Im Inside-In Podcast spricht Patricia Tarabini, Coach von Anna Kalinskaya, darüber, Tennis als Lifestyle zu sehen und über das Training und die Entwicklung von Kalinskaya.

Patricia Tarabini ist seit mittlerweile sieben Jahren Coach von Anna Kalinskaya, die aktuell auf Rang 22 des WTA-Rankings steht. Tarabini sprach im Inside-In Podcast mit Host Mitch Michals über ihre eigene Profikarriere, eine etwas andere Sichtweise auf Tennis und darüber, Kalinskaya „die Liebe zum Tennis“ beizubringen.

Tarabini, die selbst in der Vergangenheit Profi auf der WTA-Tour war, profitiert als Coach von ihren eigenen Erfahrungen als Spielerin.

Tarabini: Tennis als Lifestyle

„Als ich jung war, wollte ich einfach nur Tennis spielen und verschiedene Städte bereisen. Ich war in Buenos Aires, habe anschließend in Uruguay, Kolumbien, Paraguay und all diesen Ländern sowie in Venezuela gespielt – so fängt man an, die Welt zu bereisen. Das war für mich im Grunde genommen der interessanteste Grund, warum ich Tennis spielte“, erzählte Tarabini. Und weiter: „Ich habe überhaupt nicht daran gedacht, Profi zu werden. Mein Traum war es vielmehr, verschiedene Kulturen kennenzulernen und unterschiedliche Menschen zu treffen. Das war der wirklich interessante Teil am Tennis – nicht der Profi-Aspekt oder das Geld, ganz und gar nicht“, sagte die Argentinierin.

„Ich habe Tennis nie sehr professionell betrachtet. Für mich war es eher ein Lebensstil. Es ist sehr gesund“, erzählte die Trainerin von Kalinskaya.

Die Freundschaft mit Steffi Graf

Außerdem sagte sie: „Ich bin ein sehr sozialer Mensch und schätze besonders, was mir Tennis in dieser Hinsicht bietet. Wie haben einen guten Lifestyle.“

Apropos sozial: Podcast-Host Michals sprach auch die Freundschaft zu einer deutschen Tennis-Legende an: „Ich habe gesehen, dass Sie sogar mit Steffi Graf befreundet sind, obwohl sie nicht gerade dafür bekannt ist, Freundschaften zu schließen.“ „Ich habe mich sehr gut mit Steffi verstanden“, bestätigte Tarabini.

Reisen als Tennisprofi

Graf stand insgesamt 377 Wochen an der Spitze der Weltrangliste. Für Tarabini sei das nie das Ziel gewesen: „Es war nie mein Traum, die Beste der Besten zu werden. Ich habe das Ganze anders gesehen. Hätte ich die Sache professioneller angegangen, wäre ich in der Rangliste vielleicht weiter gekommen.“ Im Einzel war ihre höchste Platzierung Rang 29, im Doppel Rang 12. 1996 siegte sie bei den French Open im Mixed-Wettbewerb. Bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen gewann sie die Bronzemedaille im Damendoppel.

Die wahren Erfolge seien für die Argentinierin das Kennenlernen von neuen Kulturen gewesen: „In Rom muss man den Cappuccino und die Pasta probieren, in Frankreich ein Croissant, in England Muffins und Tee.“

Der Inside-In Podcast-Host merkte an, dass es einige Spieler gebe, die durch den Sport so viel Druck erfahren würden, dass sie Tennis nach Karriereende den Rücken zukehren würden. Tarabini betonte darauf hin, dass es ihr deshalb wichtig sei, Kalinskaya den Spaß am Tennis und dessen Lifestyle zu vermitteln: „Ich hoffe, dass ich Anna viel weitergeben kann“, sagte sie.

Das Training mit Anna Kalinskaya: „Ich bin ein besserer Coach geworden.“

Voraussetzung für ein funktionierendes Coaching sei für Tarabini den Spieler zu verstehen. Diesbezüglich sagte sie: „Ich muss sie verstehen (…). Damit sie mich versteht, muss ich sie zuerst verstehen. Es hat also ein paar Jahre gedauert, bis ich sie verstanden habe, aber sie bringt mir sehr viel bei. Dank dem, was sie mir beibringt, bin ich heute ein besserer Coach, als vor sieben Jahren.“

Nach Karriereende als Trainerin zu arbeiten, sei nicht der ursprüngliche Plan der Argentinierin gewesen. Bevor sie begann mit Kalinskaya zu arbeiten, trainierte sie zeitweise die Wimbledon-Siegerin von 1994, Conchita Martínez, die mittlerweile selbst als Coach auf der Tour dabei ist. Die Spanierin trainiert aktuell die Weltranglistenfünfte Mirra Andreeva.

Tarabini coachte anschließend in San Diego. „Danach ergab sich die Gelegenheit mit Anna. Ich sah etwas Besonderes in ihr, also sagte ich: ‘Okay, Ich gehe zurück auf die Tour.’“

Tarabini: „Ich sehe erst den Menschen, dann den Spieler“

„Sie hat insgesamt einen langen Weg zurückgelegt (…) und jetzt wird sie immer besser“, sagte Tarabini über Kalinskaya und ergänzte: „Es hat ein bisschen länger gedauert, bis sie die Tenniswelt verstanden hat. Sie entwickelt sich zu einer guten, starken und glücklichen Person.“

Tarabini priorisiere ein gutes Verhältnis zwischen Coach und Spieler. Im Podcast erzählte sie: „Mir ist es wichtig, dass ich mit ihr reden kann, dass wir einen Kaffee trinken können, dass wir zusammen zu Abend essen und uns unterhalten können. Es geht nicht nur um Tennis. Sie ist eine sehr nette Person. Für mich steht der Mensch im Vordergrund und erst danach kommt Anna als Spielerin.“

Auch in Momenten der Auseinandersetzung sei es für Tarabini wichtig, den Spieler zu verstehen. Sie betonte: „Meinungsverschiedenheiten – ich würde nicht von Auseinandersetzungen sprechen, denn sie ist eine sehr ruhige, sehr kluge Person. Sie streitet nicht gern und das bringt sie mir auch bei. Jetzt gehe ich an alles ganz anders heran.“

Tarabini: „Es ging darum, dass sie anfängt, Tennis zu lieben“

Zum Startpunkt der Zusammenarbeit im Juni 2019 war Kalinskaya außerhalb der Top 150 gerankt. Ursprünglich habe die 27-Jährige (damals Anfang 20-Jährige) nur noch ein bis zwei Jahre spielen wollen, erzählte Tarabini. Für die ehemalige argentinische Profispielerin sei das Coaching jedoch ein langjähriger Prozess.

Sie zeigte sich begeistert von Kalinskayas Technik: „Anna hat meiner Meinung nach eine der besten Techniken auf der Tour, technisch gesehen ist das beeindruckend. Das kommt nicht von mir, das war der erste Coach, der dafür zuständig war.“ Sie setzte fort: „Für mich ging es mehr darum, dass sie anfing, Spaß am Tennis zu haben und es zu lieben, anstatt es zu hassen, nur weil man verliert.“

Kalinskaya steht aktuell auf Rang 22 der Weltrangliste. Ihre beste Position erreichte sie im Oktober 2024: Rang 11. „Ich glaube, sie fängt an, das Leben als Tennisspielerin zu genießen. Man muss Tennis lieben. Ich glaube, sie stand unter großem Druck und hat es nicht genossen. Das war für mich das Wichtigste: wie man wieder Spaß am Tennis hat und lernt, es zu genießen“, sagte Tarabini.

Kalinskayas Ziel überraschte Tarabini

Im Inside-In Podcast sprach Tarabini zudem über die zukünftigen Ziele von Kalinskaya. Vor sieben Jahren, zu Beginn der Zusammenarbeit, habe die 27-Jährige ihr gesagt, dass es ihr Ziel sei, auf jedem Centre Court der Welt zu spielen. „Sie hat mich zum Nachdenken gebracht“, sagte Tarabini: „Aber es ergibt Sinn. Wenn man gut sein möchte, spielt man auf allen guten Plätzen.“

Über aktuelle Ziele sagte die ehemalige argentinische Profispielerin: „Sie ist eine Person, die nicht gerne über diese Art von Zielen spricht, denn wenn sie es nicht erreicht, zieht es sie runter.“ Die letzten zwei, drei Jahre sei Kalinskaya konstant in der Top 20 bis 25 gewesen. Tarabini schlussfolgerte, dass der nächste Schritt die Top Ten sei. Außerdem: „In den Turnieren immer weiter nach vorne zu kommen.“ Zuletzt erreichte Kalinskaya bei den US Open in New York erstmals das Achtelfinale.

Auf die Frage, welchen Ratschlag die ehemalige Doppelspezialistin an Trainer der nächsten Generation geben würde, antwortete diese: „Man muss dem Spieler zuhören. Das ist das Wichtigste. Als Trainer muss man dem Spieler zuhören, dem Menschen zuhören.“

Hunde-Alarm auf der WTA-Tour

Teil des Teams ist außerdem Hündin Bella, ein Zwergdackel. Die Trainerin von Kalinskaya erzählte: „Sie hat mich vor fünf oder sechs Jahren angerufen und gesagt: ‚Ich werde mir einen Hund kaufen‘. ‚Toll‘, dachte ich – sie hatte wohl erwartet, dass ich sage: Wer soll sich denn darum kümmern?“

Doch Tarabini sei pro Hund gewesen. „Sie liebt Hunde, also sagte ich: ‚Kauf dir einen Hund‘. Das ist das Beste, was passieren kann, vor allem, weil man oft einsam ist (…) Man geht mit dem Hund spazieren und unterhält sich mit verschiedenen Menschen außerhalb des Tennis.“

Manchmal sei es schwierig mit dem Reisen und dem Drumherum: Fitness, Behandlungen, Tennis. Aber: „Es macht sie glücklich“, erklärte Tarabini und fügte hinzu: „Und bei allem, was Anna glücklich macht, bin ich dabei.“

Bei den China Open, dem Masters-Turnier in Peking, unterlag Kalinskaya in der zweiten Runde Qinwen Zheng. Beim Stand von 0:3 im dritten Satz musste sie wegen einer Verletzung aufgeben.

Text: Anna Sophia Antic. Sie studiert Journalismus an der IU-Akademie.