Emma Raducanu musste ihre Wimbledon-Teilnahme verletzungsbedingt zurückziehen – und das nach einer erfolgreichen Generalprobe im Londoner Queens-Club. Ihre Saison gleicht bisher einer Achterbahnfahrt. Vor ihrem Wimbledon-Aus sprach sie mit dem Magazin Grazia über das Thema Resilienz und die Herausforderung, auf der „öffentlichen Bühne“ zu lernen.
Die Vorbereitungen auf ihren Heim-Grand Slam verliefen für Raducanu stockend. Zwischen den HSBC Championships und Wimbledon spielte sie keine weiteren Turniere. Bereits während der Trainingswoche im All England Lawn Tennis Club berichteten britische Medien wie BBC und The Guardian vermehrt über ausgefallene und verkürzte Trainingseinheiten. Weniger als 24 Stunden vor dem Erstrunden-Match teilt die Britin dann ihre Absage via Instagram-Story mit. „Ich kann nicht glauben, dass ich das sage“, schreibt die 23-Jahrige und erklärt, dass sie auf Grund einer Stressfraktur im rechten Unterschenkel nicht am Wettbewerb teilnehmen kann.
Raducanu: „Wimbledon bedeutet mir alles“
In ihrer Heimat zu spielen, sei für Raducanu etwas ganz besonderes. Sie wurde in Kanada geboren und zog im Alter von etwa zwei Jahren nach London.
Auf Instagram teilt sie: „In Wimbledon vor heimischem Publikum zu spielen, bedeutet mir alles.“ Sie habe „alles mögliche versucht“, bei ihrem Erstrunden-Match gegen die Kroatin Antonia Ružić anzutreten. Raducanu schreibt jedoch: „Mir wurde medizinisch geraten, nicht weiterzumachen.“
Die Unterstützung der „Home Crowd“ hatte die britische Profispielerin zuletzt in Queens erfahren. Im Finale verlor die
23-Jährige in einem schwachen ersten und einem starken zweiten Satz gegen Donna Vekic. Die konstant guten Leistungen in dieser Woche und die Zweitplatzierung im Finale bei den HSBC Championships waren ein großer Erfolg für Raducanu, die in den letzten Jahren immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte. Über zwei Monate fiel sie zudem im Frühjahr durch ein Erschöpfungssyndrom aus. Dadurch fiel es ihr schwer, ein Momentum in der Turnier-Saison aufzubauen.
Herausforderungen auf „öffentlicher Bühne“ erleben
Emma Raducanu gab dem britischen Lifestyle-Magazin Grazia bereits vor Turnierstart in Wimbledon ein Interview, in welchem sie über das Thema Resilienz und die Herausforderung gesprochen hatte, auf einer „öffentlichen Bühne“ zu lernen. Nach ihrer unverhofften Absage in London gewinnen ihre Aussagen umso mehr an Relevanz.
Seitdem sie als Teenagerin (damals 18 Jahre alt) ihren ersten Grand Slam-Sieg bei den US Open 2021 feierte, sind viele Augen auf die mittlerweile 23-Jährige gerichtet. Die Erwartungen, an diesen Erfolg anzuknüpfen, sind hoch. Britische und internationale Medien sowie Tennis-Fans weltweit hatten das Auf und Ab der Britin vor dem Wimbledon-Auftakt verfolgt.
Über die Tatsache, in einem jungen Alter unter Beobachtung zu stehen, sagte Raducanu: „Jeder Fehler und jede Entscheidung wurde genau unter die Lupe genommen, sodass man zwar daraus lernt, aber auf einer öffentlichen Bühne.“ Es sei ihr früher zum Teil schwer gefallen, auf ihre Instinkte zu hören: „Die Leute sagten mir, es sei eine gute Idee, und es fiel mir schwer, mich aus solchen Situationen zurückzuziehen, auch wenn ich wusste, dass es falsch war“, erzählte die 23-Jährige.
Die US Open-Siegerin von 2021 reflektierte: „Ich wünschte, ich hätte mehr auf meine Instinkte vertraut.“ In den letzten Jahren jedoch, sei es ihr leichter gefallen, offen und ehrlich zu sein.
Raducanu: „Wenn es nicht gut läuft, gebe ich mir eine neue Chance“
Mittlerweile sei sie stolz auf die Menschen, die sie umgeben. Raducanu arbeitet wieder mit Trainer Andrew Richardson zusammen. Der ehemalige britische Tennisprofi verhalf der damals 18-jährigen Raducanu zum US Open-Titel. Ihr Team um sie zu haben, helfe ihr. Sie sagte: „Es hilft mir dabei, viele schwierige Zeiten zu überstehen.“
Grazia schrieb, dass Raducanus Resilienz trotz aller bisherigen Hindernisse „stärker denn je“ sei. Dem britische Magazin gegenüber sagte Raducanu: „Ich achte sehr darauf, wie ich mich auf und neben dem Platz verhalte, trotz Widrigkeiten oder Kritik.“ Sie ergänzte: „Ich möchte mich so präsentieren, dass ich stolz auf mich sein kann und dass die Zuschauer sehen, dass ich auch dann, wenn es nicht gut läuft, wieder da rausgehen und mir eine neue Chance geben kann.“
Diese Resilienz scheint für Raducanu nach ihrem Wimbledon-Aus umso wichtiger zu sein. Sie selbst schrieb auf Instagram: „Ich freue mich darauf, euch zu sehen, wenn ich zurück bin.“ Ihr nächste Chance: die Hartplatzsaison im Vorfeld der US Open.
