In der dritten Runde in Beijing kam es im Match zwischen Coco Gauff und der 16-Jährigen Xinran Sun zu einer Kontroverse. Die Folge: Gauff erhielt viele rassistische Kommentare in den Sozialen Netzwerken und meldete sich daraufhin zu Wort.

Bei den China Open in Beijing schied Coco Gauff, die Nummer vier der Welt, im Achtelfinale gegen Elise Mertens aus. In der Runde zuvor, die sie gegen die erst 16-Jährige Chinesin Xinran Sun 7:5 und 6:1 gewann, kam es zur Kontroverse. Sie ereignete sich beim Punktestand von 4:5 (15:15) im ersten Satz. Gauff schlug auf und hob kurz vor Ende des Ballwechsels die Hand, um den Punkt zu challengen: die flackernde LED-Bande habe sie gestört. Nach einer Videoüberprüfung der Schiedsrichterin wurde der Punkt wiederholt. Diese Szene sorgte im Netz für viel Aufmerksamkeit.

Die junge Chinesin, die für das 1000er-Turnier eine Wildcard erhalten hatte, war kurz davor, sich den Punkt mit einem Winner zu sichern. Somit hätte es 15:30 gestanden. Der Vorwurf an Gauff: Sie habe den Punkt weitergespielt und hätte direkt bei der Ablenkung durch die wechselnden Werbeanzeigen und die Beleuchtung die Hand heben müssen und nicht kurz bevor Sun den Winner schlug.

Außerdem wird der zweifachen Grand Slam-Siegerin vorgeworfen, die 16-Jährige somit aus der Balance gebracht zu haben. Gauff sicherte sich anschließend den ersten Satz und die Teenagerin zeigte sich beim Seitenwechsel sichtlich emotional. Den zweiten Satz gewann Gauff dann deutlich mit 6:1. Durch den Hindrance-Call habe sich das Momentum des Matches geändert, wird Gauff im Netz vorgeworfen. Doch dabei bleibt es nicht: die zweifache Grand Slam-Siegerin erhält auf den Sozialen Medien eine Vielzahl rassistischer Kommentare.

Gauff: „Man kann mich nicht mögen, ohne rassistisch zu werden“

„Man kann mich nicht mögen oder anderer Meinung darüber sein, was passiert ist, ohne dabei rassistisch zu sein. Die Menge an Kommentaren/ Nachrichten, die ich in den letzten paar Stunden erhalten habe, ist verrückt. Und zu guter Letzt: Ich bin weder ein Betrüger noch ein Dieb“, schrieb Gauff auf X nach dem Match.

Zu dem Vorwurf, sie habe die Hand in dem Moment gehoben, als ihre Gegnerin den Punkt gewonnen hätte, schrieb die 22-Jährige: „Ich habe es zu Beginn des Ballwechsels flackern sehen, war mir aber nicht sicher, ob ich das tatsächlich gesehen habe.“ Und weiter: „Als es erneut flackerte, hob ich die Hand, noch bevor sie ihren Schlag ausführte, denn da war ich mir sicher, dass ich das Licht flackern sah und es sich nicht um eine Einbildung handelte.“ Gauff machte zudem auf das Regelwerk aufmerksam: „Nach dem Punkt, kann der Punkt angefochten werden.“ Ihre Gegnerin habe dabei die selben Rechte, betonte die Weltranglistenvierte.

In der gleichen Situation befand sich kurz zuvor Alexander Zverev im Match gegen Novak Djokovic. Zverev sei ebenfalls von dem flackern der Werbeanzeige irritiert worden und ließ den verlorenen Punkt im Anschluss überprüfen. Auch in diesem Fall entscheid der Schiedsrichter, den Punkt zu wiederholen. Djokovic zeigte sich frustriert. Der Serbe nannte die Entscheidung „eine der dämlichsten Regeländerungen.“

Auch Zverev wurde, ebenso wie Gauff, im Netz für „unfaires Verhalten“ kritisiert. Dazu schrieb Gauff: „Ich finde es seltsam, dass ich Kritik bekomme, weil ich mich an die Regeln halte.“ Sie nannte den Vorfall eine „unglückliche Situation.“

Gauff über Xinran Sun: „Sie ist ein unglaubliches Talent“

Über das chinesische Nachwuchstalent schrieb Gauff abschließend: „Xinran ist ein unglaubliches Talent. Ich habe mich am Ende des Spiels für die Situation entschuldigt und sie hatte vollstes Verständnis dafür.“

„Es hat mir nicht gefallen, sie so emotional zu sehen, da ich das selbst schon erlebt habe und wirklich verstehe, wie sich das anfühlt, aber das ist erst der Anfang einer unglaublichen Karriere. Es war mir eine Ehre, vor ihrem Heimpublikum mit ihr auf dem Platz zu stehen“, führte Gauff fort, die ihr erstes Match im Hauptfeld der WTA-Tour im Alter von nur 15 Jahren bestritt.

Wer ist Xinran Sun?

Die junge Chinesin sorgte in den vergangen Wochen für Schlagzeilen. Die 16-Jährige zeigte zuletzt herausragende Leistungen auf der Junioren-Tour. Im Juni 2026 spielte sie sich an die Spitze der ITF-Juniorinnen-Weltrangliste.

Bei den diesjährigen US Open feierte die Teenagerin ihren bisher größten Erfolg: Im Finale setzte sie sich gegen Anna Pushkareva durch und gewann den Juniorinnen-Einzeltitel. Im Finale der Juniorinnen, stand sie sowohl in Wimbledon, als auch bei den French Open.

Beim WTA-1000 in Beijing spielte die 16-Jährige ihr erstes Match auf der WTA-Bühne. Für ihr Heimturnier erhielt sie eine Wildcard. Die Chinesin setzte sich in den vorherigen Runden gegen die Spanierin Cristina Bucsa (aktuell Rang 35) und gegen Eva Lys (aktuell Rang 102) durch.

Lys, die in der laufenden Saison kein richtiges Momentum finden konnte und dadurch kürzlich aus der Top 100 fiel, erhielt in den vergangen Monaten ebenfalls eine Vielzahl an negativen Kommentaren in den Sozialen Netzwerken.

Gegnerin verteidigt Lys: „Spieler verdienen Respekt, unabhängig vom Ergebnis“

Nach einem deutlich verlorenen Erstrundenmatch bei den Korea Open in Seoul verteidigte ihre Gegnerin Elena-Gabriela Ruse die Hamburgerin und postete ein Statement via Instagram-Story. „Es hat mich traurig gemacht, so viele negative Kommentare unter meinem Post über eine meiner besten Freundinnen auf der Tour zu lesen“, begann Ruse.

Die Rumänin schrieb weiter: „Bevor man einen Profisportler hinter einem Bildschirm beurteilt, sollte man daran denken, dass man das Ergebnis aus vielen, vielen Jahren voller Entbehrungen, Disziplin, Verletzungen, Druck, Niederlagen, Einsamkeit und unzähliger Arbeitsstunden sieht, die niemand mitbekommt.“ Sie ergänzte: „Ein professioneller Tennisspieler zu werden, ist keine Frage des Glücks. Dazu braucht es unglaublich viel Talent, aber noch mehr Engagement und den Mut, weiterzumachen, auch wenn es mal nicht so läuft, wie man es sich vorstellt.“ Die 28-Jährige, die aktuell auf Rang 62 gerankt ist, stellte klar, dass Spieler Respekt verdienen würden, unabhängig vom Ergebnis.

Ob im Fall von Gauff oder Lys – Ruse hatte ihr Statement mit einer wichtigen Botschaft abgeschlossen: „Man muss nicht jeden Spieler mögen. Man muss nicht mit jedem Ergebnis einverstanden sein. Aber man kann sich dafür entscheiden, respektvoll zu sein.“

Text: Anna Sophia Antic. Sie studiert Journalismus an der IU-Akademie.