Mayar Sherif aus Ägypten hat viel opfern müssen für ihre Profikarriere. Es hat sich gelohnt. Sherif ist die bestplatzierte Ägypterin der Geschichte – Damen und Herren zusammen.

Mayar Sherif ist Wegbereiterin für das ägyptische und nordafrikanische Tennis. Die 30-Jährige ist die erfolgreichste Spielerin der WTA-Tour ihrer Nation. Sie erreicht Meilensteine im ägyptischen Tennissport und hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein Vorbild zu sein, das Tennis in Ägypten aufleben lässt.

Mayar Sherif wurde am 5. Mai. 1996 in Kairo, der Hauptstadt Ägyptens, geboren und wuchs dort auf. Im Alter von vier Jahren kam die Ägypterin durch ihre Eltern und ihre ältere Schwester Rana, die ebenfalls auf der Profi-Tour aktiv war (höchster Rang 1110) und College-Tennis an der Fresno State University spielte, zum Tennis. Insgesamt hat Mayar Sherif drei Schwestern.

Mayar Sherif: „Meine Eltern haben immer an mich geglaubt”

Die ägyptische Wegbereiterin ist von Anfang an von ihren Eltern unterstützt worden. „Meine Eltern haben immer an mich geglaubt, sie wollten von Anfang an, dass ich Profi werde“, erzählte Sherif dem Mode- und Lifestyle Magazin Elle. Laut BBC liegt die Liebe zum Tennissport in der Familie. „Meine Eltern lieben Tennis über alles. Sie haben uns schon von klein auf dazu gebracht, Tennis zu schauen“, erzählt Sherif über ihre Kindheit.

Ägypten gilt traditionell nicht als klassische Tennis-Nation. Der Weg in den Profisport erwies sich dadurch als schwierig und war von Hindernissen und Zweiflern geprägt. Es fehlte an finanzieller Unterstützung, Sponsoren und professionellen Trainingsstrukturen. Im Alter von 15 Jahren ging Sherif nach Spanien, um dort zu trainieren und ihre Profikarriere voranzutreiben. Gegenüber der BBC sagte die ägyptische Nummer eins: „Ich war besessen davon, eine professionelle Tennisspielerin zu werden.“

Mayar Sherif: „Es war frustrierend, seinen Traum nicht verwirklichen zu können”

Die Zeit habe unter anderem ihre Art zu trainieren und zu arbeiten geprägt. „Es war eine Gelegenheit, gut zu trainieren und mit Profis zusammenarbeiten. In Ägypten ist das schwer zu bewerkstelligen“, sagte Sherif. In Ägypten gibt es laut der 1,80 Meter großen Spielerin kein System. „Deshalb haben wir keine guten Fitness- und Tennistrainer oder Physiotherapeuten“, erklärte sie.

Eine Karriere im Juniorenbereich konnte Sherif letztendlich nicht verfolgen. Die Roland-Garros-Website zitierte die ägyptische Profispielerin: „Ich habe den Juniorenbereich sehr früh verlassen, weil ich mir die Reisekosten nicht leisten konnte“, sagte sie. Weiter: „Es war frustrierend, seinen Traum nicht verwirklichen zu können, weil die finanziellen Mittel fehlen, obwohl man das Gefühl hat, das Potenzial zu haben und bereit ist, alles dafür zu geben.“

Diese Erfahrung habe sich auf ihr späteres Mindset übertragen: „Ich glaube es spiegelt den Hunger wider, den ich (auf Tour) nach meinem College-Abschluss verspürt habe“, sagte die Ägypterin die sowohl Englisch als auch Arabisch, Französisch und Spanisch spricht.

Mayar Sherif: Vom College-Tennis zum Profi

Von 2014 bis 2016 studierte sie wie ihre Schwester an der California State University Fresno. In diesen zwei Jahren spielte sie im Damentennis-Team. Danach wechselte sie für die verbleibenden zwei Jahre an die Pepperdine University in Malibu, Kalifornien. Dort spielte sie erfolgreich College-Tennis. 2018 schloss sie ihr Studium mit einem Bachelor of Science im Fach Sportmedizin ab. „Es ist eine sehr vielfältige Gemeinschaft, an der Pepperdine, die meine Persönlichkeit geprägt hat. Das hat mich als Menschen und als Tennisspielerin weitergebracht, und diese Erfahrungen habe ich mit auf die Tour genommen“, sagte Sherif über ihre Collegezeit.

Bemerkenswerte Erfolge im ägyptischen Tennis erzielte Ismail El Shafei. Der Ägypter erreichte 1974 das Viertelfinale in Wimbledon und schlug auf dem Weg dorthin die ehemalige Nummer eins der Welt: den Schweden Björn Borg. Mittlerweile wird die ägyptische Tennisgeschichte um einen Namen erweitert: Mayar Sherif. Ihr Debüt im Hauptfeld der WTA-Tour gab Sherif im August 2020 bei den Prag Open.

Im selben Jahr war Sherif die erste ägyptische Tennisspielerin, die im Hauptfeld eines Grand Slam-Turniers stand (Roland Garros). Die Ägypterin ist somit Grand-Slam-Pionierin.

Mayar Sherif schreibt Geschichte bei den Australian Open

Bei den Australian Open erreichte Sherif 2021 ihr bestes Ergebnis: das Erreichen der zweiten Runde. Mit ihrem Erstrunden-Sieg schrieb sie Geschichte, als erste ägyptische Spielerin, die ein Match im Hauptfeld eines Grand Slam-Turniers gewinnen konnte. „Das bedeutet mir eine Menge, weil ich eine mentale Barriere überwinden musste“, sagte sie damals in Melbourne. In Roland Garros erreichte Sherif bereits vier Mal die zweite Runde, so auch in diesem Jahr. Auf dem heiligen Rasen in Wimbledon und in New York bei den US Open kam sie im Einzel bisher nicht über die erste Runde hinaus.

Als erste Frau der Geschichte ihres Landes im Tennis, qualifizierte sich Sherif für die Olympischen Spiele. Sie nahm bislang an zwei Olympischen Spielen teil (Tokio 2021 und Paris 2024), musste sich jedoch jeweils in der ersten Runde geschlagen geben.

Ebenfalls als erste Frau in der Historie des ägyptischen Tennis gewann Sherif im Oktober 2022 ihren ersten Einzeltitel auf der WTA-Tour. Im Finale der Parma Ladies Open gewann sie gegen die Griechin Maria Sakkari. Es war der erste Sieg gegen eine Spielerin aus der Top 10 für Sherif. Sakkari stand zu dem Zeitpunkt auf Rang sieben der Weltrangliste. „Es bedeutet viel für mein Land. Es bedeutet viel für die Menschen zu Hause und für meine Familie“, sagte Sherif damals.

Ägypten: Keine(r) war besser als Mayar Sherif

Ihren zweiten WTA-Titel sicherte sich die Ägypterin in diesem Jahr in Iasi in Rumänien. Bei dem WTA-250-Turnier trat sie im Finale gegen die Spanierin Paula Badosa an, die im zweiten Satz verletzungsbedingt aufgeben musste.

Durch ihren Sieg machte Sherif, die auf Rang 109 in die Saison 2026 gestartet war, in der Weltrangliste einen Sprung nach oben. Eine Woche später, vor Start der MSC Hamburg Ladies Open, stand sie auf Platz 55.

Aktuell steht die Ägypterin auf Rang 52 der Weltrangliste. Ihr höchstes Ranking erreichte sie im Juni 2023: Rang 31. Eine weitere Zahl für die ägyptischen Geschichtsbücher – damit ist sie der am höchsten platzierte ägyptische Profi im Einzel (bei den Damen und Herren) in der Open Era. Zum Vergleich: Ismail El Shafei erreichte im Einzel im Jahr 1975 Platz 34.