Mit dem WTA- Masters in Toronto beginnt die heiße Phase vor dem letzten Grand Slam-Turnier des Jahres: den US Open. Im „Served with Andy Roddick“-Podcast reflektiert eine der Mitfavoritinnen auf den Titel in New York, Mirra Andreeva, ihren ersten Grand Slam-Sieg in Paris, spricht unter anderem über ihre emotionale Art auf und neben dem Platz und die Zusammenarbeit mit ihrer Trainerin Conchita Martínez. Außerdem erklärt die 19-Jährige, warum sie sich nach ihren Siegen bei sich selbst bedankt.

Am 6. Juni wurde ihr Teenager-Traum wahr: Mirra Andreeva spielte ihr erstes Grand Slam-Finale und wurde Roland Garros-Champion mit gerade einmal 19 Jahren. Ende Juli tritt die Siegerin der French Open im Podcast des ehemaligen Weltranglistenersten Andy Roddick auf. Andreeva und der ehemalige US amerikanische Profi sprechen unter anderem über den Moment des Triumphes in Paris und die Auszeit nach Wimbledon.

Es waren aufregende zwei Monate für die Weltranglisten-Fünfte. Nach ihrem Sieg in Paris, startete für Andreeva nach vier Tagen Pause bereits die Gras-Saison, die im Vergleich zur Sandplatz-Saison weniger erfolgreich verlief. In Bad Homburg musste sie sich bereits in Runde eins geschlagen geben. Auch ihre Wimbledon-Reise endete in Runde zwei. Auf dem Centre Court verlor sie gegen die Wimbledon-Siegerin von 2024 Barbora Krejčíková in drei Sätzen.

Das frühe Wimbledon-Aus nutze die 19-Jährige für eine Sommer-Pause. Im „Served“-Podcast von Andy Roddick sagte sie: „Nach Wimbledon hatte ich tatsächlich etwas Zeit. Um genau zu sein, habe ich elf Tage lang kein Tennis gespielt.“ Sie habe neue Energie getankt und Zeit mit ihrer Familie verbracht.

Die Emotionen hinter dem ersten Grand Slam-Sieg

Der ehemalige US amerikanische Profispieler fragte Andreeva, ob sie ihren Roland Garros-Sieg in dieser Zeit reflektiert habe und an was sie sich erinnere: „Das Einzige, woran ich mich erinnere, sind die vielen Emotionen, die ich in diesen zwei Wochen erlebt habe – nicht nur im Finale“, sagte die Russin. Sie sei bei jedem Match, angefangen in der ersten Runde, nervös gewesen. Sie habe sich in diesen zwei Wochen in gewisser Weise selbst unterstützt und daraus gelernt: „Wenn ich mich mental richtig einstelle, dann klappt es auch“, reflektierte Andreeva und fügte hinzu, dass sie sich ansonsten an viele Gefühle erinnere: „Erleichterung, Glück, Aufregung, Euphorie, Adrenalin – so viele Emotionen auf einmal, dass ich das unbedingt noch einmal erleben möchte.“

Der Druck als Favoritin ins Finale einzuziehen

Die French Open schienen in diesem Jahr, sowohl bei den Herren als auch bei den Damen unvorhersehbarer denn je. Die erste Überraschung: Die Nummer eins Jannik Sinner musste sich bereits in Runde zwei seinem Gegner und der Rekord-Hitze in Paris geschlagen geben. Auch die Weltranglistenerste der Damen, Aryna Sabalenka, verlor im Viertelfinale. Dreifach Roland Garros-Siegerin Iga Swiatek schaffte es ebenfalls nicht über die vierte Runde hinaus. Immer mehr Top-Spieler fielen aus dem Wettbewerb. „Und dann sind plötzlich alle Augen auf dich gerichtet und du bist die Favoritin“, schlussfolgerte Podcast-Host Andy Roddick.

„Ich würde definitiv sagen, dass das ein bisschen Druck mit sich gebracht hat“, verriet die 19-Jährige. Sie habe die Matches der anderen Spieler verfolgt: „Ich schaue mir viel Tennis an, sogar wenn ich selbst spiele. Ich schaue mir die Damen an, ich schaue mir die Herren an, einfach alles. Ich verfolge das Ganze also und habe natürlich gesehen, was mit Jannik passiert ist, ich habe gesehen, was mit Aryna passiert ist, mit Iga und auch mit Rybankina. Ich habe gesehen, wie so viele Topgesetzte ausgeschieden sind“, erzählte Andreeva. Der Druck und die Nervösität seien größer geworden. Ratschläge habe sie bei ihrer Trainerin Conchita Martínez und ihrer Psychologin gesucht: Sie habe versucht nicht über ihre Rolle als Favoritin nachzudenken, um ihren Erfolgslauf auf dem Platz fortzusetzen.

Auch die Paris-Reise von Finalistin Maja Chwalińska hatte Andreeva verfolgt: „Sie hatte bei diesem Turnier einige großartige Ergebnisse erzielt, daher wusste ich bereits, dass sie gut spielt“, sagte die French Open-Siegerin. Mental gesehen, wäre es vielleicht einfacher gewesen, gegen eine der gesetzten Spielerinnen zu spielen, um „geringe Erwartungen zu haben“. Sowohl für Andreeva als auch für Chwalińska war es das erste Grand Slam-Finale. Vor Paris stand die Teenagerin auf Rang acht der Weltrangliste und die 24 Jahre alte Polin auf Rang 114. Andreeva habe es geholfen sich vor Augen zu führen, dass Chwalińska keine leichte Gegnerin sei und sie durch ihre Erfolgsgeschichte von der Qualifikation bis zum Finale viele Spiele bestritten habe.

Schlussendlich wurde der Traum der Teenagerin Realität: Nach zwei Sätzen (6:3, 6:2) hielt die frisch gebackene Grand Slam-Siegerin die Trophäe in der französischen Hauptstadt in die Luft.

Andreeva: „Ich möchte mir selbst danken“

In ihrer Dankesrede lässt Andreeva eine Person nicht aus: Sich selbst. Im Served with Andy Roddick-Podcast erklärte die Paris-Siegerin die Hintergründe der Dankesreden an sich selbst, die sie vor vier Jahren eigentlich als Spaß begonnen hatte.

„Am Anfang gab es noch nicht viele Leute, die das wirklich bekannt gemacht und online gestellt haben. Erst nachdem ich mein erstes 1000er-Turnier gewonnen hatte, ging es viral. Je mehr ich gewann, desto öfter habe ich es gesagt, und jetzt ist es sozusagen eine Art Markenzeichen von mir, würde ich sagen“, erzählt die Russin.

Inspiration sei der Rapper Snoop Dogg gewesen, der sich bei einer Award-Show bei sich selbst bedankt hatte. Snoop Dogg hatte sich beispielsweise dafür gedankt, nie aufgegeben zu haben. Die Teenegerin sagte im Podcast: „Am Ende habe ich einfach ein bisschen mit den Worten herumgespielt, wofür ich mir eigentlich selbst danken möchte und natürlich nicht alles verwendet, was er gesagt hat.“

Nach ihrem Roland Garros-Sieg führte Andreeva ihre Tradition fort

„Ich möchte mir selbst dafür danken, dass ich an mich glaube, dass ich immer 100 % gebe – auch wenn es hart ist –, dass ich jeden Tag versuche, als Mensch und als Spielerin besser zu werden, dass ich daran geglaubt habe, dass ich das schaffen kann und dass ich gegen so viele innere Dämonen gekämpft habe. Nur ich weiß, wie schwer es für mich war und wie nervös ich während dieser zwei Wochen war. Deshalb auch: Danke an mich selbst, dass ich so hart gearbeitet und mein Bestes gegeben habe.“

Andreeva: „Ich bin eine emotionale Person“

Mit Erfolg und Aufmerksamkeit geht auch oft Kritik einher. Für ihre zum Teil impulsive und emotionale Art auf dem Platz musste die 19-Jährige die ein oder andere Kritik einstecken.

„Ich würde sagen, insgesamt bin ich ein emotionaler Mensch“, sagte die in Sibirien geborene Profispielerin im Podcast von Ex-Profi Roddick. Sie erklärte: „Wenn ich gewinne bin ich sehr glücklich; wenn ich gute Laune habe, tanze ich einfach herum und nerve mein Team.“ Im Gegensatz rede sie bei schlechter Laune nicht, schlage Bälle und haue Schläger kaputt.

Der Teenagerin steht mit ihren 19 Jahren als Profispielerin auf einer öffentlichen Bühne. „Es gibt einige Momente, auf die ich natürlich nicht stolz bin“, reflektierte sie und fügte hinzu: „Da wir auf größeren Bühnen auftreten, wird das natürlich viral gehen. Natürlich werden die Leute darüber reden und ich glaube ich habe gelernt, dass es kein Entkommen gibt: Irgendwann wird es irgendwie im Internet auftauchen.“ Ihre guten und schlechten Momente würden im Netz landen. Damit habe sich die junge Profispielerin abgefunden.

An ihrem Verhalten auf dem Court arbeite sie. Ihre Emotionen zu unterdrücken, funktioniere für Andreeva jedoch nicht: „Ich würde sagen, dass es für mich nicht wirklich funktioniert, mich darauf zu konzentrieren, etwas nicht zu tun, denn wenn man an „nicht“ denkt, denkt mein Gehirn: Du musst es tun, das ist, was du jetzt tun musst.“ In solchen Momenten versuche sie, ihren Emotionen freien Lauf zu lassen: „Ich versuche dann es rauszulassen: schreien, einen Schläger zerbrechen, einen Ball schlagen – danach fällt es leichter, zu spielen.“ Sie ergänzte: „Aber beim nächsten Punkt ist man wieder zu 100 Prozent dabei.“

„Nach zwei Tagen wusste ich: Sie ist der richtige Coach“

Trainiert wird Andreeva von der ehemaligen Profispielerin und Wimbledon-Siegerin Conchita Martínez. „Wir reden viel über ihre Erfahrungen, darüber, wie sie früher gespielt hat, wie sie mit Druck umgegangen ist, wie sie mit ihren Gefühlen umgegangen ist und sie gibt mir Ratschläge“,erzählte Andreeva.

Für sie sei es wichtig gewesen, dass ihr Coach selbst Erfahrung auf dem Court als Profi habe: „Ich finde es wichtig, dass sie das selbst durchgemacht hat. Sie versteht, was ich fühle und was ich durchmache.“ Martínez trainiert die 19-Jährige seit April 2024. Andreeva habe bereits nach zwei Tagen Training gewusst, dass die Wimbledon-Siegerin von 1994 der richtige Coach für sie sei. Wichtig ist Andreeva im Training außerdem: „Ich brauche einen Trainer, der, wenn ich meine Beine nicht bewege, mir auch sagt: „Du bewegst deine Beine nicht.“ Ich will keinen Trainer, der mir nur aufmunternde und netten Worte sagt – denn das kann ich selbst.“

Woran Andreeva noch arbeiten möchte? Zum Beispiel an ihren Volleys. „Deshalb versuche ich mehr Doppel zu spielen“, erklärte die Grand Slam-Siegerin von Paris. Beim Mixed Doubles-Event der bevorstehenden US Open geht Andreeva gemeinsam mit Andrey Rublev an den Start.

Text: Anna-Sophia Antic. Sie studiert Journalismus an der IU-Akademie.