Vor 20 Jahren beendete Andre Agassi bei den US Open seine Karriere. Nach seinem letzten Match hielt er eine emotionale Ansprache.

An jenem 3. September 2006 änderte sich die Karriere von Benjamin Becker schlagartig. Die Initialen B.B standen in der Tenniswelt stets für Boris Becker, doch an einem Sonntagnachmittag in New York City war es diesmal ein anderer Becker, der die Schläger mit Andre Agassi kreuzte und die Karriere einer der schillerndsten Persönlichkeiten in der Tennisszene beendete.

Agassi hatte vorher angekündigt, dass die US Open sein letztes Turnier sein werden. Nachdem der 36-jährige US-Amerikaner in den ersten beiden Runden in fünf Sätzen gewonnen hatte, rechneten alle mit einem schnellen Sieg in der dritten Runde gegen den damals völlig unbekannten Becker.

Benjamin Becker: „Ich habe mich gefreut und war traurig zugleich”

Doch es kam anders. Der Deutsche, damals die Nummer 112 der Welt, spielte eines seiner besten Matches und besiegte Agassi in vier Sätzen. „Es war auch für mich ein schwerer, ein emotionaler Moment. Ich habe mich gefreut und war traurig zugleich“, sagte Becker.

Agassi gewann in seiner Karriere alle Grand Slam-Turniere, dazu den Davis Cup und Einzelgold bei Olympia. Außerdem führte er die Weltrangliste 101 Wochen lang an. Wegen seines Charismas gilt Agassi als einer der einflussreichsten Spieler im Tennis.

Die Heirat mit Steffi Graf steigerte die Popularität von Agassi noch einmal weiter. Nach dem Sieg von Becker und dem damit verbundenen Karriereende von Agassi wurde der US-Amerikaner auf dem Platz minutenlang gefeiert. Anschließend hielt er eine emotionale Abschiedsrede.

Andre Agassi: „Ich habe Inspiration gefunden”

„Die Anzeigentafel sagt, dass ich heute verloren habe, aber was die Anzeigentafel nicht sagt, ist das, was ich gefunden habe. In den letzten 21 Jahren habe ich Loyalität gefunden. Ich habe Inspiration gefunden. Ihr habt mir den Willen gegeben, um manchmal in meinen schwächsten Momenten Erfolg zu haben. Und ich habe Großzügigkeit gefunden. Ihr habt mir eure Schultern gegeben, um darauf zu stehen, um nach meinen Träumen zu greifen. Träume, die ich nie ohne euch verwirklicht hätte. In den letzten 21 Jahren habe ich euch gefunden. Ich werde euch und die Erinnerung an euch für den Rest meines Lebens behalten. Vielen Dank“, sagte Agassi nach seinem letzten Match.

Andy Roddick: „Man will nicht der Kerl sein, der Bambi erschießt”

„Ich habe Agassi immer nachgeeifert. Als ich dann derjenige war, der seine Karriere beendet hat, habe ich mich schlecht gefühlt. Es hat mich geplagt. Ich dachte, ich sei es nicht wert, ausgerechnet Agassi, der so viel für diesen Sport getan hat, als Letzter zu schlagen. Mir wäre es lieber gewesen, wenn ihn Andy Roddick, der damals in der nächsten Runde auf mich wartete, rausgeschmissen hätte“, sagte Becker rückblickend.

Roddick, der im Falle eines Sieges von Agassi im Achtelfinale gegen ihn gespielt hätte, sagte mit etwas Erleichterung, dass er nicht die Karriere von Agassi beenden musste. „Man will nicht der Kerl sein, der Bambi erschießt.“