Mit diesen Herausforderungen muss ein Tennisspieler umgehen. 10 Gründe, warum Tennis die anspruchsvollste Sportart der Welt ist.

Im Jahr 2023 veröffentlichte der US-amerikanische Sportsender ESPN eine umfassende Liste zu den schwierigsten Sportarten der Welt. In einem achtköpfigen Panel, bestehend aus Sportwissenschaftlern des Olympischen Komitees der USA, Wissenschaftlern, die sich mit Muskel- und Bewegungsforschung befassen, einem Athleten, der in zwei Sportarten aktiv war, sowie Journalisten, wurden zehn Kategorien bewertet: Ausdauer, Stärke, Kraft, Geschwindigkeit, Beweglichkeit, Flexibilität, Nerven, Langlebigkeit, Hand-Auge-Koordination und analytische Begabung.

Auf Platz eins auf der Rangliste stand Boxen, gefolgt von Eishockey. Tennis lag laut EPSN auf Platz sieben, sogar hinter Mannschaftssportarten wie American Football und Basketball.

Dass die klassischen US-Mannschaftssportarten weit oben in der Rangliste stehen, ist bei einem Experten-Panel von ausschließlich US-Amerikanern sicherlich nicht wirklich repräsentativ. Denn wenn man es realistisch betrachtet, kann es auf die Frage nach der härtesten Sportart der Welt nur eine Antwort geben: Tennis.

Spider-Man-Darsteller: „Tennis ist die gewalttätigste Sportart ohne Körperkontakt”

Der Schauspieler Tom Holland (u.a. Spider-Man) sagte kürzlich: „Im Fußball führt ein Fehlschuss einfach nur zu einem Abstoß. Aber im Tennis, wenn man einen Winner spielen will und den Ball ein bisschen daneben schlägt, bekommt der Gegner einen Punkt. Ich glaube, Tennis ist die gewalttätigste Sportart ohne Körperkontakt. Das muss brutal sein.“

Ashton Eaton, als zweimaliger Olympiasieger eine Ikone im Zehnkampf in der Leichtathletik, sieht es ähnlich, auch wenn er seine Disziplin noch vor Tennis sieht. „Ich glaube, dass Tennis nach Zehnkampf der athletischste Sport ist. Einfach weil man bestimmte Dinge braucht. Die Matches sind drei oder vier Stunden lang. Es gibt den technischen Aspekt, die Beweglichkeit, die Anforderungen an Geist und Körper. Nicht zu vergessen, dass das Spiel selbst Ähnlichkeiten mit einer Schachpartie hat“, sagte Eaton im Jahr 2016.

Das sind 10 Gründe, warum Tennis die härteste und anspruchsvollste Sportart der Welt ist.

Grund 1: Ich brauche Tausende Trainingsstunden

Wer unbedingt Tennisprofi werden will, sollte sehr früh anfangen. Denn Tennis ist dermaßen komplex, dass man kaum Profis auf der Tour sieht, die nach ihrem zehnten Lebensjahr angefangen haben zu spielen. Im Tennis brauche ich jede Menge Geduld und Tausende Trainingsstunden. Der wichtigste Muskel ist offensichtlich der unsichtbare Durchhaltemuskel. Denn wenn ich mit Tennis beginne, geht es zunächst in Babyschritten voran. Bis ich zu einem kompletten Spieler gereift bin und jeden Schlag beherrsche, vergehen Jahre.

Grund 2: Ich muss den letzten Punkt machen

Es gibt ein schönes Zitat von Rod Laver, das die Besonderheit des Tennis unterstreicht. „Dein Spiel ist am verwundbarsten, wenn du in Führung liegst. Lasse niemals nach.“ Das Besondere an Rückschlagsportarten wie Tennis ist, dass man nicht die Uhr herunterlaufen lassen kann, da es keine zeitliche Befristung gibt. Ich muss stets den Fuß auf dem Gaspedal haben und kann eine Führung nicht verwalten. Was sicher ist: Ich muss stets diesen verflixten letzten Punkt gewinnen. Die Tennisgeschichte ist voll von fabelhaften Aufholjagden nach anscheinend aussichtlosem Rückstand. Andre Agassi stellte treffend fest: „Das Tolle am Tennis ist, dass man die Zeit nicht einfach herunterlaufen lassen kann. Solange wir noch spielten, hatte ich eine Chance.“

Grund 3: Ich kann verlieren, obwohl ich mehr Punkte gewinne

Die Zählweise im Tennis ist brutal. Ich kann in sämtlichen Statistiken besser als mein Gegner sein und dennoch als Verlierer vom Platz gehen. Fragen Sie mal bei Roger Federer nach. Federer machte im Wimbledonfinale 2019 gegen Novak Djokovic 14 Punkte mehr als sein Gegner, schlug 40 Winner und 15 Asse mehr sowie drei Doppelfehler weniger – und dennoch verlor er das Match.

Grund 4: Ich gehe ständig an meine körperlichen Grenzen

Als Novak Djokovic und Lorenzo Musetti in der dritten Runde der French Open 2024 bis 3:07 Uhr nachts spielten und ihre Partie nach 4:29 Stunden beendeten, schickte Casper Ruud eine Botschaft durch den Kurznachrichtendienst X. „Ist Tennis eine der härtesten Sportarten der Welt?“, fragte Ruud und schob hinterher: „Bei welchen anderen Sportarten muss man um 3 Uhr morgens mehr als vier Stunden lang spielen, antreten oder seine Leistung bringen?“ Wie Recht Ruud damit doch hat. Tennis ist aufgrund der Zählweise nicht nur mental brutal, sondern auch körperlich. Das Wort Belastungssteuerung, das im Fußball gerne gebraucht wird, ist im Tennis ein Fremdwort. Tennisprofis müssen Tag für Tag, Woche für Woche an ihre körperlichen Grenzen gehen – manchmal sogar darüber hinaus. Gewinnt man bei einem Grand-Slam-Turnier ein Marathonmatch weit nach Mitternacht, gibt es als Belohnung nicht tagelange Erholung, sondern wartet nach kurzen Nächten bereits das nächste Match.

Grund 5: Ich stehe immer im Fokus

Als Tennisprofi muss ich mich daran gewöhnen, dass zu jeder Zeit die Augen auf mich gerichtet sind – von den Zuschauern im Stadion oder den Millionen vor dem Fernseher. Jede Regung, jeder Gesichtsausdruck von mir wird bewertet und in Nahaufnahme gezeigt. Ich muss damit klar kommen, dass ich ständig im Fokus stehe. Für Persönlichkeiten, die nicht allzu gerne im Rampenlicht stehen, ist dies eine große Herausforderung. Umso erstaunlicher ist es, wenn schüchterne Spieler wie Jannik Sinner unter dieser Dauerbeobachtung Match für Match Weltklasseleistungen zeigen.

Grund 6: Ich muss ein Mentalitätsmonster sein

Wer regelmäßig Tennis spielt, weiß, wie mental herausfordernd Tennis ist. Ich muss Punkt für Punkt in Bruchteilen von Sekunden immer wieder Entscheidungen treffen. Bis auf den Aufschlag gibt es keine Situation, die ich kontrollieren kann. Ich muss stets reagieren und versuchen, auf jeden Schlag eine passende Antwort zu finden. Tennis ist ein Fehlersport und gleichzeitig eine Achterbahn der Gefühle. Ich brauche eine große Frustrationstoleranz und muss die negativen Gedanken, die vorkommen, so gut es geht ausblenden.

Grund 7: Ich kann mich nicht verstecken

Wenn man im Fußball als Stürmer eine gute Aktion im gesamten Spiel hat und das Siegtor schießt, ist man der gefeierte Held. Im Tennis braucht es Hunderte von guten Aktionen, um sich am Ende feiern zu lassen. Ein Zauberschlag oder ein Punktgewinn nach einem spektakulären Ballwechsel bringt dir vielleicht Extra-Applaus. Aber: Es ist auch nur ein Punkt. Ich kann mich nicht wie beim Fußball hinter meinen Teamkollegen verstecken. Es gibt keine Auswechslungen, kein Team und keine Hilfe von außen bei Fehlern.

Grund 8: Ich bin selbst für alles verantwortlich

Tennisspieler sind keine Angestellten, sondern Unternehmer. Mir wird nichts abgenommen, ich bin selbst für alles verantwortlich, sei es die Reiseplanung oder diverse andere Dinge. Anders als in Mannschaftssportarten bekomme ich nur Geld, wenn ich Leistung bringe und Matches gewinne. Für den Kopf ist diese Ungewissheit über den finanziellen Erfolg herausfordernd, wenn ich zwar etliche Stunden investiere und trotzdem der Erfolg ausbleibt. Wenn ich krank oder verletzt bin, verdiene ich kein Geld.

Grund 9: Ich muss auf alles vorbereitet sein

Das Leben als Tennisprofi ist kein Zuckerschlecken. Ich reise das gesamte Jahr quer über den Globus und muss mich auf stets auf andere Bedingungen einstellen: Gegner, Belag, Bälle, Temperatur, Zeitverschiebungen, Regenunterbrechungen. Ich muss auf alles vorbereitet sein. Ich weiß nie genau, wann und wo ich spiele. Es fällt schwer, sich wie andere Athleten auf den Tag X vorzubereiten, da es im Tennis keine festen Startzeiten gibt. In den meisten Fällen weiß ich erst am späten Abend, wann ich am nächsten Tag mein Match spielen werde.

Grund 10: Ich muss Stunden investieren für den Erfolg

Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris waren 32 Sportarten im Programm. In keiner Sportart musste man so viel Zeit investieren, um eine Medaille zu gewinnen wie im Tennis. Früher war der zeitliche Aufwand für Tennisprofis bei Olympia noch größer. Bei Olympia 1992 in Barcelona wurde bei den Herren jede Runde im Einzel und Doppel über drei Gewinnsätze gespielt – und das bei hochsommerlichen Temperaturen. Wie in anderen Sportarten reicht es nicht aus, für einige Sekunden oder Minuten gut zu sein, um zu gewinnen. Ich muss meine Leistung über mehrere Stunden abrufen: Punkt für Punkt, Tag für Tag, Woche für Woche.