Nick Kyrgios ist im Rahmen des Tennis-Anti-Doping-Programms (TADP) vorläufig suspendiert worden. Das gab die ITIA, die Integritätsbehörde des Tennissports, am Mittwoch bekannt.

Nick Kyrgios sorgt mal wieder für Schlagzeilen – im negativen Sinne. Beim von ihm selbst deklarierten Comeback-Auftritt beim ATP-Turnier auf Mallorca, wo er in der ersten Runde gegen seinen Landsmann Adam Walton mit 3:6, 4:6 verlor, wurde er positiv auf Kokain getestet. Ein von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) akkreditiertes Labor bestätigte am 17. Juli 2026 den Nachweis von Benzoylecgonin, einem Abbauprodukt von Kokain.

Kokain gilt nach dem WADA-Regelwerk als Stimulans und als sogenannte „Substance of Abuse“ – also als Suchtmittel, das primär außerhalb des sportlichen Kontexts konsumiert wird. Solche Substanzen sind im Wettkampf verboten; bei Nachweis eines Konsums außerhalb des Wettkampfs sehen die Regularien reduzierte Sanktionen vor.

Automatische Suspendierung

Wegen der Art der nachgewiesenen Substanz ist eine vorläufige Suspendierung laut Regelwerk zwingend vorgeschrieben. Sie gilt bereits seit dem 4. August 2026. Kyrgios hätte das Recht, gegen die vorläufige Suspendierung Einspruch einzulegen, hat davon nach ITIA-Angaben bislang aber keinen Gebrauch gemacht.

Während der Suspendierung ist es Kyrgios untersagt, an Veranstaltungen von ITF, WTA, ATP, den Grand-Slam-Turnieren oder nationalen Verbänden teilzunehmen, dort zu coachen oder auch nur anwesend zu sein. Wie in allen Verfahren nach dem Tennis-Anti-Doping-Programm steht Kyrgios nach ITIA-Angaben zudem Unterstützung durch die Behörde zur Verfügung.

Wichtig: Eine vorläufige Suspendierung ist keine endgültige Entscheidung über eine Regelverletzung, sondern eine automatische Vorsichtsmaßnahme, die greift, bis der Fall abschließend geprüft ist. Der Australier gilt bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung nicht als überführt.

Kyrgios meldet sich selbst zu Wort

Kyrgios hat die Sperre nicht schweigend hingenommen: Er bestätigte den Fall kurz nach Bekanntwerden selbst über eine Instagram-Story. Darin räumt er den Vorfall ein und übernimmt nach eigenen Worten die volle Verantwortung: „Ich habe einen grossen Fehler gemacht und übernehme die volle Verantwortung dafür“, schreibt er. Er entschuldigt sich demnach ausdrücklich bei seiner Familie und seinen Fans – insbesondere bei jüngeren Followern, denen gegenüber er sich in einer Vorbildrolle sieht.

Kyrgios beteuert, keine Ausreden suchen zu wollen, verweist aber auf die enorme mentale Belastung durch die anhaltenden Verletzungsprobleme der vergangenen Jahre. Er kündigt eine Auszeit an, um sein Leben zu ordnen, und verspricht, gestärkt zurückzukehren.

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Kyrgios erreichte im Oktober 2016 mit Platz 13 seine höchste Position in der Einzel-Weltrangliste und stand 2022 im Wimbledon-Finale. Die vergangenen Jahre waren jedoch von langwierigen Verletzungsproblemen geprägt – Hand- und Knieoperationen sowie zahlreiche Comeback-Versuche bestimmten seine Karriere zuletzt.

In Mallorca trat er dank einer Wildcard an; insgesamt stand er 2026 bislang nur bei drei Einzel-Turnieren auf dem Platz und holte dabei einen einzigen Sieg. Bei Wimbledon-Turnier 2026 spielte er ausschließlich Doppel an der Seite von Alexander Bublik. Im ATP-Ranking steht der 31-Jährige aktuell nur noch auf Rang 919.

Zuletzt mit Anti-Doping-Kritik

Bemerkenswert ist der Fall Kyrgios auch vor dem Hintergrund seiner eigener öffentlicher Haltung zum Thema Anti-Doping: Der Australier hatte sich in der Vergangenheit wiederholt und pointiert zu den Doping-Fällen von Kollegen geäußert – etwa zu den Verfahren gegen Jannik Sinner und Iga Świątek, die er als „eine Schande für unseren Sport“ bezeichnete, sowie zur 18-monatigen Sperre seines Landsmanns Max Purcell, die er als überzogen kritisierte („Das ganze System ist im Eimer“).

Wie sich sein eigener Fall entwickelt und ob er gegen die vorläufige Suspendierung doch noch juristisch vorgeht, bleibt vorerst offen.