Im Mixed-Doubles Event im Vorfeld der US Open wird Serena Williams gemeinsam mit Titelverteidiger Carlos Alcaraz an den Start gehen.

Kurz nachdem Carlos Alcaraz sein Comeback nach über vier Monaten Verletzungspause (Handgelenk) angekündigt hatte, folgte bereits die nächste Bekanntgabe: Im Vorfeld der US Open spielt er im Mixed-Wettbewerb an der Seite von Tennis-Ikone Serena Williams, die zuletzt 2022 in New York auf dem Court stand. Viele Tennis-Fans sind begeistert. Über einen gemeinsamen Auftritt der beiden war bereits im Vorfeld spekuliert worden, nachdem Williams den Comeback-Post von Alcaraz kommentiert hatte („Ohhhhh okay, I Like seeing this“).

Das Comeback von Serena Williams

Das Comeback von Serena Williams schlägt bereits seit einigen Monaten große Wellen. Ihr Comeback-Match im Doppel gab Williams im Londoner Queens Club bei den HSBC Championships mit Victoria Mboko. Es war der erste Auftritt auf der WTA-Tour seit September 2022.

Im Einzel kehrte sie dann in Wimbledon auf den Centre Court zurück. Angekündigt war zudem die legendäre Rückkehr der Williams-Schwestern im Doppel. Dieses musste dann jedoch durch eine Knieverletzung ausfallen, die sich Serena Williams in ihrem Einzelmatch gegen die Australierin Maya Joint zugezogen hatte.

Die Rückkehr der Williams-Sisters

In Ohio reflektierte Serena Williams ihr Wimbledon-Erlebnis: „Das war eine kleine traumatische Erfahrung für mich. Ich habe an diesem Abend etwa zwei Stunden gebraucht, um den Umkleideraum zu verlassen.“ Sie fügte hinzu: „Es war ein langer Weg der Genesung.“

Das Comeback der Williams-Sisters fand dann schließlich in Cincinnati statt – ein besonderer Moment für viele Zuschauer. Unter lautem Jubel betrat das Duo den Platz. Vor gefüllten Rängen kämpften die beiden Schwestern gegen Marta Kostyuk und Peyton Stearns um den Einzug in Runde zwei. Besonderes Detail: Für Stearns, die aus Cincinnati stammt, war es ein Heimspiel.

Kostyuk: „Privileg, den Court mit ihnen zu teilen“

Kostyuk zeigte sich begeistert von der Stimmung während der Night-Session: „Als ich auf dem Platz stand, dachte ich mir: Wow, was für ein Erlebnis, hier zu sein! Ich habe beide früher verfolgt und gesehen, wie sie gemeinsam gespielt haben – es war ein Privileg den Court mit ihnen zu teilen.“ Weiter sagte die Ukrainerin: „Manchmal war es so laut, dass ich mich selbst kaum hören konnte, aber ich glaube, genau deshalb spielen wir Tennis. Danke für diese Energie.“

Schlussendlich musste sich das Williams-Duo im Match-Tiebreak geschlagen geben. Endstand: 2:6, 6:1, 8:10. Einher mit Begeisterung – und man könnte schon beinahe sagen Ehrfurcht davor, zwei spielende Legenden gemeinsam auf dem Court zu erleben – , ging auch viel Kritik. Die anhaltende Diskussion über das Zurückkehren von Serena und Venus Williams als aktive Spielerinnen wurde durch das Match in Cincinnati und die Vergabe der Wildcards für die US Open erneut angefacht – vor allem in den Sozialen Medien.

Das Comeback: Begeisterung und Kritik

Die Schwestern prägten den Sport – ihren Einfluss sieht man noch heute. Bestreiten tut das wohl niemand. Dennoch wird auf Social Media aktuell diskutiert, ob eine kurzfristige Rückkehr in den Profisport die richtige Entscheidung sei.

„The Goat is back“, schrieben viele User (Zu deutsch: die Beste/Größte aller Zeiten ist zurück) bei der angekündigten Rückkehr von Serena Williams. Ebenso bei der Doppel-Performance. Ein User kommentierte beispielsweise: „Unglaublich die beiden im Jahr 2026 gemeinsam auf dem Platz zu sehen.“ Einigen scheint es hierbei nur nebensächlich um die Ergebnisse zu gehen, sondern viel mehr um das Erlebnis, die Williams-Sisters live spielen zu sehen und die Atmosphäre zu erleben. Insgesamt 14 Grand Slam-Siege konnten die beiden Schwestern gemeinsam im Doppel feiern.

Die Wildcard-Debatte

Die Teilnahme an den WTA-Turnieren ist den beiden Amerikanerinnen nur durch Wildcards möglich – ein Kritikpunkt der Comeback-Gegner. Der Grund: Wildcards sollten an zum Beispiel nationale Spieler, Nachwuchstalente oder Spieler, die aufgrund von Verletzungen im Ranking gesunken sind, verteilt werden. Für Veranstalter treffen an dieser Stelle wohl zwei Verpflichtungen aufeinander: die eben genannten Spieler zu unterstützen und zugleich den Zuschauern große Namen zu bieten.

Diskussion: „Eine verschwendete Wildcard?“

Venus Williams, die sowohl im Einzel, als auch im Doppel phasenweise auf der Tour spielt, konnte in der laufenden Saison noch keines ihrer Einzel gewinnen. Das heben Kritiker hervor: Sie habe zahlreiche Wildcards erhalten und gegen Spieler verloren, die nicht an der Spitze des Sports stehen würden. „Wo liegt da der Sinn?“, fragte ein User. „Eine weitere verschwendete Wildcard“, beschwerte sich ein Anderer.

Doch trotz Niederlagen zieht Venus Williams Zuschauer und Fans an – die siebenfache Grand Slam-Siegerin ist immerhin eine spielende Legende. Man könnte vielleicht soweit gehen und sagen: Es wird eine Verbindung zwischen den Generationen geschaffen – zwischen denjenigen, die Venus beziehungsweise Serena Williams in ihren „Prime Zeiten“ erlebt haben und jungen Tennis-Fans, die mit der nachfolgenden Generation und anderen Vorbildern aufwachsen und über den Einfluss und die Geschichte der Williams-Schwestern lernen – über zwei große Namen, die einst Geschichte im Tennis schrieben.

Doch genau das bemängeln die Kritiker – die „Prime Time“ läge in der Vergangenheit. Auf WTA-Turnieren ginge es um Leistungen und darum, Tennis auf möglichst höchstem Niveau zu sehen. Ein User schlug im Netz vor: „Warum nicht in Form von Showkämpfen?“ Die Konkurrenzfähigkeit ist aktuell ein großer Diskussionspunkt.

Serena Williams: „Bin nicht gekommen, um das Turnier zu gewinnen“

In Cincinnati erklärte Serena Williams im Anschluss an das verlorene Match: „Gewinnen ist natürlich toll aber in der gegenwärtigen Situation: Ich bin nicht hergekommen, um das Turnier zu gewinnen. Ich wollte aber offensichtlich mein Bestes geben.“ Die 44-Jährige hob die Zuschauer hervor: „Da draußen mit den Fans zu sein und ihnen eine weitere Möglichkeit zu geben, uns spielen zu sehen, war wirklich cool.“

Es war der erste gemeinsame Auftritt der vielfachen Grand Slam-Champions seit vier Jahren. Laut Serena Williams sei es den beiden im zweiten Satz gelungen „den Rost abzuschütteln“. Über die Kommunikation zwischen den Schwestern sagte Venus Williams nach dem Match: „Kommunikation ist etwas, das man in keiner Situation als selbstverständlich ansehen darf. Wir müssen genauso kommunizieren wie jedes andere Team auch. Wir schenken einander viel Nachsicht und Ermutigung.“ Auch bei einem eingespielten Team sei Kommunikation „bei jedem einzelnen Punkt der Schlüssel“.

Wie geht es weiter bei den US Open?

Ob Serena und Venus Williams bei den US Open erneut als Doppel antreten, ist noch unklar. Fest steht: Serena wird im Mixed-Wettbewerb mit Carlos Alcaraz auf dem Platz stehen und Venus Williams erhielt eine Wildcard für das Hauptfeld im Einzel. Auch hierbei der Kritikpunkt vieler Tennis-Fans: Nachwuchsspieler sollten bei Grand Slam-Turnieren eine Chance erhalten. Andere stellten die Theorie auf, dass Venus Williams die größte Bühne im Tennis nutzen könnte, um ein letztes Match im Einzel vor heimischem Publikum zu spielen – an dem Ort, an dem die 46-Jährige viele Erfolge gefeiert hatte. Zwei von ihren sieben Grand Slam-Titeln gewann Venus Williams bei den US Open – in den Jahren 2000 und 2001.

Ihre jüngere Schwester konnte sechs ihrer 23 Grand Slam-Siege in Flushing Meadows feiern. Ob Serena Williams ebenfalls im Einzel antritt, wurde noch nicht bekanntgegeben.

Text: Anna Sophia Antic. Sie studiert Journalismus an der IU-Akademie.