Sie sorgte bei den National Bank Open in Toronto für einen ausverkauften Centre Court. Spätestens seit Wimbledon wird ihr Name groß geschrieben: Alexandra Eala. Die 21 Jahre alte Spielerin von den Philippinen erfährt eine beachtliche Unterstützung – vor allem aus ihrem Heimatland.

Ist Alexandra Eala auf dem Weg zum Weltstar? Laut ihrer Doppel-Partnerin Venus Williams: Ja! In Toronto sagte die Tennis-Legende: „Alex ist ein Weltstar, sie ist einfach unglaublich und abgesehen von ihren Leistungen im Tennis ist sie ein großartiger Mensch, eine eloquente, beeindruckende junge Frau. Ich bin gerne in solcher Gesellschaft.“

Eala und Venus Williams gaben ihr Doppel-Debüt bei den diesjährigen Bad Homburg Open. Für die 21-Jährige ist es etwas besonderes, den Court mit der siebenfachen Grand Slam-Siegerin zu teilen: „Dass ich mit Venus im Doppel spielen darf, ist ein unglaubliches Highlight in meiner Karriere“, sagte Eala in Toronto. Nicht nur Venus, sondern auch ihre jüngere Schwester Serena sei für Eala eine Inspiration. „Was die Williams-Schwestern für den Tennissport geleistet haben, ist einfach unglaublich“, erkannte die in Quezon City geborene Profispielerin an. Serenas Comeback in Wimbledon habe sie vor Ort verfolgt.

„So etwas haben wir noch nie gesehen“

Momentan ist Eala selbst das Gesprächsthema Nummer eins der WTA-Tour. Sowohl Spielerinnen als auch Turnierdirektor der National Bank Open Karl Hale zeigten sich begeistert von Ealas Einfluss auf das Damentennis. Hale, der seit knapp 20 Jahren als Turnierdirektor tätig ist, bemerkte in Toronto: „So etwas haben wir noch nie so früh im Turnier gesehen: ein ausverkauftes Stadion, so begeisterte, so mitreißende Zuschauer, so viele Fahnen, ihr eigenes Essen (…) einfach ein unglaubliches Erlebnis.“

Bereits das erste Match der Philippinerin sei in kürzester Zeit ausverkauft gewesen. Toronto gilt als eine der multikulturellsten Städte der Welt. Das hebt auch Turnierdirektor Hale hervor: „Die philippinische Gemeinschaft hier ist so stolz und so begeisterungsfähig – das spricht für unsere Stadt Toronto und ihren Multikulturalismus.“ Unterstützung habe er auch bei anderen Spielerinnen erlebt, wie beispielsweise der türkischen Profispielerin Zeynep Sönmez oder der aus Polen stammenden Iga Swiatek.

Der Eala-Effekt in Toronto

Dennoch: Den Einfluss, den Eala auf das Masters in Toronto hatte, schien besonders. Der US-amerikanische Content-Creator Christian Basnight („Christian’s Court“) dokumentierte den „Eala-Effekt“ in einem YouTube-Video. Er berichtete von philippinischem Essen auf der Anlage (Chicken Adobo, ein philippinisches Nationalgericht), einer Atmosphäre, die er nie zuvor erlebt hatte (er zog den Vergleich zu einem Football-Stadium) und den immer lauter werdenden Zuschauern. Die Lautstärke der Eala-Fans sei im Netz zum Teil kritisiert worden. Laut Kritikern wurde die traditionelle Tennis-Etikette stellenweise nicht eingehalten. Basnight selbst hob das Publikum und die Stimmung positiv hervor.

Trotz des immensen Fan-Supports musste sich Eala im Achtelfinale auf dem Centre Court in Toronto der Schweizerin Belinda Bencic in zwei Sätzen (4:6, 0:6) geschlagen geben.

Im Anschluss an ihr Achtelfinal-Match sagte Eala: „Die Atmosphäre diese ganze Woche über war einfach unglaublich. Es ist schwer, das anderen Leuten zu beschreiben. Dieses Gefühl, in diesem Stadion voller Fans und all dieser Liebe zu sein – ich bin sehr dankbar für die Erfahrungen, die ich hier in Toronto gemacht habe.“ Durch ihre konstanten Leistungen in den vergangenen Wochen hat Eala sich bereits in die Top 20 des WTA-Rankings gespielt.

Das sagen die Spielerinnen der WTA-Tour

Auch die Kolleginnen zeigen sich beeindruckt von der Auswirkung des Erfolgs der Phillipinerin. Naomi Osaka, ihre Halbfinal-Gegnerin aus Washington DC, sei beispielsweise nach einem Match in Toronto an einem der Trainingsplätze vorbeigefahren, auf dem Eala trainieren sollte. Osaka erzählte: „Ich schaute auf den Trainingsplatz, der komplett voll war und dachte mir: „Wer trainiert denn da gerade?“, sie (Eala) war noch nicht einmal auf den Platz gegangen, und dann sah ich die philippinischen Flaggen.“

Osaka selbst habe die Unterstützung der philippinischen Fans gespürt. „Es ist so cool, dass sie eine neue Community aufbaut und ihre Fans schauen mittlerweile wahrscheinlich genug Tennis, um auch andere Favoriten zu haben. Ich finde das großartig und super für das Turnier, weil sie dadurch viele Eintrittskarten verkauft“, sagte die vierfache Grand Slam-Siegerin in Toronto.

Nach dem Sieg über Osaka im Halbfinale in Washington DC, hatte Eala im Finale die amerikanische Nummer eins Jessica Pegula besiegt und gewann somit ihren ersten WTA-Titel. Es war auch der erste Sieg einer Philippinerin bei einem WTA-Turnier überhaupt.

Auch Jessica Pegula zeigte sich begeistert von der Eala-Fanbase. Die philippinischen Fans und deren Präsenz seien „unglaublich“. Auch digital habe Pegula Zuspruch erhalten. Gemeinsam mit den US-amerikanischen Spielerinnen Madison Keys, Jennifer Brady und Desirae Krawczyk veröffentlicht Pegula wöchentlich den Podcast „The Players Box“. Dieser habe nach ihrem Finale in Washington DC zwischen 4.000 und 5.000 Abonnenten dazugewonnen. Eala war im März zu Gast im „the Players Box“-Podcast.

Coco Gauff, sagte in Toronto: „Ich finde, was sie für den Tennissport leistet, ist großartig.“ Zudem halte sie Eala für ein „großartiges Vorbild, zu dem man aufschauen kann“. Die 22-Jährige lobt die Authentizität der Philippinerin: „So wie ihr sie vor der Kamera seht, ist sie auch abseits des Spielfelds.“

Fest steht: Eala macht Tennis auf den Phillipinen populär. Mit 21 ist sie schon jetzt der größte Sport-Star ihrer Nation. Doch nicht nur der Inselstaat spricht über Eala. Die Linkshänderin ist Thema in der gesamten Tennis-Branche: Spielerinnen werden in Pressekonferenzen zu Ealas Erfolg und ihren Fans befragt. Profis, Ex-Profis und Experten verfolgen und kommentieren ihre Karriere in diversen Podcast- und Streaming-Formaten. Auch User in den sozialen Netzwerken diskutieren über den Hype der Absolventin der Rafa Nadal Academy.

Als Nächstes: Cincinnati und New York

Trotz der vielen Aufmerksamkeit, dem Erfolg und dem Trubel um sie herum zeigt sich Eala bodenständig in Pressekonferenzen und Interviews. Nach einer kurzen Pause ging es für die Siegerin aus Washington DC weiter über Toronto nach Cincinnati – der letzte Stopp vor New York.

In Wimbledon sorgte Eala mit ihrem Einzug ins Achtelfinale für eine Überraschung. Im New Yorker Stadtteil Queens wird sich zeigen, ob sie ihren Erfolgslauf bei den US Open fortsetzen kann. In den letzen Wochen hat sie jedenfalls bewiesen: Sie ist in der Lage, sich gegen die Top-Spielerinnen durchsetzen. Mit viel Unterstützung ihrer immer weiter wachsenden Fan-Gemeinde ist jedenfalls zu rechnen.

Text: Anna Sophia Antic. Sie studiert Journalismus an der IU-Akademie.