Mit ihrem Sieg beim Masters in Cincinnati gehört Coco Gauff zum engsten Favoritenkreis auf den Titel bei den US Open. Nach dem Sieg in Ohio sprach Gauff über ihre Entwicklung, ihr Mindset und den Umgang mit Kritik.

Coco Gauff konnte zum zweiten Mal in Cincinnati triumphieren. 2023 gewann sie das 1000-Turnier schon einmal. Ihre Finalgegnerin Jessica Pegula hob Gauffs Leistung hervor: „Ich glaube nicht einmal, dass ich schlecht gespielt habe, ich glaube einfach, dass du auf einem wirklich sehr hohen Niveau gespielt hast – ein gutes Momentum vor den US Open.“ Auch, wenn Gauff und Pegula im Finale als Gegnerinnen auf dem Platz stehen, machte Gauff deutlich: „Ich mag es nicht, dich auf der andere Seite des Platzes zu sehen. Aber ich spiele gerne mit dir.“ Gelegentlich stehen die beiden Amerikanerinnen als Doppel gemeinsam auf dem Platz.

Zudem hoben sowohl Pegula als auch Gauff im „All American-Final“ die Fans hervor. Auch Gauff richtete sich in ihrer Siegesrede emotional an die Zuschauer: „Es gab sie viele herzliche Geschichten, Worte und Geschenke von euch. Ich habe diese Woche tatsächlich zwei Mal geweint, einfach wegen all der Unterstützung, die ich bekommen habe.“ Und weiter: „Die Geschichten, die mir Leute erzählt haben, dass mein Tennis, egal ob Sieg oder Niederlage, ihnen Freude bereitet, machen mich so glücklich, hier draußen zu sein und jeden Moment zu kämpfen.

Zudem sprach Gauff über ihre Fortschritte in den vergangenen Monaten. „Letztes Jahr stand ich buchstäblich auf dem Parkplatz und habe geweint – es macht schon einen riesigen Unterschied, was ein Jahr ausmachen kann“, erzählte Gauff. Im letzten Jahr musste sie sich bereits im Achtelfinale geschlagen geben.

Im letzten Jahr war sie mit ihrem Spiel noch unzufrieden

„Im letzten Jahr war ich mit meinem Spiel unzufrieden. Ich hatte das Gefühl, dass ich nachließ und das ist etwas, was kein Spieler gerne empfindet. Man möchte immer das Gefühl haben, dass man besser wird“, erklärte Gauff in der anschließenden Pressekonferenz und hob ihr „Trainer-Duo“ hervor. Gauff wird von Jean-Christophe Faurel und dem Biomechanik-Experten Gavin MacMillan trainiert.

„Die letzten US Open konnte ich nicht genießen“, sagte Gauff in einem kürzlich erschienen Vogue-Interview und hatte das Turnier als „sehr stressig“ bezeichnet. Sie sei dabei gewesen, ihre Aufschlagtechnik während des Turniers umzustellen. In diesem Jahr fühle sie sich wohler mit ihrem Spiel. „Deshalb hoffe ich, dass ich dieses Mal mehr Spaß haben kann“, sagte die US Open-Siegerin von 2023 gegenüber der Modezeitschrift.

In Cincinnati sagte Gauff, dass zwischen der Spielerin, die sie im letzten Jahr gewesen sei und der Spielerin, die sie heute ist, ein Unterschied läge „wie Tag und Nacht“.

Die Generalprobe für die US Open verlief für Gauff in jedem Fall erfolgreich. Zuvor spielte sie sich bei den Toronto-Open ins Halbfinale. Für Gauff selbst sei das gute Momentum jedoch keine Erfolgsgarantie für New York. Hilfreich seien die gesammelten Erfahrungen dennoch: „Das Wissen, dass ich dieses großartige Tennis spielen kann, das ich diese Woche gespielt habe“ und weiter: „Das Wissen, dass ich Lösungen in den Matches finden kann, wenn ich nicht mein bestes Tennis spiele.“

Neues Mindset: „Ich verdiene alles, was ich bisher erreicht habe“

Zudem berichtete Gauff im Vorfeld der US Open, dass sie sich nicht nur technisch, sondern auch mental verbessert habe. Ihre Trainer hätten sie an die Spielerin erinnert, die sie sei. „Ich glaube, das habe ich vielleicht ein bisschen aus den Augen verloren, weil ich mich manchmal von den Stimmen einiger Leute habe beeinflussen lassen, die beispielsweise sagten, ich hätte nur Glück gehabt, bestimmte Titel zu gewinnen“, erzählte die 22-Jährige und fügte hinzu: „Aber jetzt bin ich der Überzeugung, dass ich alles, was ich bisher erreicht habe, verdient habe und wirklich hart dafür gearbeitet habe.“

Ihre harte Arbeit zeige sich nun in den Ergebnissen: „Im Laufe der letzten Turniere (nach den French Open) habe ich das Gefühl, dass ich das Tennis spiele, was ich spielen wollte.“

Zum Thema Kritik sagte Gauff : „Es ist schön, bei bestimmten Dingen Recht zu haben, aber es gibt natürlich auch berechtigte Kritik.“ So gebe es Kritik, bei der sie sich denke „Weißt du was, da hast du Recht“ und andere, bei der das Gegenteil der Fall sei. Bei einem Kommentar wie „Sie hat die US Open nur gewonnen, weil sie Glück hatte“, wäre ihre Einstellung mittlerweile: „Wenn du mich kritisieren willst, kannst du das gerne tun, du kannst es gerne besser machen – ich würde mir das gerne ansehen und beobachten, ob du es schaffst.“

Für die Cincinnati-Siegerin gilt: „Das Wichtigste, was ich gelernt habe ist: mich auf mich selbst zu konzentrieren und weiter besser zu werden. Harte Arbeit lügt nicht und die Ergebnisse werden kommen. Genau das habe ich gelernt: auf den Prozess zu vertrauen.“ Mit dieser Einstellung geht es für die zweifache Grand Slam-Siegerin weiter nach New York. 2023 konnte Gauff sowohl Cincinnati als auch die US Open gewinnen. Ob sie diesen Triumph wiederholen kann, wird sich im Big Apple zeigen.

Text: Anna Sophia Antic. Sie studiert Journalismus an der IU-Akademie.