Novak Djokovic wünscht sich, dass Tennismatches im Zeitrahmen von zwei Stunden stattfinden. Dafür soll sich das traditionelle Satzformat ändern.
Es ist eine Frage, die seit Jahren diskutiert wird. Braucht es umfassende Regeländerungen, damit der Tennissport zeitgemäß bleibt? Das Credo einiger bekannter Tennispersönlichkeiten wie Patrick Mouratoglou (ehemaliger Trainer von Serena Williams) ist, dass Tennis sich dem Zeitgeist anpassen müsse.
Ist Tennis noch zeitgemäß?
„Für die ältere Generation, mich eingeschlossen, ist Tennis perfekt. Wir haben Tennis immer so geschaut, wie es auch derzeit noch ist. Wir lieben es. Für uns gibt es kein Problem mit Tennis. Für die jüngere Generation hat sich Tennis nicht angepasst. Meine Sorge ist, dass Tennis es nicht schafft, jüngere Fans zu begeistern, wenn man sieht, wie junge Leute heutzutage konsumieren“, sagte Mouratoglou einst gegenüber tennis MAGAZIN.
Seine Sorge ist, dass Tennis durch seine zeitliche Unplanbarkeit und seine langen Matches auf Dauer unattraktiv werden könne für ein jüngeres Publikum. Novak Djokovic, der erfolgreichste Spieler der Tennisgeschichte, schlägt nun in dieselbe Kerbe und fordert eine Regel-Revolution im Tennis.
Auf dem Fanatics Fest in New York City im Rahmen des Finals der Fußball-Weltmeiserschaft wurde Djokovic von Nick Coutracos, einem Basketball-Podcaster, danach gefragt, was er am Tennis ändern würde, auch wenn das zu viel Gegenwind führen würde. Zwei Wochen später gehen die Aussagen von Djokovic im Internet viral.
Djokovic: „Wir sollten das Zählformat ändern”
„Wir sollten das Zählformat ändern. Nicht bis zu sechs Spiele pro Satz spielen, sondern maximal vier, möglicherweise ohne Vorteilsregelung. Das Best-of-five-System sollte beibehalten werden. Die Spiele sollten innerhalb eines Zeitrahmens von zwei Stunden stattfinden. Das ist für alle das Beste“, sagte Djokovic.
Der Vorschlag von Djokovic ist nicht wirklich neu. Mit diesem Zählformat wird seit 2017 bei den NextGen Finals, dem Turnier der besten U21-Spieler, gespielt. Mouratoglou pflichtet Djokovic bei. Mit seiner Tour Ultimate Tennis Showdown (UTS) hat der Franzose ein Format geschaffen, das jüngere Fans ansprechen soll und ein Mix aus Sport und Unterhaltung bietet.
Patrick Mouratoglou: „Ich glaube, wir können noch viel weiter gehen”
„Novak hat recht. Meiner Ansicht nach ist eine Umgestaltung des wirtschaftlichen und sportlichen Modells des Tennissports unvermeidlich. Mit der UTS-Tour war es mein Ziel, mit einem neuen, immersiven Tennisformat zu experimentieren, das auf moderne Konsumgewohnheiten zugeschnitten ist und darauf abzielt, ein jüngeres Publikum anzusprechen und zu begeistern. Wir stehen nun an einem wichtigen Wendepunkt für unseren Sport. Ich glaube, wir können noch viel weiter gehen. Die vielen Formatinnovationen, die im Laufe der Jahre vorgeschlagen wurden, zeigen, dass es noch viel Spielraum gibt, die Art und Weise, wie Tennis gespielt und konsumiert wird, zu überdenken und zu verbessern“, schrieb Mouratoglou in den sozialen Medien.
Ob Djokovic, auch wenn er einer der einflussreichsten Stimmen im Tennissport ist, mit seiner Regel-Revolution Gehör findet, ist derzeit unrealistisch. Tennis boomt weltweit. Der Zuspruch bei den Grand-Slam-Turnieren mit der Best-of-five-Regelung im Herrentennis ist weiterhin gewaltig. Außerdem stellt sich die Frage, ob Djokovic mit seiner vorgeschlagenen Regeländerung in seiner Karriere 24 Grand-Slam-Turniere gewonnen hätte? Vermutlich nicht, denn Djokovic ist einer der Spieler, der wegen seiner Spielweise und Ausdauer von der traditionellen Zählweise im Tennis profitiert hat.
