10.950, Zverev als Turniersieger mit 10.670).

Die große Frage wird nun sein, ob Sinner überhaupt noch in diesem Jahr spielen wird. Am 26. Oktober beginnt das Tunrier in Wien, für das Zverev und Sinner gemeldet haben. Zuvor werden übrigens beide noch beim Six Kings Slam in Saudi-Arabien aufschlagen. Dieses hochlukrative Einladungsturnier könnte Sinner als einen Test nutzen, um danach dann zum Endspurt auf der regulären ATP-Tour anzusetzen.

Am Ende kann man es drehen und wenden, wie man will: Zverev hat es selbst in der Hand, um spätestens nach den ATP-Finals in Turin die Nummer eins der Welt zu werden.