tennis MAGAZIN feiert seinen 50. Geburtstag. Wir blicken zurück auf historische Highlights. Diesmal: die Jahre 2001 bis 2005.

Es gibt Momente im Sport, die dazu bestimmt sind, einmalig zu bleiben. Als Goran Ivanisevic und Patrick Rafter den Centre Court zum Wimbledonfinale 2001 betraten, herrschte Volksfeststimmung im sonst so förmlichen All England Lawn Tennis and Croquet Club. Die kroatischen und australischen Fans, ausgestattet mit den jeweiligen Fahnen des Landes, sorgten für eine Atmosphäre wie in einem Fußballstadion. Der Grund: Wegen der vielen Regenunterbrechungen der vergangenen Tage konnte das Finale erst am Montag gespielt werden. Das Endspiel zwischen Ivanisevic und Rafter mutierte zum „People’s Monday“.

Für viele Tennisfans war dies eine große Chance, sich noch Tickets zu besorgen, die sonst eher den exklusiveren Kreisen vorbehalten sind. Denn die Karten für dieses Wimbledonfinale gingen in den freien Verkauf. So wurde der „People‘s Monday“ zu einem der denkwürdigsten Tennisereignisse der Geschichte und wird auch einmalig bleiben, da es einen weiteren „People‘s Monday“ in Wimbledon nicht mehr geben wird. Das Turnier verfügt inzwischen über zwei Plätze mit einem Dach und somit auch bei Regen Planungssicherheit hat.

Einmalig war auch der Lauf von Ivanisevic zum Wimbledontitel – mit einer Wildcard. Dreimal zuvor hatte der Kroate im Endspiel auf dem heiligen Rasen gestanden, dreimal teilweise unglücklich verloren. Als nahezu alle Tennisfachleute Ivanisevic abgeschrieben hatten, schlug seine große Stunde. Als Nummer 125 im ATP-Ranking ballerte sich der Super-Auschläger durch das Tableau und schlug zahlreiche Stars der Szene: Carlos Moya, Andy Roddick, Greg Rusedski, Marat Safin, Tim Henman und im Finale Patrick Rafter.

Auf dem Weg zur Erfüllung seines großen Tennistraums trieb Ivanisevic das Ausüben seiner ohnehin schon zahlreichen Rituale – den Ball für den nächsten Aufschlag nehmen, mit dem man vorher den Punkt gemacht hat, sich nicht rasieren, solange man gewinnt – bis auf die Spitze. Der 29-jährige Kroate begann jeden Tag damit, im Frühstücksfernsehen die Teletubbies zu schauen. Nach seinen Matches benutzte er dieselbe Dusche in der Umkleide. Am Abend saß er im selben Restaurant am selben Tisch und aß immer die gleichen Gerichte: zuerst Fischsuppe, dann Lamm mit Pommes frites und als Nachtisch Eis mit Schokoladensauce. „Es war immer gleich: Frühstück, zur gleichen Zeit die Tasche packen, gleicher Parkplatz in Wimbledon, gleiche Dusche, nicht auf die Linien treten, gleicher Ball. Ach, du Scheiße“, kommentierte Ivanisevic.

Immer mit dabei an diesen turbulenten Tagen in Wimbledon waren seine drei Alter Egos: „Good Goran“, „Bad Goran“ und „Emergency Goran“. Der „Emergency Goran“, der in kritischen Situationen erschien, um das Spiel zu retten, oft verbunden mit dem Aufruf an sich selbst, ruhig zu bleiben, tauchte in der finalen Phase in Wimbledon immer häufiger auf. Vor allem im letzten Aufschlagspiel, das sich zum Krimi entwickelte, Ivanisevic noch mal vor die Nervenprobe stellte und schließlich für einen der größten Gänsehautmomente auf dem heiligen Rasen sorgte.

„Das waren 15 magische Tage. Die besten 15 Tage in meinem Leben“, jubelte Ivanisevic und fuhr fort: „Es ist mir egal, wenn ich kein einziges Match mehr gewinne. Was immer ich auch tue in meinem Leben, wohin ich gehe, ich werde immer ein Wimbledonsieger sein.“ Recht hat er.

Maria Sharapova – Triumph der „Eis-Prinzessin“

Wimbledontitel mit 17 Jahren – da war doch was?! Nicht nur Boris Becker, sondern auch Maria Sharapova katapultierte sich in die Sportwelt mit ihrem Triumph in Wimbledon. Als „Eis-Prinzessin“ wurde Sharapova von der britischen Presse tituliert – weil sie so cool und konzentriert wirkte. Im Moment ihres größten Triumphs verschwand das Pokerface der Teenagerin. „Ich würde diese Trophäe gerne in kleine Teile schneiden und jedem von euch ein Stück schenken“, rief die 17-Jährige nach dem überraschenden Finalsieg gegen die klare Favoritin Serena Williams.

Es war die Geburtsstunde eines neuen Weltstars im Sport. Sharapova hatte dieses gewisse Etwas, das keinen Sportfan kalt ließ. Es war gleichzeitig der Beginn einer der einseitigsten Rivalitäten der Tennisgeschichte. Sharapova gewann nur noch ein weiteres Match gegen Serena Williams. Bilanz beim Karriereende: 2:20! Es schien so, dass Williams diese Finalniederlage in Wimbledon besonders hart getroffen habe. Denn die Russin hörte im Umkleideraum, wie Williams nach dem Endspiel bitterlich weinte.

„Ich glaube, Serena hasste mich dafür, dass ich das dünne Kind war, das sie trotz aller Widrigkeiten in Wimbledon geschlagen hatte. Ich glaube, sie hat mich gehasst, weil ich ihr etwas weggenommen habe, von dem sie glaubte, dass es ihr gehört. Sie hasste mich dafür, dass ich sie in ihrem tiefsten Moment sah. Aber am meisten hat sie mich wohl dafür gehasst, dass ich sie weinen hörte. Das hat sie mir nie verziehen“, schrieb Sharapova in ihrer Biografie „Unstoppable“.