Der 52-jährige Ex-Profi Alex Corretja erlebte Alexander Zverev als On-Court-Interviewer auf dessen Weg zum French Open-Triumph hautnah.

Interview: Florian Vonholdt

Herr Corretja, Sie sind als TV-Experte für Eurosport oder als Markenbotschafter für Asics viel beschäftigt. Wie oft spielen Sie selbst noch?

Ich hätte Zeit, aber ich spiele nicht mehr so oft. In meinem Alter macht man nur Rückschritte (lacht). Der Verstand weiß zwar noch was zu tun ist, doch der Körper und die Power sind nicht mehr dieselben. Um mich fit zu halten, gehe ich jeden Morgen spazieren, ins Fitnessstudio, jogge oder fahre Rad.

Wie schwer ist der Übergang vom Profitennis zum Leben danach?

Es ist sehr schwer, weil man jeden einzelnen Tag aufgewacht ist, seine Trainingsklamotten angezogen hat und auf den Court gegangen ist. Und plötzlich wachst du auf und trägst Jeans und denkst: Was mache ich hier? Und du bist erst 52 Jahre alt, wie in meinem Fall. Es fühlt sich so an, als würden alle anderen ihr Leben beginnen, während du den emotionalsten Abschnitt deines Lebens hinter dir lässt. Mental ist das hart.

Novak Djokovic hat sein Karriereende vor sich. Glauben Sie, er hat noch einen letzten großen Titel in sich?

Bei ihm kann man das nie ausschließen. Mir kommt es so vor, dass er jedes Mal, wenn er auf den Platz geht, weiterhin das Gefühl hat, noch große Erfolge feiern zu können. Es wird von Jahr zu Jahr schwieriger und das weiß er. Aber: Wir sollten ihn noch nicht abschreiben.

Sie waren die Nummer zwei der Welt und standen zweimal im French Open-Finale. Was fehlte zum letzten Schritt nach ganz oben?

Spieler wie Djokovic sind anders. Sie spielen auf einem anderen Level. Das können sie dauerhaft halten und es fällt ihnen leicht. Bei mir war es mit viel Arbeit verbunden. Es war so ähnlich wie bei Alexander Zverev.

Wie meinen Sie das?

Ich glaube, er hat sich in den entscheidenden Momenten, als er gegen die Großen der Tour spielen musste, nicht auf sich selbst verlassen. Und seine Vorhand war nicht so gut, wie sie hätte sein müssen, um diese Titel zu gewinnen.

War das in Paris 2026 anders?

Ja, ich denke schon. Der Hauptunterschied bestand darin, dass er zum einen daran glaubte, es schaffen zu können, und zum anderen, dass seine Rückhand viel aggressiver war, sein Aufschlag konstanter und seine Vorhand deutlich besser. Das gab ihm die Chance, mehr Punkte zu gewinnen – nicht nur in den ganz wichtigen Spielen. Entscheidend ist auch, in der ersten oder zweiten Runde nicht fünf Sätze spielen zu müssen. Auch, wenn man wie er körperlich stark ist, ist man sonst fast am Ende, wenn man das Viertelfinale erreicht hat. Dann kommen die härtesten Gegner und man hat keine Waffen mehr. Inzwischen hat Sascha erkannt, dass er diese Waffen braucht. Das hat mir in meiner Karriere etwas gefehlt: Meine Vorhand war nicht gut genug, um die Besten auf diesem Level regelmäßig zu schlagen.