Während Deutschland im Davis Cup gegen Kroatien gewinnt und sich für das Finalturnier in Bologna qualifiziert, untermauert Alexander Zverev seine Kritik am aktuellen Format.

Als Alexander Zverev das deutsche Davis-Cup-Team ins Finalturnier nach Bologna führte, schnappte er sich eine Deutschlandfahne, breitete diese auf den Boden des Platzes in der heristo-arena aus und streckte die Arme in die Luft. Sein Umfeld wollte ihn nach seinem US-Open-Titel unbedingt vom Spielen des Davis-Cup-Duells gegen Kroatien abhalten, doch Zverev blieb stur – wie so häufig.

Davis Cup: Krawietz/Pütz spielen sich in einen Rausch

„Gleich nach den US Open zu spielen, ist mir lieber, als zwei Wochen zu Hause zu bleiben“, sagte er. Zverev war ohne jede Frage der gefeierte Star in Halle/Westfalen. Nach seinem Pflichtsieg im ersten Einzel gegen den couragiert aufspielenden Matej Dodig (21 Jahre, Nummer 171 im ATP-Ranking, O-Ton Zverev: „Den sehen wir bald unter den Top 50 oder Top 20“), bei dem er von der Grundlinie noch etwas rostig wirkte, zeigte er in seinem zweiten Einzel gegen Dino Prizmic (21 Jahre, Nummer 103 im ATP-Ranking) seine gesamte Klasse. Beim souveränen 6:2, 6:4-Sieg gelangen ihm 29 direkte Gewinnschläge, zudem punktete er mit sehenswerten Passierbällen und Netzattacken.

Dass Zverev den letztendlich ungefährdeten 3:1-Sieg gegen Kroatien sicherstellen konnte, lag auch an dem starken Auftritt des deutschen Davis-Cup-Doppels Kevin Krawietz und Tim Pütz. Das eingespielte Duo besiegte das Weltklasse-Doppel Nikola Mektic und Mate Pavic (Olympiasieger in Tokio 2021) mit 7:5, 6:2 und spielte sich phasenweise in einen Rausch.

Davis-Cup-Finalturnier in Bologna: Zverev wohl dabei

„Ich glaube, das war das beste Match im Davis Cup von uns“, urteilte Krawietz nach der Gala-Vorstellung. „Krapütz“ stehen nun bei einer überragenden Davis-Cup-Bilanz von 18:2 im Doppel. Um den ersten Davis-Cup-Titel seit 1993 zu gewinnen, braucht es beim Finalturnier in Bologna (24. bis 29. November) neue Heldentaten von Krawietz/Pütz.

Deutschland wird neben Gastgeber und Titelverteidiger Italien, Spanien und Tschechien zu den vier gesetzten Nationen im Viertelfinale gehören. Mögliche Gegner bei der Auslosung am Dienstag sind Kanada, Großbritannien, Österreich und Südkorea. Ob Zverev in Bologna antreten wird, ließ er offen. Die Tendenz ist aber eindeutig, dass er wie im letzten Jahr beim Finalturnier spielen wird – auch als Gefallen zu seinen Teamkameraden.

Davis Cup: Die letzte Chance für Tim Pütz?

Denn in der Konstellation scheint es dieses Jahr die letzte große Chance zu sein, den Davis Cup zu gewinnen. Pütz, der im November 39 Jahre alt wird, erklärte nach der Finalniederlage bei den US Open, dass er nächstes Jahr wahrscheinlich seine Karriere beenden werde. Die Australian Open im Januar werde er definitiv noch spielen, erzählte er in Halle/Westfalen. Wie es anschließend bei ihm weitergeht, ließ er offen.

Zverev untermauerte indes seine Kritik am Format des Davis Cups, bei dem seit 2019 mit einem Finalturnier zum Abschluss der Sieger ermittelt wird. „Das, was wir in Bologna spielen, hat mit dem Davis Cup nichts zu tun. Das sage ich aber schon seit Jahren. Für mich sind diese Heimspiele und diese Auswärtsspiele in Australien oder Spanien der echte Davis Cup. Die Atmosphäre heute war der echte Davis Cup“, sagte Zverev nach seinem ersten Einzelsieg in Halle/Westfalen.

Er schob hinterher: „Ich hoffe, dass irgendwann jemand das auch wirklich erkennt, was das für eine Atmosphäre ist. Dass das den Spielern auch wirklich Spaß macht. Nicht jeder Wettbewerb muss sich um Geld drehen. Der Davis Cup ist Historie und nicht Geld.“

Zverev: „Liebe Politiker, ich hoffe, ihr seht das”

In Halle/Westfalen spielte das deutsche Team vor der größten Kulisse seit vielen Jahren. Am Samstag kamen 8.000 Zuschauer in die heristo-arena, am Sonntag waren es circa 6.500 Zuschauer. Davis-Cup-Atmosphäre herrschte auch an vielen anderen Austragungsorten, vor allem in Tschechien und Kanada, wo mehr als 10.000 Zuschauer die Matches verfolgten.

Nach dem Einzug ins Finalturnier in Bologna appellierte Zverev im Stadioninterview, den Davis Cup wieder im traditionellen Format mit Heim-und Auswärtsspielen bis zum Schluss zu spielen. „Liebe Politiker, ich hoffe, ihr seht das“, richtete Zverev seine Worte direkt an die Verantwortlichen des Weltverbands World Tennis. Ob Zverevs Worte Anklang finden nach diesem spannenden Davis-Cup-Wochenende mit den vollen Arenen weltweit? Es darf bezweifelt werden.