Nachdem das Erstrunden-Match von Naomi Osaka aufgrund einer Gruppe Influencer unterbrochen werden musste, wird in den Sozialen Netzwerken über das Thema Content-Creation bei den US Open diskutiert. Spieler wie Naomi Osaka, Coco Gauff und Jessica Pegula äußern sich.
Naomi Osaka spielte ihr Erstrunden-Match gegen Anastasia Zakharova (7:6,7:6). Während des Matches kam es zu einer Unterbrechung: Eine Gruppe Social Media Influencer (oder auch Content Creator) filmte lautstark während des Matches in der VIP Lounge ein Video – inklusive eines Ringlichts, welches für eine bessere Beleuchtung im Video sorgen sollte.
Osaka: „Man muss sich über die Etikette informieren“
In New York sagte Osaka diesbezüglich in der Pressekonferenz nach ihrem Sieg in der zweiten Runde gegen die Nummer eins im Doppel, Katerina Siniakova (6:2, 5:7 und 6:1): „Heute hat die Schiedrichterin immer wieder um Ruhe gebeten – so oft habe ich das noch nie eine Schiedsrichterin sagen hören.“ Zu der Störung in der ersten Runde sagte Osaka: „Ich glaube, in meinem Erstrunden-Match habe ich nicht wirklich darauf geachtet. Normalerweise konzentriere ich mich nur auf das Spiel und den Platz, aber es gab einen Moment, in dem die Leute etwas gerufen haben und man konnte es deutlich hören und ich glaube, meine Gegnerin hat es auch gestört.“ Für Osaka sei der Lärm ein größeres Problem gewesen, als die Beleuchtung durch die Ringlichter.
Die zweifache US Open-Siegerin merkte an: „Natürlich muss man, wenn man zu einer Sportveranstaltung kommt, den Sport respektieren und ich halte es für eine Frage der Höflichkeit, sich über den Sport zu informieren, insbesondere über die Etikette.“ Ganz negativ sieht Osaka das Thema ‚Social Media Präsenz bei den US Open durch Influncer‘ jedoch nicht: „Es könnte eine gute Sache sein, wenn die Leute (die Creator) den Tennissport bei ihrem jeweiligen Publikum populär machen, aber ich denke, dass es besser geregelt werden muss, besonders in einer Situation wie meinem Erstrundenmatch. Aber insgesamt sehe ich viele positive Aspekte“, sagte Osaka.
Coco Gauff: „Ich habe kein Problem mit Influencern“
Ähnlich sieht es Coco Gauff. Die US Open-Siegerin von 2023 sagte in New York: „Ich finde es toll, dass der Sport dadurch eine andere Zielgruppe anspricht. Ich habe kein Problem mit Influencern.“ Sie ergänzte: „Ich habe einige von ihnen kennengelernt und folge einigen online. Zum Glück halten sich diejenigen, denen ich online folge, an die Etikette und kennen sich im Tennis ziemlich gut aus.“
Auch für Gauff habe ein angemessenes Verhalten auf der Anlage Priorität. Die 22-Jährige sagte: „Es ist wie bei jedem Veranstaltungsort, den man besucht: Man muss sich an die dort geltenden Verhaltensregeln halten und ich denke, dass es vielleicht auch Aufgabe einiger Marken sein sollte, in der Loge ein Schild anzubringen oder so etwas, denn für manche ist es das erste Tennismatch und sie wissen es einfach nicht besser.“
Anders als für Osaka sei für Gauff nicht der Lärm der größte Störfaktor, sondern die zusätzlichen Lichtquellen. Deshalb forderte Gauff: „Keine Blitzlichtfotografie, denn das stört.“ Sie sei eine der Spielerinnen, die sich so gut wie nie bei Lärm beschweren würden. Das Arthur Ashe-Stadium sei ohnehin ein lauter Ort, aber das laute Mitsprechen von TikTok-Sounds während des Matches sei nicht nur für die Spieler, sondern auch für die anderen Zuschauer störend. Dennoch: „Es trägt zum Wachstum des Sports bei“, sagte Gauff in Bezug auf die Präsenz der US Open in den Sozialen Medien durch Influencer.
Pegula: „Es ist in diesem Jahr zu viel geworden“
Jessica Pegula steht dem Thema etwas kritischer gegenüber. Die Weltranglistendritte sagte: „Ich finde es zwar gut, dass Influencer kommen und sozusagen, das US Open-Erlebnis präsentieren (…), aber ich finde es schwierig, wenn man Videos sieht, in denen Fotos gemacht und Selfie-Lichter benutzt werden – während die Spieler da unten versuchen zu performen und es um ihre Karriere und ihren Job geht. Das wirkt ein bisschen respektlos.“ Und weiter: „Ich finde, es ist in diesem Jahr ein bisschen zu viel geworden. Ich kann die eine Seite davon zwar nachvollziehen, aber wenn die andere Seite buchstäblich die Spiele unterbricht, wird es ein bisschen schwierig.“
Social Media Debatte: Sport oder Ästhetik?
Neben dem Austauschen von Argumenten, die bereits von Spielern wie Osaka, Gauff und Pegula genannt wurden, wird in den Sozialen Medien diskutiert, ob der US Open-Content durch Influencer dem Sport mehr Sichtbarkeit gibt und neue Zielgruppen erschlossen werden, die sich tatsächlich für den Sport und die Athleten interessieren oder ob die US Open dadurch mehr zu einem Event werden, bei dem der Sport in den Hintergrund rückt und die Erstellung von Content im Fokus steht. Sozusagen ein Szenario, bei dem es wichtiger erscheinen würde, eine perfekte Instagram-Story vom Honey Deuce (typisches US Open-Getränk) zu erstellen, als sich das Match anzusehen.
Die Frage in den Sozialen Medien lautet also: Wird der Sport als solcher durch Content-Creation populärer gemacht oder lediglich die Tennis-Ästhetik? Oder eventuell auch beides? Die Meinungen gehen auseinander. Fest steht für die meisten jedoch: Spieler sollten in keinem Fall während des Matches gestört werden. Die athletische Leistung sollte an erster Stelle stehen und respektiert werden.
Text: Anna-Sophia Antic. Sie studiert Journalismus an der IU-Akademie.
