Naomi Osaka will durch ihre Outfits Geschichten erzählen. Im Vorfeld der US Open kündigte sie an: Ihr New York-Look sei ein bisheriger Favorit der 28-Jährigen. In den Sozialen Medien wird diskutiert: Wie viel Mode kann der Sport vertragen?
Naomi Osaka ist bekannt für ihre außergewöhnlichen Looks – insbesondere bei Grand Slam Turnieren. Im Vorfeld der US Open (Toronto) erklärte die 28-Jährige, die in Flushing Meadows Montagnacht in der Night Session startet: „Es macht Spaß, den Leuten Momente zu schenken. Denn das Tennis, das ich so geliebt habe, hatte Momente wie die von (Maria) Sharapova, Serena (Williams) und Venus (Williams).“
Ob man es mag oder nicht: Osaka hat die Verbindung von Tennis und Mode auf ein neues Level gebracht. „Mit dem „Ambush“-Outfit (US Open 2024) sind wir noch extremer geworden. Dieses war für mich ein persönlicher Favorit, weil ich noch nie jemanden gesehen hatte, der so etwas Extremes gemacht hat und das hat mich dazu gebracht, weitermachen zu wollen.“
Bei Grand Slam-Turnieren betritt Osaka den Court in ihrem „Walk-on“-Look. Unter diesem trägt sie ein Tennis-Dress ihres Sponsors. Bisher handelte es sich bei ihren Outfits um Kooperationen zwischen Nike und namenhaften Modedesignern. Osaka verbindet dabei High-Fashion und Performance-Sportbekleidung.
In Wimbledon trug sie beispielsweise ein weißes Dress mit aufgenähten Blumen und darüber einen weißen Kimono (ein traditionelles japanisches Kleidungsstück) – eine Hommage an ihre japanische Herkunft. „Ich nutze Mode als Mittel, um Geschichten zu erzählen“, sagte die 28-Jährige damals gegenüber der Vogue.
Geschichten erzählte Osaka in der laufenden Saison bereits in Melbourne, Paris und London. Was wird in New York passieren? Vor den US Open kündigte die vierfache Grand Slam-Siegerin an: „Ich glaube, diese Outfit-Story zu den US Open gehört bisher zu meinen Favoriten.“ Das Thema ihres Sponsors Nike ist in diesem Jahr Basketball. Ihr modisches Statement in New York wird man dann vermutlich in ihrem Erstrunden-Match gegen Anastasia Zakharova (aktuell Rang 101) sehen.
Osaka: „Bin immer noch eine der besten Spielerinnen“
Osaka konnte im Big Apple bereits zwei Mal triumphieren – in den Jahren 2018 und 2020. Im vergangenen Jahr erreichte die Japanerin das Halbfinale. „Das war definitiv ein riesiger Selbstvertrauensschub“, erinnerte sich Osaka beim Masters in Toronto. Sie ergänzte: „Nachdem ich letztes Jahr in der zweiten Runde von Washington verloren hatte, habe ich eine Teambesprechung abgehalten und ihnen (meinem Team) gesagt, dass ich glaube, dass ich immer noch eine der besten Spielerinnen der Welt bin.“ Über ihre darauffolgende Performance in New York im vergangenen Jahr sagte Osaka dann: „Es ist etwas, das sich in meinem Herzen wirklich gut anfühlt, denn es ist natürlich mein Lieblingsturnier.“
Social Media-Debatte: Wie viel Mode kann der Sport vertragen?
Im Vorfeld der US Open wird die Mode-Debatte um Naomi Osaka wieder angefacht – in den Sozialen Medien lassen sich die Meinungen aktuell in drei Kategorien unterteilen.
Kategorie eins: Die Outfits seien „zu viel“ und würden vom Match und der sportlichen Leistung ablenken. Es passe nicht in einen leistungsorientierten Wettbewerb. Einige Kommentare machen deutlich, dass die User lieber von spektakulären Schlägen, als von außergewöhnlichen Stoffen überrascht werden wollen.
Kategorie zwei: Andere wiederum zeigen sich begeistert, dass Osaka den Court als Plattform nutzt, um ihre Persönlichkeit und ihren Style zu präsentieren. Das Entertainment und die Kreativität werden positiv hervorgehoben.
Kategorie drei: eine Mischung aus beidem.
Die Mode- und die Tenniswelt sind seit vielen Jahren eng miteinander verbunden. Statements durch Fashion sind dabei nichts komplett neues. Für einige User sei jedoch die „Modenschau“ im Vorfeld zu viel. Ein kreatives Outfit, hinter dem eine Bedeutung stecke, sei dabei nicht der Kritikpunkt, sondern viel mehr, dass sich die Aufmerksamkeit vor dem Match auf Mode und nicht auf Tennis richte. Die Kritik: Es sei nicht der richtige Ort beziehungsweise der richtige Zeitpunkt, einen Look zu präsentieren, der eher auf die Met Gala oder ähnliche Veranstaltungen passe.
Gauff unterstützt Osaka
Unterstützung erhält Osaka beispielsweise von Coco Gauff. In einem Vogue-Interview sagte Gauff über die Japanerin: „Ich finde sie schafft es unglaublich gut, ihren eigenen Stil auf den Tennisplatz zu bringen und echte Fashion-Momente zu kreieren – egal, ob sie allen gefallen oder nicht. Ich weiß, dass sie auch kritisiert wurde, aber ich glaube, dass sie den Sport voranbringt.“
Gerade als „Woman of Color“ zeige sie, laut der 22-Jährigen, eine andere Seite des Sports und mache deutlich, dass Athletinnen sich auch über Mode ausdrücken können. Neben Osaka seien für Gauff Serena und Venus Williams eine große Inspiration in Sachen Mode. „Sie haben den Weg für Spielerinnen wie Naomi, für mich und für viele andere geebnet, kreativer zu sein“, sagte Gauff gegenüber dem Mode-Magazin.
„Ich glaube, es hat etwas Einschüchterndes, wenn man gegen eine gute Spielerin antritt, die zudem noch ein tolles Outfit trägt“, sagte Gauff gegenüber der Vogue.
Die Verbindung zwischen Tennis und Mode
Über die Verbindung zwischen Tennis und Mode sagt eine der einflussreichsten Persönlichkeiten in der internationalen Modebrache, die ehemalige Chefredakteurin der US-amerikanischen Vogue, Anna Wintour, in New York: „Ich finde das wirklich interessant, vor allem wenn man sich Spielerinnen wie Serena oder Naomi ansieht, die sich ganz der Mode verschrieben haben und sich damit ausdrücken. Und dann gibt es den jungen philippinischen Star. Man konnte selbst bei einer so jungen Spielerin sehen, wie interessiert sie an Mode ist und darüber lernen möchte. Ich finde es großartig, wie Sport und Mode zu dieser wunderbaren Verbindung geworden sind.“
Wintour ist immer wieder bei Grand Slam-Turnieren wie Wimbledon und den US Open zu Gast – zuletzt beim Abschiedsmatch von Roger Federer im Arthur Ashe Stadium.
Bei dem jungen philippinischen Star, den Wintour erwähnt hatte, handelt es sich um Alexandra Eala. Die 21-Jährige war bereits auf dem Cover der philippinischen Vogue zu sehen. Ähnlich wie Osaka, spielt auch Eala durch Mode auf ihre Wurzeln an. In Wimbledon trug sie beispielsweise eine weiße Cap, auf der ein Satz in der Sprache Tagalog gestickt war: „Kapag lumago, hindi na hihinto“. Übersetzt: „Wenn es erst einmal wächst, ist es nicht mehr aufzuhalten.“
Es wird deutlich: Fashion ist ein Teil des Sports und eine Möglichkeit für Athleten sich auszudrücken – über das Ausmaß wird in den (Sozialen) Medien immer wieder diskutiert.
Online-Debatte um Sabalenkas New York-Outfit
Ein weiterer Name fällt aktuell häufig, wenn es um das Thema Mode geht. Die Weltranglistenerste, Aryna Sabalenka, musste für ihr New York-Outfit viel Kritik in den Sozialen Medien einstecken. Ihren Look hatte sie bereits im Vorfeld der US Open auf ihren Social Media-Account geteilt. Ihre Einstellung zu der aufkommenden Kritik lautete: „Ich liebe mein Outfit. Wenn es jemandem nicht gefällt, ist das okay – man kann schließlich nicht jeden mit seinem Outfit beeindrucken.“ Und weiter: „Deshalb mag ich Mode, weil es da Platz für alles gibt – im Grunde für alles, was man mag.“
Bei der Premiere des Outfits im Mixed-Doubles-Event, in welchem sich das Duo Sabalenka/Djokovic bereits in Runde eins geschlagen geben musste, hagelte es dann erneut Kritik an dem orangefarbenen Zweiteiler mit dem darüberliegendem schwarzen Netzkleid. Vor Turnierstart machte Sabalenka deutlich: „Für mich zählt nur, dass ich es liebe.“ Bei schlichten und gewöhnlichen Outfits würden sich die Leute beschweren und ebenso bei auffälligen und gewagten Looks – „Also, wen interessiert’s?“, konterte die Nummer eins.
Viele positive Kommentare in den Sozialen Netzwerken erhielt beispielsweise Jessica Pegula, die sich ebenfalls, gemeinsam mit Doppel-Partner Taylor Fritz, in Runde eins des Mixed-Wettbewerbs geschlagen geben musste. Die Weltranglistendritte ging mit einem bordeauxfarbenen Kleid im Doppel an den Start.
Für viele Tennis- und Mode-Fans sind die Looks der Spieler, insbesondere bei Grand Slam-Turnieren, ein großes Gesprächsthema und Teil des Events. Klar ist auch, dass große Fashion-Statements, wie die von Naomi Osaka, polarisieren: Bei der Frage, ob die größte Bühne im Tennis auch gleichzeitig für eine kurze „Fashion-Show“ genutzt werden sollte, gehen die Meinungen auseinander. Mode-Fans können jedenfalls auf Osakas Social Media-Accounts erste Aufnahmen aus Flushing Meadows sehen, in denen die zweifache US Open-Siegerin in unterschiedlichen Looks auf der Anlage posiert.
Text: Anna Sophia Antic. Sie studiert Journalismus an der IU-Akademie.
