Felix Auger-Aliassime hat einen neuen Trainer: Ivan Ljubicic, der Roger Federer zu drei weiteren Grand-Slam-Titeln verhalf, übernimmt den Weltranglistenfünften.

Noch am Mittwoch bei den China Open in Peking ergeht es Felix Auger-Aliassime wie so oft in den letzten Monaten: Er verliert ein Match viel zu deutlich gegen einen Gegner, dem er – geht es nach seinen eigenen Ansprüchen – mindestens auf Augenhöhe begegnen müsste. 3:6, 3:6 gegen Karen Khachanov, die Nummer 27 der Welt, heißt es nach 71 Minuten. Das Match beendet der Russe, indem er Auger-Aliassime bei dessen letztem Aufschlagspiel vier Punkte in Folge abnimmt. Es ist die zweite Niederlage gegen Khachanov innerhalb von vier Wochen – schon bei den US Open war in Runde zwei gegen ihn Schluss.

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Einen Tag später ist eine Personalie öffentlich, über die seit Juli spekuliert wurde. Auf Instagram postet Auger-Aliassime ein Foto: er selbst im ärmellosen Shirt, daneben ein Mann in weißem Polo mit Glatze, im Hintergrund Sandplätze. Es ist Ivan Ljubicic, Ex-Coach von Roger Federer. Dazu ein Satz: „Freue mich darauf ein neues Kapitel mit Ivan zu beginnen!“ Und weiter: „Let’s get to work“. Arbeit gibt es in der Tat genug.

Ljubicic: Spätstarter mit Weltklasse-Bilanz

Wer heute nur den Trainer Ljubicic kennt – und das tun ja die meisten – , unterschätzt leicht den Spieler. Der Kroate, inzwischen 47 Jahre alt, kletterte im Mai 2006 bis auf Platz drei der Weltrangliste und gewann zehn ATP-Titel. Sein bestes Grand-Slam-Ergebnis war das Halbfinale in Roland Garros 2006.

Große Momente erlebte er in Teamwettbewerben. 2004 holte er mit Mario Ancic olympische Bronze in der Doppel-Konkurrenz von Athen. Ein Jahr später gewann er elf von zwölf Davis Cup-Matches (Einzel und Doppel) und führte Kroatien zum Titel – im Finale gegen die Slowakei.

Die Krönung als Einzelspieler kam spät. Im März 2010, zwei Tage nach seinem 31. Geburtstag, gewann er das Masters-1.000er-Turnier von Indian Wells. Auf dem Weg dorthin schlug er Novak Djokovic und Rafael Nadal, im Finale Andy Roddick mit 7:6, 7:6. Er war damit der älteste Erstsieger eines Turniers dieser Kategorie. Im April 2012 beendete er seine Karriere in Monte-Carlo.

Ljubicic bleibt Berater des FFT-Präsidenten

Für Ljubicic ist Felix Auger-Aliassime nicht der erste Kanadier, mit dem er nun als Coach zusammenarbeitet. Seine Trainerlaufbahn begann 2013 mit Milos Raonic. Ende 2015 wechselte er dann in das Team von Roger Federer – und blieb bis zu dessen Karriereende 2022. Die beiden arbeiteten erfolgreich zusammen. Mit Ljubicic an seiner Seite gewann Federer drei weitere Grand-Slam-Titel (Australian Open 2017 und 2018, Wimbledon 2017) und kehrte 2018 an die Spitze der Weltrangliste zurück.

Bleibt die Frage, was aus seinem Job in Paris wird? Seit Ende 2022 leitete Ljubicic beim französischen Verband FFT den Hochleistungsbereich. Ende August 2026 baute der FFT um: Gilles Simon wurde neuer Direktor der „Haute Performance“, Ljubicic rückte auf den Posten eines Sonderberaters von Präsident Gilles Moretton.

Sein neues Aufgabenfeld: internationale Fragen, die Beziehungen zu den Profis auf der Tour, etwa im neuen Grand Slam Player Council, und der französische Spitzensport. Die tägliche Betreuung der Nachwuchshoffnungen gehört nicht mehr dazu. Genau das schafft wohl den Freiraum für das Engagement bei Auger-Aliassime. Laut der Londoner „Times“, die die Personalie zuerst meldete, soll Ljubicic seine Rolle bei der FFT behalten.

Kurios: Zehn Tage vor der Pleite in Peking führte Auger-Aliassime Kanada in Québec zum 3:1 gegen Frankreich. Er gewann beide Einzel, gegen Quentin Halys und Arthur Rinderknech – und schickte Kanada damit zu den Davis Cup-Finals in Bologna (24. bis 29. November). Der Mann, der die Franzosen rauswarf, hat nun den Berater des französischen Verbandschefs als Coach. So kann sich das Trainerkarussell eben manchmal drehen.

Auger-Aliassime: starke Schwankungen 2026

Von Ljubicic erhofft sich „FAA“ vor allem mehr Konstanz. Denn seine Saison war wechselhaft. Nach dem Fehlstart in Melbourne, wo er schon in Runde eins an Nuno Borges scheiterte, verteidigte der Kanadier im Februar seinen Titel in Montpellier (Finale 6:3, 7:6 gegen Adrian Mannarino). Eine Woche später stand er im Finale von Rotterdam, das er 3:6, 2:6 gegen Alex de Minaur verlor. Danach folgte noch das Halbfinale in Dubai.

Es sollte sein letztes Halbfinale für lange Zeit bleiben. Bei den French Open kam er ins Viertelfinale und verlor gegen Flavio Cobolli. Für seinen damaligen Coach Frédéric Fontang war das rückblickend der Wendepunkt: Die Niederlage sei für Auger-Aliassime eine riesige Enttäuschung gewesen, sagte er der L’Équipe. Am 8. Juni erreichte der Kanadier mit Platz 4 zwar das höchste Ranking seiner Karriere, aber nach dem Aus im Wimbledon-Viertelfinale gegen Novak Djokovic beendete er die Zusammenarbeit mit Fontang nach fast zehn Jahren. Fontang betreut inzwischen Jiri Lehecka.

Ohne festen Coach ging es zunächst bergab. Bei den US Open, wo er 2025 noch im Halbfinale gestanden hatte, verlor der an Nummer drei Gesetzte in Runde zwei – wie schon erwähnt – gegen Khachanov 7:6, 3:6, 2:6, 2:6. Danach erklärte er, ihm sei während des Matches schwindelig gewesen, er vermutete einen Hitzschlag.

Im Ranking steht er noch auf Platz 5. Das ist aber vor allem ein Polster aus dem Vorjahr. Im Race, der Jahreswertung für die ATP-Finals in Turin, ist er nur auf Platz 15 mit 2.365 Punkten. 655 Punkte Rückstand hat er auf den achten Race-Platz. Im Oktober und November 2025 hatte er allein rund 1.600 Punkte gesammelt, unter anderem mit dem Finale beim Masters in Paris und dem Halbfinale bei den ATP-Finals. Diese Punkte muss er nun verteidigen. Indoor-Hardcourts sind sein Lieblings-Setting. Dort holte er schon in den letzten Jahren regelmäßig seine Punkte.

Auger-Aliassime: nächster Schritt mit Ljubicic

Ljubicic soll nun das schaffen, woran es zuletzt haperte: aus einem Top-Spieler einen echten Grand Slam-Anwärter machen. Viel Zeit zum Eingewöhnen bleibt nicht. Wenn es Auger-Aliassime noch zu den ATP-Finals nach Turin schaffen will, muss er in den kommenden Wochen fast jede Woche ordentlich punkten.

Ljubicic hat schon einmal einen Spieler übernommen, dem viele den ganz großen Wurf nicht mehr zutrauten. Federer gewann danach drei Grand Slam-Titel. Auger-Aliassime würde schon einer reichen.