Endlich ist es soweit: Alexander Zverev ist nun Grand Slam-Champion. Was der Sieg für ihn und das deutsche Tennis bedeutet.
Alexander Zverev ist Grand Slam-Sieger. Klingt richtig gut. Ist Hochverdient. Ich glaube kaum, dass es jemanden gibt, der ihm die Coupe des Mousquetaires nicht gönnt. 41 Anläufe bei Grand Slam-Turnieren hat es gebraucht. Dreimal stand er bereits in einem Grand Slam-Finale. Der Sieg in Melbourne, Paris, Wimbledon oder New York schien oft greifbar und war doch so weit entfernt.
Weil entweder Nadal, Djokovic und Federer im Weg standen oder Alcaraz und Sinner. Als klar war, dass keiner der Genannten in Roland Garros Zverev gefährden würden, schien das Tor zum Glück riesengroß. Oder doch nicht? Weil er der Unvollendete ist. Diesmal war er zum Siegen verdammt. Was schwer ist.
Zverevs steiniger Weg zum Grand Slam-Titel
Und steht nicht das Finale gegen Flavio Cobolli auf dem Court Philippe Chatrier irgendwie stellvertretend für die ganze Karriere? Die so steinig ist. Gespickt mit Dramen. Wie das gegen Nadal, als er im Halbfinale vor ein vier Jahren eines der besten Matches überhaupt spielte und so dramatisch umknickte. Er riss sich sieben Bänder und brach sich zwei Knochen.
Die 4:16 Stunden diesmal auf dem Centre Court, dieses 6:1, 4:6, 6:4, 6:7, 6:1 – es war wieder ein irrer Ritt. Am Ende ließ sich Zverev in den Sand fallen. Weinte. War zuvor von Krämpfen geplagt. Stieg in seine Box. Umarmte alle. Hielt wieder einmal eine bemerkenswerte Rede. Und hatte mit Cobolli einen kongenialen Gegner, der teilweise berauschend spielte und genauso redete.
Großes Finale mit Schwächen
Damit war es trotz einiger Schwächen ein großes Finale. Viel mehr Emotionen gehen nicht. Was bleibt noch von diesem Finale? Der Aufschlag von Zverev war während der ganzen French Open Weltklasse. Die Rückhand sowieso. Er spielt – aber das hat sich schon die letzten Monate angedeutet – entschlossener. Variabler.
Als der Platz am Abend ohne Sonne war, das Flutlicht angeknipst wurde und es immer noch 22 Grad warm war, ging das Match, diese Achterbahnfahrt der Gefühle auf die letzten Meter. Am Ende war Zverevs Lachen so breit wie die Seine. Er hat es geschafft. Grand Slam-Sieger Alexander Zverev: klingt richtig gut.
Paris könnte nun der Dosenöffner für weitere Grand Slam-Titel sein. Warum nicht in Wimbledon? Alcaraz wird nicht dabei sein. Wie sich Sinner in den nächsten Matches präsentieren wird, wird sich zeigen. Egal, Paris ist eine Zäsur. Für Zverev. Und auch für das deutsche Tennis.
