Wenn an einem Interclub-Wochenende irgendwo in der Schweiz eine Regelfrage auftaucht, ein Captain eine Spielberechtigung anzweifelt oder zwei Mannschaften über eine Verschiebung diskutieren, dann klingelt nicht selten das Telefon von Martin Moosmann. Seit über zehn Jahren gehört er zum Interclub-Ressort von Swiss Tennis und sorgt im Hintergrund dafür, dass der grösste Mannschaftswettbewerb des Landes möglichst reibungslos abläuft.
Während auf den Tennisplätzen um Punkte gekämpft wird, behält Martin Moosmann das Reglement im Blick und versucht, Konflikte zu lösen, bevor sie eskalieren. «Unsere Hauptaufgabe ist es, den Captains bei Fragen zum Interclub-Reglement zur Verfügung zu stehen», erklärt der 63-Jährige. Gemeinsam mit zwei Kollegen bildet er das Interclub-Ressort von Swiss Tennis. An Spieltagen sind sie telefonisch erreichbar, vermitteln bei Unstimmigkeiten zwischen Mannschaften und helfen dabei, Lösungen zu finden. Das Ziel: möglichst wenige Protestfälle und möglichst viele einvernehmliche Entscheidungen.
Zum Interclub-Ressort stiess Moosmann 2015. Der damalige Leiter Breitensport von Swiss Tennis sprach ihn während der Davis-Cup-Halbfinalbegegnung zwischen der Schweiz und Italien in Genf auf die Aufgabe an. Für Moosmann, der zu dieser Zeit als Linienrichter im Einsatz stand, war es ein weiterer Schritt auf einem Weg, der ihn schon lange durch die Welt des Tennissports geführt hatte. Er war Spielleiter in verschiedenen Clubs, absolvierte die Ausbildungen zum Official, Stuhlschiedsrichter und Referee.
30 bis 40 Anrufe pro Wochenende
Die Motivation für sein Engagement ist bis heute dieselbe geblieben. Moosmann mag es, mit anspruchsvollen Situationen umzugehen. Gerade wenn die Emotionen hochgehen und schnelle Entscheidungen gefragt sind, brauche es Sachlichkeit, Fairness und manchmal auch etwas Fingerspitzengefühl. Denn nicht jeder Anruf erfolgt in entspannter Atmosphäre. Wenn es um einen Auf- oder Abstieg geht, können Diskussionen zwischen Mannschaften schnell hitzig werden. «Dann rechne ich mit 30 bis 40 Anrufen pro Wochenende», erzählt Moosmann. Besonders häufig drehen sich die Fragen um Mannschaftsaufstellungen oder die Spielberechtigung von Spielerinnen und Spielern.
Nach mehr als einem Jahrzehnt in dieser Funktion hat er zahlreiche aussergewöhnliche Situationen erlebt. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ein Captain, der während einer Begegnung über einen Ballabdruck diskutierte. Um seinen Standpunkt zu belegen, schickte er Moosmann kurzerhand ein Foto des Abdrucks aufs Handy und erwartete von ihm eine Entscheidung darüber, ob der Ball im Feld oder im Aus gewesen war. «Ich musste erklären, dass ich das weder darf noch kann», erinnert sich Moosmann. Schliesslich sei er weder vor Ort noch als Schiedsrichter im Einsatz.
Ungebrochene Leidenschaft für die Aufgabe
Trotz der Vielzahl an Mannschaften und Begegnungen gibt es über die Jahre gewisse Konstanten. Einige Namen tauchen regelmässig auf seinem Display auf. «Es gibt schon die sogenannten Pappenheimer», sagt Moosmann mit einem Lachen. Oft wäre die Antwort zwar auch im Reglement zu finden, doch der Griff zum Telefon erscheint vielen einfacher.
Heute betreut Martin Moosmann sämtliche nationalen Ligen sowie die regionalen Begegnungen in der Deutschschweiz. Gemeinsam mit seinen Kollegen für die Westschweiz und das Tessin bildet er ein Netzwerk, das an jedem Interclub-Wochenende bereitsteht. An ein Aufhören denkt Moosmann derzeit nicht, zu viel Freude bereitet ihm seine Aufgabe. Und so wird er wohl noch viele Male so etwas wie ein unsichtbarer Schiedsrichter am anderen Ende der Telefonleitung sein.
