Das Mixed-Turnier der US Open ist ein Show-Event mit prominenten Namen geworden. Dennoch könnten die Spezialisten wieder tonangebend werden.

Die Grand Slam-Turniere 2026 standen – wenn man es wohlwollend formuliert – unter gewissen Solidaritäts-Vibes, die in der Tennisbranche nicht gerade üblich sind. Das Motto lautete: Die „Big Names“ setzen sich für die „Journeymen“ der Tour ein; die Stars kämpfen also für bessere Verdienstmöglichkeiten aller.

Zumindest soll das die gut klingende Botschaft all jener gewesen sein, die mit Boykottdrohungen und zeitlich limitierten Pressekonferenzen darauf hinwiesen, dass die Preisgelder der Grand Slam-Turniere zu gering seien – gemessen am Anteil der Gesamteinnahmen der Groß-Events. Die 15 Prozent seien zu wenig, es müssten langfristig mindestens 22 Prozent werden, forderten unter anderem von Aryna Sabalenka, Iga Świątek, Coco Gauff, Carlos Alcaraz, Jannik Sinner und Jack Draper.

Coco Gauff: „Es geht nicht um mich“

Bevor nun der Eindruck entstehe, es ginge ihnen nur darum, sich selbst die Taschen voller zu machen, betonte etwa Coco Gauff beim Turnier in Rom 2026: „Es geht nicht um mich. Es geht um die Zukunft unseres Sports und um die aktuellen Spieler, die nicht so viele Vorteile genießen wie manche der Top-Stars, wenn es um Sponsoring und solche Dinge geht. Wir verdienen Geld abseits des Platzes. Wenn man sich ansieht, wie viel Geld die einzelnen Grand Slam-Turniere einbringen, ist es schon bedauerlich, dass viele der 200 besten Tennisspieler von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck leben, während das in anderen Sportarten gar kein Thema ist.“

Aryna Sabelenka argumentierte im Vorfeld der French Open 2026 ganz ähnlich: „Beim Preisgeld geht es überhaupt nicht um mich. Es geht darum, sich für alle Profis stark zu machen – vor allem für jene mit niedrigeren Weltranglisten-Positionen, die wirklich darum kämpfen, in dieser Tenniswelt zu überleben. Das hat nichts mit mir zu tun.“

Beim letzten Grand Slam-Turnier des Jahres in New York kommen einem diese sicherlich ernst gemeinten Bekundungen der Top-Verdiener der Tour wieder in den Sinn, wenn man auf die zweite Auflage des reformierten Mixed-Wettbewerbs der US Open blickt, der heute beginnt. Ja, es gehört zu den neuen Gepflogenheiten, dass in Flushing Meadows der Mixed-Titel parallel zur Einzel-Qualifikation während der sogenannten „Fan-Week“ vergeben wird, was seltsam genug ist.

Wo ist die Solidarität, wenn man sie braucht?

Kurioser ist nur noch der Umstand, dass die besten Doppelspieler der Welt in ihrer Paradedisziplin kaum zum Zuge kommen. Die Einzelspieler werden vom US-Verband bevorzugt. Deswegen auch der Termin weit vor dem Start der Einzel-Hauptfelder. Deswegen das auf 16 Teams eingedampfte Teilnehmer-Feld (acht Duos werden per Wildcard eingeladen!) und die kurzen Sätze mit No Ad-Scoring.

Wenn man das Event als nette Exhibition im Vorfeld eines Major-Turniers verkaufen würde – kein Problem. Aber es geht tatsächlich um einen Grand Slam-Titel und um insgesamt 2,8 Millionen Preisgeld. Wo ist sie nun hin, die vielfach beschworene Solidarität mit den weniger privilegierten Profis, zu denen letztlich alle Doppelspezialisten zählen, wenn die Einzelstars die Mixed-Konkurrenz fluten und quasi mit Kurzarbeit bis zu eine Million Dollar für das Sieger-Team verdienen können? Müssen die Einzelspieler den Experten wirklich Startplätze und Einnahmen wegnehmen?

Tuesday’s order of play for the US Open Mixed Doubles Championship presented by Vital Proteins is set! 🔒 pic.twitter.com/xd2LAcLO3Z

— US Open Tennis (@usopen) August 24, 2026

Sicher, die Proteste der Top-Stars zeigten vor allem in New York Wirkung: Durch die erneute Anhebung der Preisgelder um 20 Prozent auf insgesamt 108 Millionen Dollar steigt ihr Anteil an den Gesamteinnahmen des US Open auf 19,7 Prozent. Zudem wurde ein neuer Spieler-Beirat mit den vier Grand Slam-Turnieren gegründet, um die Profis in die großen Entscheidungsprozesse mit einzubeziehen. Aber warum überlässt man gerade dann nicht die Spezialdisziplin den Spezialisten?

Mixed als kommerzieller Erfolg bei den US Open

Weil dann die Rechnung der US Open nicht aufgeht. Die „Fan-Week“ mit einem Mixed-Turnier, in dem Schwergewichte wie Serena Williams, Carlos Alcaraz, Aryna Sabalenka oder Novak Djokovic mitspielen, macht die Stadien voll und brachte schon 2025 enorme Aufmerksamkeit, Rekordbesucherzahlen und vor allen volle Kassen bei der USTA. Das Mixed im neuen Format wird auch 2026 ein großer kommerzieller Erfolg werden, so viel ist sicher.

Bei all dem Star-Rummel und dem – verständlichen – Entgegenfiebern der Auftritte des Sensations-Duos Williams/Alcaraz: Die Spezialisten könnten dem Turnier noch mehr als im letzten Jahr ihren Stempel aufdrücken. 2025 waren als reine „Doppel-Könner“ nur Sara Errani und Andrea Vavassori am Start und holten den Titel. Nach der heftigen Kritik an der Startplatz-Vergabe im letzten Jahr gibt es durch eine vorgeschaltete Qualifikation 2026 nun zwei Plätze für Spezialisten im Hauptfeld. Und weil Frances Tiafoe, der mit Leylah Fernández antreten wollte, verletzungsbedingt zurückziehen musste, kam noch ein Lucky-Loser-Team hinzu.

Katerina Siniakova and Henry Patten easily qualify for the mixed doubles main draw.

They will enter the MD as qualifiers but will be probably the main title favorites for the event. pic.twitter.com/Fks1wevAiO

— José Morgado (@josemorgado) August 24, 2026

Vier Spezialisten-Teams im Hauptfeld

So sind nun neben den per Wildcard eingeladenen Titelverteidigern Errani/Vavassori auch Mladenovic/Arevalo, Routliffe/Glasspool und Siniakova/Patten als reine Experten-Duos im Feld. Wobei es schon ein Witz ist, dass sich Katerina Siniakova und Henry Patten, die aktuell die beiden Doppel-Weltranglisten anführen, durch die Qualifikation spielen mussten, in der sie kaum gefordert wurden. Siniakova/Patten treffen zum Auftakt auf Sabalenka/Djokovic; Routliffe/Glasspool auf Williams/Alcaraz (heute live ab 16 Uhr bei Sky/WOW und sporteurope.tv). Bis in den Abend hinein werden die ersten beiden Runden ausgespielt, morgen folgen die Halbfinals und das Endspiel (mit regulären Sätzen übrigens).

Es wird also durchaus spannende Begegnungen geben, keine Frage. Aber: Mit Grand Slam-Tennis und großer Solidarität unter den Tennisprofis hat das alles nichts zu tun.